Kinder bemalen tristen Beton

Lübecker Nachrichten   05.09.2018

Hamburger Sprayer hilft beim Verschönern der Mauer am Kreisverkehr in Bad Oldesloe

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe.  Geschäftiges Treiben herrscht hinter der rot-weißen Absperrung. 20 Mädchen und Jungen der Oldesloer Klaus-Groth-Schule haben sich vorgenommen, mal so richtig in die Vollen zu gehen. Sie dürfen alles, was ihnen zum Thema Vogelschießen einfällt, einfach an die kahle Wand am Kreisverkehr an der Kreuzung Sülzberg/Kurparkallee malen. Ob Herzen, Strichmännchen, Vögel, Bäume, Gespenster – alles ist erlaubt. Hauptsache, der triste Beton wird später von einer farbenfrohen Kulisse komplett überdeckt.

„Mehrere Schulen beteiligen sich an dem Projekt, die Mauer zu bemalen“, erzählt die Kunstlehrerin der Lütten, Marie-Charlotte Hoffmann. Eine Hälfte der tristen Wand sei schon von Kindern der Grundschule West gestaltet worden. Den letzten Schliff verpassten dann die älteren Schüler von der Theodor-Mommsen-Schule der gemeinsam erstellten Collage. „Wir haben uns bewusst für ein mehrschichtiges Gemälde entschieden, um zu betonen, dass verschiedene Altersgruppen an der Aktion beteiligt sind. Denn das entspricht ja auch der lang gepflegten Tradition des Vogelschießens in Bad Oldesloe“, erklärt die Lehrerin.

Voller Eifer schütteln derweil die Mädchen und Jungen blaue, grüne, gelbe, quietschrosafarbene und schwarze Farbdosen, um ihren Teil zum Wandbild beizutragen. „Toll macht ihr das“, lobt Ray de la Cruz. Der Mann mit der knallroten Collegejacke gehört nicht zum Team der Schule, aber er ist eindeutig vom Fach. Der professionelle Sprayer hat schon so manches überlebensgroße Gemälde auf öde Häuserwände in Hamburg gezaubert. „Ich habe ganz viele Bilder an der Reeperbahn gesprüht, den Adidas-Pop-up-Store, die Kneipe Silbersack und vieles andere mehr“, erzählt der 41-Jährige. Außerdem habe er schon bei verschiedenen Kinder- und Jugendprojekten wie etwa der Ferienakademie Tide in Hamburg mitgewirkt. Das bereite ihm selbst viel Vergnügen. „Ja, die Kinder stellen sich sehr gut an. Sie malen frei aus dem Kopf heraus. Ihre Motive wie Blumen oder Tiere kennt jeder. Das ist das Tolle“, sagt der Graffiti-Künstler aus Hamburg. Vom Oldesloer Projekt hatte de la Cruz über die sozialen Netzwerke erfahren. „Ich bin bei Facebook drüber gestolpert. Ein Kollege hatte mir einen Aufruf dazu geschickt und darauf habe ich reagiert“, berichtet er.

Ganz so spontan, wie es im ersten Moment erscheint, war das Graffiti-Projekt jedoch nicht zustande gekommen. Den ersten Anstoß dazu hatte die SPD bereits im September 2016 im Hauptausschuss gegeben. Die Fraktion begründete ihren Antrag damit, dass die Betonmauer am Kreisverkehr immer wieder durch Graffitischmierereien verunstaltet werde und schlug vor, dass Oldesloer Schulen die Wand im Rahmen eines Projektes künstlerisch bearbeiten. Die Verwaltung solle Kontakt zu ihnen aufnehmen, hieß es. Als Motiv wurden damals „historische Bauten der Stadt“ genannt. Die Materialkosten in Höhe von 2000 Euro solle die Stadt tragen. Mutmaßlich ob der Vielzahl anderer Themen verschwand diese Anregung dann in der Versenkung.

Erst im Frühjahr dieses Jahres kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Dieses Mal machte sich auch die Familienpartei für die Umsetzung des SPD-Vorschlags stark und rührte über die sozialen Medien kräftig die Werbetrommel für das Projekt, wodurch wohl letztlich auch Sprayer de la Cruz davon erfuhr. Letztlich kam das erhoffte Kunstwerk doch zustande. Die offizielle Enthüllung soll in den nächsten Wochen erfolgen, teilte gestern Agnes Heesch von der Oldesloer Stadtverwaltung mit. Der genaue Termin stehe aber noch nicht genau fest.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.