Kunstrasen einzäunen? VfL blitzt mit Vorschlag ab

Lübecker Nachrichten   04.07.2018

Oldesloer Politik will den Fußballplatz für friedliche Kicker offen halten

Bad Oldesloe. Abriegeln, Zaun drum oder weiterhin für alle geöffnet? Der Streit über Maßnahmen zum Schutz des Kunstrasens am Oldesloer Exer findet kein Ende. Erneut entflammt ist er, seit Jugendliche dort nach dem Stadtfest Schäden angerichtet hatten. Der VfL warnt jetzt vor erneuter Gefahr beim bevorstehenden Kindervogelschießen.

Für heftige Debatten hatte die Chaosnacht, bei der mehrere hundert Jugendliche reichlich Müll, Glasscherben und Brandschäden auf dem Platz hinterließen, schon während der jüngsten Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses gesorgt. Der VfL Oldesloe als Nutzer der Sportstätte hat jetzt nachgelegt und sich mit einer E-Mail an die Stadtverordneten gewandt. Aufgrund der Verunreinigung des Platzes durch Glasscherben und Vandalismus sei die Sicherheit der Fußballer nicht mehr gewährleistet, heißt es in einem Schreiben von Nico von Hausen. Der Verein schlage deshalb vor, einen provisorischen Bauzaun aufzustellen und späterhin eine feste Zaunanlage zu installieren.

Dieser Vorschlag stößt bei der Politik indes nicht auf Gegenliebe. Hajo Krage (SPD) betrachtet es als falsches Zeichen, den Platz nun einzuzäunen. „Grundsätzlich muss man sehen, dass jahrelang alles gut funktioniert hat. Jetzt taucht ein Problem auf, das lässt sich nicht leugnen. Aber das friedliche Fußballspielen über alle Nationalitäten hinweg zu beenden, nur weil einige Wenige die Regeln nicht einhalten, das machen wir nicht mit“, sagt er. Im äußersten Fall müsse eben ein Sicherheitsdienst engagiert werden, der etwaigen Störenfrieden einen Platzverweis erteilen könnte.

Ebenso wie Krage sieht es auch CDU-Fraktionschef Horst Möller. „Der Bürgermeister möge kreativ sein und sich etwas einfallen lassen“, spielt Möller den Ball an Bürgermeister Jörg Lembke weiter. Die Entscheidungskompetenz liege bei ihm. Er müsse jetzt eine vernünftige Lösung aus ordnungsbehördlicher Sicht finden, ohne dass ein Beschluss zum Zaunbau gefasst werden müsse.

„Von uns gibt es da ein klares Nein. Der Exer ist ein offener Platz in einer offenen Stadt“, sagt auch Christian Vollpott von den Linken. Ein Zaun bringe im Übrigen wenig. „Flaschen kann man auch oben rüberwerfen“, fügt er hinzu.

Bürgermeister Jörg Lembke wiederum erklärt, er sei nicht der richtige Ansprechpartner für den Vorstoß des VfL. Vom Verein sei er auch nicht angeschrieben worden. Über den Vorschlag, den Kunstrasenplatz jetzt doch dauerhaft einzuzäunen, habe auch nicht er, sondern allenfalls die Politik zu entscheiden. Darauf angesprochen, welche Maßnahmen er aus Sicht der Verwaltung unternimmt, um den Platz während des Vogelschießens zu schützen, sagte er: „Ich habe schon nach dem Stadtfest angekündigt, mehr Mülleimer aufstellen zu lassen, in der Hoffnung, dass nicht so viel verunreinigt wird.“ Eine Security zu engagieren, um etwaigen Vandalismus zu verhindern, sei eine Frage der Kosten. Letztlich müsse abgewogen werden, ob die Reinigung des Platzes nicht günstiger ausfalle. Im KuB sei der Wachschutz im Übrigen engagiert worden, weil es um den Schutz des Hausmeisters ging, der von Jugendlichen verletzt worden sei. Eine Sachbeschädigung wie im Falle des Kunstrasens sei zwar auch eine Straftat, aber ein Antragsdelikt. Sie könne nur geahndet werden, wenn sich ein Tatverdacht nachweisen lasse.

Wie Krage sieht Nicole Kanapin (Grüne) die Stadt noch in anderer Hinsicht in der Pflicht. „Wir müssen etwas tun, um den offenen Platz zu schützen, aber mehr als weitere Mülleimer aufzustellen“, sagt sie. Die aufsuchende Sozialarbeit der Verwaltung sei gefragt, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Wenn all das nicht fruchte, müsse zur Not eine Security Platzverweise aussprechen. Das falle günstiger aus als ein Bauzaun. D. von Dahlen

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