Oldesloer Erstwähler treffen Kandidaten

Lübecker Nachrichten   03.05.2018

Die Jugendlichen informierten sich auch über den Ablauf der Wahl

Von Dorothea von Dahlen

Im Alten Rathaus: Zu lockeren Gesprächsrunden gruppierten sich Jugendliche und Vertreter der Parteien, die sich am kommenden Sonntag  zur Wahl stellen. Bürgermeister Jörg Lembke appellierte zuvor an die jungen Leute, ihr Wahlrecht auszuüben. FOTO: VON DAHLEN

Bad Oldesloe. 1266 Jugendliche dürfen in Bad Oldesloe am Sonntag zum ersten Mal wählen. Doch wo sollen sie ihre Kreuze machen und welchen Sinn hat das Ganze? Im Alten Rathaus  konnten sich Erstwähler über das Prozedere informieren und Einblick in die Programme der Parteien gewinnen.

Zum Informationsabend hatten Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirats eingeladen. Das Gremium selbst existiert seit Ende 2016 und vertritt auch gegenüber der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung die Interessen der jungen Leute. Und so war es nicht verwunderlich, dass die neun engagierten Jugendlichen im Vorfeld über den Ablauf der Wahl, die ja für die neue Zusammensetzung des Gremiums entscheidend ist, aufklären und eine Begegnung mit Vertretern der Oldesloer Politik ermöglichen wollten. Sie hatten Flyer an Schulen, in Vereinen und Jugendzentren verteilt, um möglichst viele Erstwähler für diese Veranstaltungspremiere zu gewinnen. „Wir sind positiv überrascht, dass so viele gekommen sind. Wir hatten mit deutlich weniger gerechnet“, sagte Gründungsmitglied Svea Müller.

„Wichtig wäre mir die sportliche Förderung. Ich spiele Hockey beim THC“, sagte Fredrick Suida. Der 16-Jährige war mit seinem Vater zur Veranstaltung gekommen. Er hat sich nach eigenem Bekunden schon Programme der Parteien besorgt und durchgelesen. „Aber einen klaren Favoriten habe ich noch nicht“, lautete sein Resümee.

Der Einladung gefolgt waren auch Zehntklässler aus der Ida-Ehre-Schule. „Sie waren zwangsverpflichtet“, sagte Weltkundelehrerin Ina Klemmer lachend. Einer ihrer Schüler, der im Kinder- und Jugendbeirat sitzt, hatte von der Veranstaltung berichtet. „Ich fand das prima und so haben wir uns auf das Thema Kommunalwahl vorbereitet“, erzählte die Pädagogin.

Ihre Schüler Wolf Weidling und Tjark Schönefeld (beide 16) fühlten sich gut präpariert für die Begegnung mit den Politikern. „Wir haben Fragen formuliert und uns vorgenommen zu beobachten, ob sich Leute in Widersprüche verfangen“, sagte Wolf Weidling. Ihm war aufgefallen, dass sich nicht alle Politiker umweltbewusst verhalten, sondern beispielsweise aus Alu-Dosen trinken.

In Gesprächszirkeln, die sich verteilt im Saal des Alten Rathauses gebildet hatten, erfuhren die Jugendlichen erst einmal, wie ein Wahlzettel korrekt ausgefüllt wird und dass Kritzeleien, zu viele oder gar keine Kreuze dazu führen, dass er ungültig ist. Sie tauchten aber auch in kompliziertere Sachverhalte ein wie das in Bad Oldesloe angewandte Verhältniswahlrecht. „Ich gehe zwar noch nicht zur Wahl, habe jetzt aber mehr Anhaltspunkte und will mich damit mehr beschäftigen“, sagte Svea Otte, die erst im Juni 16 wird.

Vertreter aller Parteien und Wählergemeinschaften – mit Ausnahme der Freien Wähler und der FDP – stellten sich zudem den Fragen der jungen Leute. So manche Antwort vermochte die jungen Leute indes nicht zufrieden zu stellen. So hatte Eva Hassan von Vertretern verschiedener Parteien wissen wollen, ob sie sich für eine Erweiterung der Oldesloer Bibliothek einsetzen würden, damit dort künftig mehr Fachliteratur für den Unterricht vorhanden ist. „Die Politiker umschreiben viel, kommen aber nicht zum Punkt. Es wurde nur drumrumgeredet und gesagt, dass nur begrenzt Geld da ist. Dabei ist Bildung doch wichtig“, beklagte Eileen Wegner (16).

Sichtlich stolz äußerte sich Ina Klemmer zu ihren Schützlingen. „Ich finde es großartig, dass die jungen Leute idealistisch an die Dinge herangehen. Denn wenn keiner etwas Neues fordert, wird sich nie etwas ändern“, sagte sie.

Wahl in Zahlen und Fakten

19955 Bürger sind in Bad Oldesloe berechtigt, an der diesjährigen Kommunalwahl am kommenden Sonntag teilzunehmen und ihre Stimme in einem der 14 Wahlkreise der Stadt abzugeben. Dazu gehören Deutsche wie auch Bürger aus anderen EU-Staaten. Bezüglich der verschiedenen Nationalitäten ist Bad Oldesloe weit gespreizt. Das Wahlrecht genießen 613 EU-Bürger aus 21 Mitgliedsländern. So können unter anderem Dänen, Bulgarien, Litauer, Österreicher, Kroaten, Letten, Finnen, Niederländer und Franzosen ihr Votum abgeben. Die anteilmäßig größte Gruppe bilden 248 polnische Mitbürger.

1266 junge Kreisstädter dürfen zum ersten Mal den Kandidaten ihrer Wahl das Vertrauen schenken. Sie haben zum Zeitpunkt der Wahl das Alter von 16 Jahren erreicht. Was den Proporz männlich/weiblich anbelangt, so ist das Verhältnis mit 635 Erstwählerinnen und 631 Erstwählern nahezu ausgeglichen.

Frauen kandidieren: Seit 100 Jahren haben Frauen in ganz Deutschland und somit auch die Oldesloerinnen das Recht zu wählen – eingeführt wurde das Frauenwahlrecht am 12. November 1918. Doch wie sieht es heute mit ihrem Engagement in der Politik aus beziehungsweise wie ist es den Oldesloer Parteien und Wählergemeinschaften gelungen, Kandidatinnen für sich zu gewinnen? Ein vorbildliches Bild gibt diesbezüglich die Familienpartei ab. Die in zehn von insgesamt 14 Wahlkreisen antretenden Kandidaten sind zur Hälfte weiblich, zur Hälfte männlich. Jeweils sechs Frauen schicken Grüne, Linke und Freie Wähler ins Rennen, SPD, FBO und FDP jeweils fünf. Schlusslicht bildet die CDU mit einer männlich dominierten Liste. Dort sind es nur drei Kandidatinnen.

Junge Kandidaten: Generell ist festzustellen, dass sich bei der diesjährigen Kommunalwahl auffallend viele junge Oldesloer um einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung bemühen. Der Benjamin unter den Kandidaten ist aber der 1999 geborene Ismail Romiogullari. Der Schüler tritt genauso wie die 1997 geborene Maria Panzer, die den Jugendfreiwilligendienst absolviert, für die Linke an. Nachwuchs positioniert sich auch in den anderen etablierten Parteien. In der SPD gehen die Studentin Annika Klöhn und der Schüler Lukas Bussewitz (beide Jahrgang 1998) an den Start, in der CDU der angehende Jurist im sechsten Semester, Benedikt Schwardt (Jahrgang 1996). Am anderen Ende der Alterspyramide stellt sich mit Christa Sellmer die unangefochten älteste Bewerberin zur Wahl. Die Pensionärin, Jahrgang 1930, tritt für die Freien Wähler an. Gleich nach ihr auf der Altersskala rangiert Friedrich-Karl Kümmel von der FBO mit 82 Jahren.

Acht Parteien oder Wählergruppen werben bei der Kommunalwahl um die Gunst der Wähler. Außer CDU, SPD, Grüne, FBO, den Freien Wählern und der Linken tritt erstmals die Familienpartei an. Die Sitzverteilung der vergangenen Stadtverordnetenversammlung: Die CDU hatte neun Sitze, die SPD acht, Grüne und FBO verfügten jeweils über vier Sitze.

Freie Wähler und Linke hatten jeweils einen Sitz und somit keinen Fraktionsstatus. dvd

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