Im Rathaus fehlen Fachkräfte: Bad Oldesloe bildet mehr aus

Lübecker Nachrichten   15.08.2018

Auch die Stadt ist auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern

Von Michael Thormählen

Bad Oldesloe. Auf dem Arbeitsmarkt sind die Angebote mehr als rar – diese Erfahrungen mussten die Personalverantwortlichen der Stadt Bad Oldesloe machen. „Wir wollen deshalb offene Stellen mit eigenen Mitarbeitern besetzen, die wir selbst ausgebildet haben“, betonte Bürgermeister Jörg Lembke.

Er stellte gemeinsam mit Ausbildungsleiter Stefan Teich vier junge Leute vor, die vor kurzem ihre jeweils dreijährige Ausbildung begonnen haben. Helen Kaltwasser (18) und Wencke Behrens (19) sind als angehende Verwaltungsfachangestellte dabei, während Jonas Wagner (17) eine Lehre als Straßenwärter im Baubetriebshof absolviert. Anna-Lena Wriedt (22) hat bereits eine Verwaltungsausbildung hinter sich, jetzt steigt sie in ein Bachelorstudium ein. Die Stadt, so der Bürgermeister, hatte sogar einen fünften Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt. Es ging dabei um einen künftigen Gärtner: „Leider hat dieser Azubi abgesagt.“

Diejenigen, die gekommen sind, haben das bisher nicht bereut – so der übereinstimmende Tenor der vier jungen Leute, die zurzeit in wechselnden Bereichen im Stadthaus oder im Bauhof beschäftigt werden. Einige hatten zuvor Praktika absolviert, um Eindrücke von den Verwaltungsabläufen kennenzulernen. Nicht nur der Einblick in die notwendigen Gesetzestexte als Grundlage für Entscheidungen, sondern auch der Umgang mit Bürgern könne viel Freude bereiten.

Jörg Lembke ist bewusst, dass eine Ausbildung im eigenen Rathaus ein zunehmend kostbares Gut wird: „Wir wollen unsere Azubis möglichst lange bei uns behalten.“ Wegen der altersbedingten Abgänge werde es in den kommenden Jahren „erhebliche Lücken“ bei den Mitarbeitern geben. „Am Arbeitsmarkt ist allerdings wenig zu bekommen“, so der Bürgermeister. Dies treffe angesichts der guten wirtschaftlichen Situation nicht nur für die private Wirtschaft in Stormarn zu. Es komme durchaus vor, dass sich „Verwaltungen gegenseitig Mitarbeiter abjagen“ – vor allem dann, wenn es um besonders gesuchte Beschäftigte gehe: „Der Personalwechsel ist größer geworden.“ Auch die Stadt habe diese Erfahrungen machen müssen, weil Mitarbeiter anderenorts ein höheres Gehalt bekämen.

Um auf die beruflichen Chancen aufmerksam zu machen, ist die Stadt auf zahlreichen Ausbildungsmessen präsent, unter anderem bei „BIZ bei Nacht“ und der Nachtschwärmer-Jobtour in Bad Oldesloe sowie auf der Jobmesse in Bargteheide. „Unsere Azubis schließen ihre Ausbildung meistens mit guten Noten ab“, stellte der Bürgermeister fest. Dies unterstreiche die hohe Qualität der Ausbildung in der kommunalen Verwaltung.

Großes Interesse stellte der Ausbildungsleiter bei den Bewerbungen für die Jobs in den Amtsstuben fest: Es habe 124 Bewerbungen für das Bachelorstudium und mehr als 100 für die Lehrstellen der Fachangestellten gegeben. „Ich mache mir allerdings Sorgen um den Bauhof“, so Stefan Teich – für die handwerklichen Berufe seien weniger als zehn Bewerbungen eingegangen. Es müsse aber nicht jeder ins Studium oder ins Büro gehen. Und der Bürgermeister sicherte zu, dass die jetzt nicht besetzte Stelle für einen Gärtner-Azubi auf jeden Fall im kommenden Jahr wieder ausgeschrieben werde.

Um die eigene Ausbildung attraktiver zu machen, soll von 2019 an auch wieder eine Teilzeitbeschäftigung möglich sei. Das sei seit 2007 in neun Fällen geschehen, sagte der Bürgermeister. Das Angebot komme vor allem Alleinerziehenden entgegen. Eine Teilzeitausbildung stelle allerdings hohe Anforderungen an die Betroffenen: „Sie müssen das Gleiche draufhaben wie Azubis in Vollzeit.“ Bad Oldesloe will in Zukunft auch wieder Beamte für den mittleren Dienst ausbilden, die vorankommen könnten. Denn es soll Aufstiegschancen geben. „2019 haben wir deshalb wieder eine Bachelorstelle“, kündigte Jörg Lembke an.

Stellenplan im Herbst

230 Vollzeitstellen gibt es bei der Stadt, die rund 250 Mitarbeiter beschäftigt. Die meisten Beschäftigten arbeiten in der Peripherie, so im Baubetriebshof oder als Sozialarbeiter in den Schulen. Bürgermeister Jörg Lembke will im Herbst den Stadtverordneten einen Stellenplan vorlegen, um vor allem die Kernverwaltung im Rathaus zu stärken – so beispielsweise in der Bauverwaltung. Dies könne aber generell nicht durch eine Aufwertung von Arbeitsplätzen und damit einer besseren Bezahlung geschehen.

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