Die Fehrmanns verabschieden sich von der Oldesloer Politik

Lübecker Nachrichten   14.04.2018

Bürgerworthalter und Hauptausschuss-Vorsitzende ziehen Bilanz

Von Michael Thormählen

Freuen sich auf einen neuen Lebensabschnitt: Angela und Rainer Fehrmann haben das politische Geschehen geprägt. FOTO: M. THORMÄHLEN

Bad Oldesloe. „Alles hat seine Zeit. Für uns ist die Politik zu Ende“, sagen Rainer (67) und  Angela Fehrmann (66). Der Oldesloer Bürgerworthalter und die Vorsitzende des Hauptausschusses werden nach mehr als 20-jährigem Engagement nicht wieder bei der Kommunalwahl kandidieren.

In der Kreisstadt geht mit ihrem Abschied aus den kommunalen Gremien mehr als eine Ära zu Ende – denn wo engagiert sich denn schon ein Ehepaar in diesem Maße? Dabei hatte alles im ganz Kleinen angefangen. „Ich war in einer Bürgerinitiative aktiv, als es um eine Verkehrslenkung ging“, erinnert sich Rainer Fehrmann. Und dabei habe er in der „CDU doch besser Gehör“ gefunden. „Wir sind zunächst mit unseren Nachbarn zu den Sitzungen der Politiker gegangen, um uns zu informieren“, blickt Angela Fehrmann zurück. Sie und ihr Ehemann seien durchaus traditionell und konservativ erzogen: „Deshalb ist die CDU die richtige politische Heimat für uns“ – auch wenn, wie Rainer Fehrmann betont, beide zuvor durchaus Wechselwähler gewesen seien.

Er kam 1998 zum ersten Mal als Stadtverordneter in das kommunale Parlament, nachdem er sich zuvor schon in der Oldesloer CDU engagiert hatte – unter anderem als Vorsitzender. Seit mittlerweile zehn Jahren leitet Rainer Fehrmann als Bürgerworthalter die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung. Ehefrau Angela war zunächst als bürgerliches Mitglied in Ausschüssen präsent und erhielt 2005 einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung. Dann folgten wichtige Aufgaben – sie leitete den Bau- und Planungsausschuss und ist zurzeit Vorsitzende des Hauptausschusses. Politisches Engagement – und da stimmen der Diplom-Verwaltungsbetriebswirt, der früher bei der Bundesbahn arbeitete, und die Grund- und Hauptschullehrerin, die im vergangenen Sommer aus dem Schuldienst ausschied, überein – sei unbedingt notwendig: „Wir wollten nicht immer nur meckern, sondern auch etwas bewirken.“

Wenn meistens im Hause Fehrmann Harmonie herrschte, so blieb es doch nicht aus, dass die beiden Kommunalpolitiker bei einem Thema gänzlich verschiedene Meinungen hatten. Es ging um den Frage, ob der Sportplatz auf dem Exer einen Zaun bekommen sollte oder eben nicht. „Ich war gegen einen Zaun“, so Angela Fehrmann. „Und ich dafür“, so der Bürgerworthalter. Es blieb dann bei dem freien Zugang zu dieser Fläche. „Ich habe meine Meinung geändert, weil ich zugänglich war für andere Argumente. Und wir haben für die Stadt Geld gespart, weil wir auf den Zaun verzichteten“, sagt Rainer Fehrmann im Rückblick.

Respektloser Umgang

Leider sei der Umgangston unter den Oldesloer Kommunalpolitikern in jüngerer Zeit nicht immer der beste gewesen. „Bei einigen Stadtverordneten vermisse ich schon die notwendige Höflichkeitsform. Es gibt stattdessen eine Distanz- und Respektlosigkeit“, kritisiert Angela Fehrmann. Das habe er auch als Bürgerworthalter und Vorsitzender der St.-Jürgen-Stiftung erleben müssen, bedauert Rainer Fehrmann: „Dass wir das Altenheim nicht mehr retten konnten, ist für mich das schlimmste Ereignis gewesen.“

Überwogen haben für das Ehepaar die meist positiven Erlebnisse. „Kommunalpolitik ist die schönste Art der Politik, weil man den direkten Kontakt zu den Menschen hat“, ist Angela Fehrmann überzeugt. So sei sie von einer Mutter darauf hingewiesen, dass die Kinderbetreuung während der beweglichen Ferientage oder an Tagen mit Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer nicht gesichert sei: „Das hatten wir zunächst gar nicht in unseren Vorlagen. Es wurde geändert.“ Die Eröffnung des KuB sei das schönste Erlebnis gewesen. „Da gibt es jetzt Platz für viele innovative Ideen, und das Geld ist gut angelegt“, sagt Angela Fehrmann.

Ehemann Rainer erinnert sich gern an seine repräsentativen Pflichten, unter anderem an das Einsingen der Weihnacht an der Peter-Paul-Kirche oder die Entlassungsfeiern von Abiturienten: „Ich habe auch etwas anstoßen können – die Gründung eines Behindertenbeirates oder die Ausrichtung von Neujahrsempfängen durch die Stadt.“ Und er hebt hervor: „Ich habe das Glück gehabt, dass ich mit meinen beiden Bürgermeistern Tassilo von Bary und Jörg Lembke menschlich gut ausgekommen bin.“ Lob kommt von seiner Ehefrau: „Du hast das als Bürgerworthalter sehr gut gemacht. Ich hätte das nicht geschafft.“ Worte, die auch nach 44-jähriger Ehe das Selbstverständnis des Paares widerspiegeln. „Wir sind uns auch in der Kommunalpolitik immer auf Augenhöhe begegnet“, sagen sie. So passt es zu den Fehrmanns, dass sie gemeinsam aufhören.

CDU-Chef: Rainer Fehrmann 2001 im Gespräch mit dem damaligen CDU- Landesvorsitzenden Johann Wadephul (r.) und dem damaligen Bürgermeister Philipp Wrieden (l.).

 

 

Auf dem Fahrrad: Der Bürgerworthalter besuchte auch die französische Partnerstadt Olivet. Jetzt sind viele Reisen mit Ehefrau Angela geplant – und beide sind nicht mehr auf Ferienzeiten angewiesen.

 

 

Erster Spatenstich für den Stadtumbau West 2011: Rainer Fehrmann mit dem damaligen Innenstaatssekretär Volker Dornquast (l.).

 

 

Im Tierheim: Tierschutz-Vorsitzende Heike Reher (r.) informiert die Stadtverordnete
Angela Fehrmann.

Im Hauptausschuss: Angela Fehrmann (Mitte) leitet eine Sitzung im Oldesloer Stadthaus.

 

   Eine angenehme Pflicht: Der  Bürgerworthalter eröffnet 2012 ein Weinfest auf der Hude. FOTOS: LN-ARCHIV

 Alles Gute

68 Jahre wird Rainer Fehrmann, wenn er am 26. April zum letzten Mal eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung leitet. Auch nach insgesamt mehreren 100 Sitzungen von politischen Gremien, an denen er und Ehefrauen Angela teilnahmen, „gibt es immer noch etwas Anspannung. Man weiß ja nie, was passiert.“

Der Bürgerworthalter ist Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung in Bad Oldesloe. Die Bezeichnung leitet sich von dem mittelniederdeutschen Wort „Wortholder“ ab. In anderen Gemeinden und Städten gibt es für die gleiche Funktion die Bezeichnung Bürgervorsteher. In den kreisfreien Städten gibt es dafür den Titel Stadtpräsident und in den Kreisen dann den des Kreispräsidenten.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.