Blumenkinder feiern den Vogelschuss

Lübecker Nachrichten   06.07.2018

3000 Oldesloer Schülerinnen und Schüler begeisterten ganz Bad Oldesloe

Von D. v. Dahlen und S. Fofana

Bad Oldesloe. Die ganze Stadt war gestern früh auf den Beinen, als rund 3000 Oldesloer Schülerinnen und Schüler zu viel Musik beim Festumzug durch die Stadt marschierten. Tausende winkten ihnen ihnen vom Straßenrand aus zu. Das größte Kinderfest im Norden wollte niemand verpassen.

Am Tag zuvor hatte man noch geglaubt, dass der wichtigste Tag in der Stadt Bad Oldesloe von Kaiserwetter begleitet wird. Doch dann blieb der Himmel grau – bis auf wenige Sonnenstrahlen in der Früh, als die ersten Musikanten das Fest einläuteten. Die im Vorjahr erstmals eingeführte Sicherheitssperre durch Lkw der Stadtwerke und Polizei versetzten fünf Busfahrer in arge Zeitnot. Sie steckten rund eine halbe Stunde in der Schützenstraße im Stau.

Derweil standen die ersten Oldesloer schon erwartungsfroh an den Straßenrändern oder ließen sich zum Frühstücken in einem der Cafés an der Marschroute nieder. Leyla (3) aus Bad Oldesloe nutzte die Zeit, um noch einige Hunde zu streicheln. Oldesloes Ex-Bürgerworthalter Rainer Fehrmann nebst Gattin Angela freute sich, dass er endlich mal den ganzen Festumzug anschauen konnte, bei dem er viele Jahre an der Spitze mitmarschierte. Hildegard Pontow hingegen, die viele Jahre dem Vogelschießerausschuss vorstand, marschiert nun als neue Bürgerworthalterin wieder ganz an der Spitze mit.

„Ich bin heute das erste Mal nach der Schulzeit wieder dabei“, freute sich die gebürtige Oldesloerin Birgit Kuhlke. Sie habe sonst nicht frei bekommen. „Viel Spaߓ ist der Satz, den man gestern am häufigsten hörte, den sich viele zuriefen, wenn sie Freunde und Bekannte trafen. „Heute ist es wieder so weit. Kindervogelschießen in Bad Oldesloe. Wünsche uns allen einen schönen Tag“, hatte Oldesloes Tambourmajor Hans Helmut Rohde schon frühmorgens auf Facebook gepostet. Mit von der Partie waren auch die Stormarn Magics unter der Regie von Heiko Kück. Sein Sohnemann (Lasse) ließ es sich nicht nehmen, das Banner beim Umzug zu tragen. Anschließend eilte er zur Schule am Masurenweg, um selbst beim Wettkampf mitzumischen.

Außer dem traditionellen Blumenschmuck hatten sich die Klassen der Oldesloer Schulen (außer Kreisberufsschule) für den Umzug viel einfallen lassen. Ganze Fußballklassen waren dabei. Zudem waren die Schleswig-Holstein-Farben vertreten. Wie in den drei sechsten Klassen der Theodor-Storm-Schule, die klassenweise in Blau-Weiß-Rot im Festumzug mitmarschierten. Auch bunte Luftballons, Fahnen und mehr sorgten für Farbe im Festumzug. Auch wenn der Himmel bedeckt war – Eltern versorgten ihren Nachwuchs zwischendurch immer mal mit Getränken. Für die Schaulustigen gab es Bonbons, und die landeten nicht nur unten im Gedränge, sondern auch bei Zuschauern, die das bunte Treiben von oben verfolgten.

Wer schießt den Vogel ab?

Nervenkitzel pur – so ließe sich das Geschehen auf dem Exer beschreiben, wo sich die zuvor ermittelten Treffsichersten unter den Achtklässlern ein spannendes Schießturnier lieferten. Je 50 Schülerinnen und Schüler zielten auf die schicken Holzvögel, die erstmals von den Hausmeistern der Schule am Masurenweg, Bernd Nissen und Kai Schuppenhauer, geschnitzt und bemalt worden waren. Bei den Mädchen hatten sich schon einige Favoritinnen herausgemendelt. Lina Marie Schaa (13) etwa, die in ihrem Heimatdorf Steinfeld vor kurzem erst zur Königin gekrönt worden war, traf so erfolgreich, dass sie den Kopf und eine am Rumpf befestigte Figur als Trophäe davon tragen konnte. Einige Durchgänge später – der Vogel war inzwischen mit einer Sollbruchstelle präpariert worden – legte Emily Drüke an. Ein Kreischen und Jubeln erfüllte den Fanblock, und selbst Moderatorin Maren Petersen konnte nicht mehr an sich halten. „Das nenne ich Frauenpower“, rief sie ins Mikro. Denn die 14-Jährige von der Ida-Ehre-Schule brachte das Tier mit einem beherzten Schuss zu Fall.

Am benachbarten Stand spielten sich dagegen lange Dramen ab. Zweimal mussten die „Gelenke“ des Holzadlers ein wenig mehr gelockert werden. Doch es half nichts. Schuss um Schuss ging daneben oder prallte ohne sichtbaren Erfolg vom Vogel ab. Jegliches Anfeuern verfehlte seine Wirkung. Plötzlich herrschte Stille. Wie in Zeitlupe flog ein halber Vogelrumpf durch die Luft, nachdem Ole Wachholz seine Armbrust angelegt hatte. Doch der Rest blieb oben stecken. Die Menge litt stöhnend mit ihm, hatte es doch zum großen Sieg nicht gereicht. Und auch der gelang erst viele Durchgänge später. Es war Thor Damm (14) von der Theodor-Storm-Schule, der dem Tier letztlich den „Gnadenschuss“ verpasste.

Am Abend gehörte der Exer wieder eher den Erwachsenen, von denen viele, die in der Ferne wohnen, der Heimat eigens fürs Vogelschießen einen Besuch abstatteten.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.