Schicksal der Oldesloer „Erle“ offen

Lübecker Nachrichten   22.06.2018

Initiatoren des beliebten Abenteuerspielplatzes blitzten mit Antrag auf höheren Zuschuss ab

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. War damit zu rechnen oder konnte niemand wissen, dass gewisse Themen die Oldesloer stark berühren? Das Schicksal des Abenteuerplatzes „Erle“, dessen Erhalt aus Kostengründen auf dem Spiel steht, war aber so eines, weshalb das kleine Sitzungszimmer zum Bersten voll war.

Zum Stehen in drückend heißer Luft gezwungen regte sich bei den Gästen noch vor Beginn der Oldesloer Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusssitzung Protest. GrünenChef Hartmut Jokisch sondierte die Lage und lotste den gesamten Tross letztlich ins Bürgerhaus, wo im Nu Arbeitstische für die politischen Vertreter aufgebaut und zusätzliche Stühle herbeigeschafft wurden.

In großer Zahl waren Eltern, Kinder und viele andere Wegbegleiter des Projektes zur Sitzung gekommen, um die Initiatoren Nina Reher und Oliver Mylonas bei ihrem Versuch zu unterstützen, einen höheren Zuschuss von der Stadt zu bekommen. Die Gäste brachten ein Transparent mit, auf dem 140 Briefe von Kindern prangten, die darin ihre Begeisterung für den Spielplatz zum Ausdruck brachten.

Nach Darstellung von Nina Reher ist der Treffpunkt für viele Kinder mit Familien im sonst mit Attraktionen wenig verwöhnten Stadtteil Hölk gefährdet, da die Anschubfinanzierung 2019 ausläuft. Diese hatte der Verein Erle von der Aktivregion Holsteins Herz über drei Jahre hinweg bekommen. Ohne eine solide Grundfinanzierung könne das Projekt nicht fortgeführt werden, sagte sie. Dies bedeute, dass zwei Erzieherstellen mit 30 Stunden geschaffen werden müssten, was einen finanziellen Aufwand von rund 88000 Euro ausmache. Ohne dies könne der Platz nur noch an drei Tagen öffnen, was einem Arbeitseinsatz von 14 Stunden pro Woche entspreche.

Laut Reher haben im Vorjahr 3051 Mädchen und Jungen – zur Hälfte mit Migrationshintergrund – an 203 Öffnungstagen auf dem Platz gespielt, oft begleitet von ihren Eltern. Neben dem Ferienpass und offenen Angeboten im Rahmen des Sozialraums biete der Verein ein außerschulisches Projekt an. Zudem gebe es ein gut besuchtes Nachbarschaftscafé und im Sommer das Grüne Klassenzimmer, was über ein Jahr von der Stadtschule finanziert werde. „Wir haben in der kurzen Zeit ein Riesennetzwerk gebildet mit vielen Nutzergruppen, die das Angebot lieben und für sich gewonnen haben“, sagte Reher.

Als gut und wichtig bezeichnete Jörn Lucas, als bürgerliches Mitglied für die CDU im Ausschuss, die Arbeit des Vereins. Er äußerte sich kritisch, dass die Stadt eine Erhöhung des Zuschusses um 150 Prozent gewähren solle. „Wir geraten sonst in Schieflage zu anderen Förderprojekten“, sagt er.

Cornelia Steinert (Linke) brach eine Lanze für das Projekt, da es Mädchen und Jungen wertvolle Naturerlebnisse verschaffe und ihr Sozialverhalten fördere. „In diese Kinder zu investieren, schafft auch in den Familien wieder Zukunftshoffnung“, sagte sie unter dem Beifall der Gäste. Auch Dagmar Danke-Bayer (Grüne) plädierte dafür, „die tolle Arbeit nicht wieder kaputtzumachen“.

Den nächsten Schritt, den gewünschten Betrag für zwei Pädagogenstellen voll zu leisten, mochten aber nur wenige mitgehen. Sowohl von CDU, SPD, FDP als auch der Familienpartei wurde eingewandt, der Verein habe noch nicht alle Alternativen zur Finanzierung ausgeschöpft. Das bestritt Nina Reher. Sie habe zig Anträge an verschiedene Institutionen gestellt. Geld von der EU oder von Stiftungen gebe es nur als Anschubfinanzierung oder ergänzend, wenn die Grundfinanzierung stehe, sagte sie mehrmals.

Hajo Krage (SPD) stellte den Antrag, dass die Verwaltung damit beauftragt wird, gemeinsam mit dem Erle-Verein nach einer Lösung zu suchen. Der Zuschuss der Stadt solle auch deutlich unter 88 000 Euro liegen. Dem stimmten die Ausschussmitglieder mehrheitlich zu.

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