Kreiswahl: CDU will alle Direktmandate holen

Lübecker Nachrichten   11.02.2018

Parteitag läutete den Generationswechsel ein – Oldesloer Kampfkandidatur

Von Markus Carstens

Führt seit nunmehr 22 Jahren die CDU-Fraktion im Stormarner Kreistag und tritt erneut zur Wahl an: Joachim Wagner (63/l.) aus Oststeinbek.

Bad Oldesloe. Der CDU-Kreisverband hat am Sonnabend in Bad Oldesloe sein Programm für die Kommunalwahl am 6. Mai verabschiedet – und zugleich eine Kampfansage an die SPD formuliert. „Wir wollen alle 25 Direktmandate für den Kreistag holen“, sagte Vorsitzender Tobias Koch.

Anpacken für Stormarn“ ist das Wahlprogramm überschrieben, das kurz und kompakt auf vier Seiten Vorhaben und Ziele für die nächsten fünf Jahre auf Kreisebene formuliert. Von Stärkung der Wirtschaft und Verbesserung der Infrastruktur – Straßensanierung und Ausbau der B 404 zum Beispiel – ist darin unter anderem die Rede.

Vorsitzende der Programmkommission:
Kirstin Krochmann. FOTOS: MC

Es finden sich aber auch einige soziale Punkte, die auch im SPD-Programm stehen. „In der Tat liegen wir in manchen Positionen gar nicht so weit auseinander“, sagte Kirstin Krochmann aus Steinburg, Vorsitzende der Programmkommission. „Unterschiede gibt es dann nur in der Intensität.“

Einen dieser sozialen Punkte stellte auch Kreistags-Fraktionschef Joachim Wagner in seiner Bilanz für die jetzt zu Ende gehende Legislaturperiode heraus: Die Seepferdchen-Kurse des Kreissportverbandes seien auf Initiative der CDU eingeführt worden. Andere wichtige Verdienste seiner Partei seien der Pakt für den Wohnungsbau und die Erweiterung der Autobahn-Anschlussstelle Stapelfeld.

Wagner ist seit nunmehr 22 Jahren Fraktionsvorsitzender und wurde mit 93 Prozent erneut zum Spitzenkandidaten gekürt. Hinter ihm folgen Stormarns Kreispräsident Hans-Werner Harmuth und Kirstin Krochmann auf der Liste, die jedoch möglicherweise bedeutungslos sein wird. Denn vor fünf Jahren holte die CDU 22 der 25 Direktmandate, von der Liste zog deshalb niemand in den Kreistag ein.

Rund die Hälfte der Abgeordneten – darunter zum Beispiel Lukas Kilian und Ulrike Stentzler – wird dem neuen Kreistag nicht mehr angehören. „Trotzdem haben wir für alle Wahlkreise gute Kandidaten gefunden und sogar sieben darunter, die unter 38 Jahre alt sind“, betonte Wagner. Parteichef Koch sprach von einer phantastischen Mannschaft und einem echten Generationswechsel.

Die einzige Kampfkandidatur des Tages gab es im Wahlkreis Bad Oldesloe II, in dem Gudrun Möllnitz die vorgeschlagene Birgit Reichardt-Mewes herausforderte. Möllnitz wollte ihrem Ehemann Uwe in dessen Wahlkreis nachfolgen, unterlag jedoch mit 35 zu 126 Stimmen.

Bernd Freytag ausgebootet

Für den Wahlkreis Großhansdorf beantragte Bernd Freytag Einzelabstimmung. Der langjährige Kreistagsabgeordnete fühlt sich von seinem eigenen Ortsverband ausgebootet. Dieser hatte Mathias Schwenck statt Freytag aufgestellt, der schließlich auch mit deutlicher Mehrheit nominiert wurde. Freytag selbst hatte erst am Donnerstag der Fraktion seinen Verzicht auf eine mögliche Gegenkandidatur mitgeteilt und erlitt auf dem Parteitag noch eine weitere demütigende Niederlage: Auf den völlig aussichtslosen Listenplatz 26 gesetzt, schickte sein eigener Ortsverband mit Torsten Köber einen Gegenkandidaten ins Rennen. Und dieser gewann die Abstimmung mit 81 zu 68 Stimmen. Freytag verzichtete daraufhin auf einen Kandidatur für einen anderen hinteren Listenplatz.

Die Kandidaten

Wahlkreis Nordstormarn: Dennis Möck. Reinfeld: Gesa Dunkelgut. Bad Oldesloe I: Wolfgang Gerstand. Bad Oldesloe II: Birgit Reichardt-Mewes. Bad Oldesloe III: Mathias Nordmann. Bad Oldesloe-Land: Kirstin Krochmann. Tangstedt: Jürgen Lamp. Bargteheide I: Hans-Werner Harmuth. Bargteheide II: Norbert Siemer. Bargteheide-Land: Bettina Spechtmeyer-Högel. Ammersbek: Bernd Sutter. Ahrensburg I: Janne Bollingberg. Ahrensburg II: Maik Neubacher. Ahrensburg III: Claudia Rathje. Großhansdorf: Mathias Schwenck. Siek: Florian Drebber. Lütjensee: Daniela Brunke. Trittau: Benjamin Borngräber. Barsbüttel: Otto Kiehl. Glinde I: Torsten Linde. Glinde II: Maria Hengst. Oststeinbek: Joachim Wagner. Reinbek I: Hans Helmut Enk. Reinbek II: Patrick Ziebke. Reinbek III: Niklas Schwab.

U-Bahn statt Dienstwagen und kostenloser ÖPNV?

Natürlich waren gestern auch die GroKo und der Koalitionsvertrag von CDU und SPD Themen. „Wir haben in Berlin ein gutes Ergebnis erzielt“, sagte Kreisvorsitzender Tobias Koch, zugleich Fraktionschef der CDU im Kieler Landtag, und verwies zum Beispiel auf die Abschaffung des Soli, das erhöhte Kindergeld oder Schulsanierungen. Auch die S4 werde nun erst realistisch.

Der Ahrensburger Kreistagsabgeordnete Maik Neubacher gab indes dem Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann den Tipp mit auf den Weg, dass die Politiker in Berlin vielleicht mal aus ihren Dienstwagen aussteigen und U-Bahn fahren sollten, um mal wieder mit den Leuten auf der Straße in Kontakt zu kommen.

Apropos Nahverkehr: Ein CDU-Mitglied forderte gestern einen kostenfreien ÖPNV, um so den Autoverkehr in Stormarn zu reduzieren. „Dafür müsste der Kreis Millionen aufwenden“, erklärte Lukas Kilian, derzeit noch Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Der Vorschlag fand keine Mehrheit.

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