Höherer Zuschuss für „Erle“ verweigert

Lübecker Nachrichten   08.09.2018

Kompromissvorschläge fanden keine Mehrheit im Oldesloer Sozialausschuss

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Schockiert verließen die beiden Initiatoren des Abenteuerspielplatzes „Erle“ den Sitzungsraum. Vor sieben Jahren hoben Oliver Mylonas und Nina Reher das Projekt im kinderreichen Stadtteil am Poggenbreeden aus der Taufe – mit großem Erfolg. Nun mussten sie ein weiteres Mal erleben, dass sich im Oldesloer Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss kein gangbarer Kompromiss fand, um die Grundfinanzierung auf stabile Füße stellen zu können. Im Juni hatte der Verein „Erle“ bereits den Antrag gestellt, den von der Stadt gewährten Zuschuss von vormals 36 000 auf 88 000 Euro zu erhöhen, damit die Betreuung auf dem Platz mit zwei Pädagogen auch nach Oktober 2019 gesichert ist. Nach Darstellung des Vereins laufen komplementäre Förderungen durch die Gladigau-Stiftung (bis Oktober 2018) und durch die Aktivregion „Holsteins Herz“ (Ende September 2019) aus. Ein Beschluss wurde damals vertagt.

Ein Plädoyer für das Projekt hielt Cornelia Steinert, als bürgerliches Mitglied (bm) für Die Linke im Ausschuss. Sie lobte das pädagogische Konzept, das den Kindern in einem nicht sehr mit Angeboten verwöhnten Stadtteil eine Perspektive gebe. Ihre Fraktion sei bereit, die beantragte Summe in voller Höhe bis 2020 zu gewähren – mit der Auflage, dass dem Ausschuss ein Zwischenbericht vorgelegt werde. Auch Dagmar Danke-Bayer (Grüne) sprach sich für den Zuschuss aus. „Hier findet richtige Prävention statt“, sagte sie. „Wir sollten stolz sein, dass wir so etwas in unserer Stadt haben.“

Anders reagierte die SPD: Annika Klöhn erklärte, nach Maßgabe ihrer Partei müsse der Zuschuss deutlich darunter liegen. Es reiche, wenn eine Stelle voll finanziert sei und die darüber hinaus zu leistende Arbeit von Freiwilligen innerhalb eines sozialen oder ökologischen Jahres erbracht werde. Das helfe, Kosten zu sparen. Nina Reher, die als Sachverständige im Ausschuss reden durfte, erklärte, dass es sich um ein Projekt der Kinder- und Jugendhilfe handele und aus Gründen der Aufsichtspflicht zwei ausgebildete Pädagogen auf dem Platz sein müssten.

„Wir sehen es wie die SPD“, sagte Jörn Lucas (CDU). Er verzichtete aber ebenso wie Annika Klöhn darauf, einen eigenen Antrag zu stellen. Die Angelegenheit sei zu komplex und deshalb noch nicht beschlussfähig. Er legte nahe, das Thema erneut zu beraten.  Anita Klahn (FDP) schlug vor, zwar nicht den gesamten Betrag, aber immerhin 66 000 Euro zu gewähren. Den dritten Antrag stellte Tom Winter von der Familienpartei. „Uns ist es wichtig, zunächst das Geld zur Verfügung zu stellen, das die ,Erle’ benötigt, um den Betrieb bis Ende 2019 aufrechterhalten zu können“, sagte er. Gemäß den Angaben des Vereins tue sich nächstes Jahr für drei Monate eine Deckungslücke auf. Die Summe von 13 000 Euro möge deshalb mit einem Sperrvermerk versehen in den Haushalt eingestellt werden. Somit sei das Projekt zunächst abgesichert und der Ausschuss gewinne Zeit, eine Entscheidung über die Finanzierung für das Jahr 2020 zu fällen.

Auf Einwürfe, dass der Verein „Erle“ womöglich nicht genug recherchiert habe, um andere Geldquellen ausfindig zu machen, schaltete sich Boris Bouchon ein, zuständig für Jugendarbeit in der Verwaltung. „Es ist unglaublich schwer, Zuschüsse zu bekommen, wenn die Grundfinanzierung eines Projektes nicht gesichert ist. Und aus Mitteln eines Vereins eine Familie zu ernähren, ist haarig. Deshalb sollte ein politischer Beschluss jetzt erfolgen, damit die Initiatoren wissen, ob es weitergeht oder nicht“, sagte er.

Die Abstimmungen endeten wie das Hornberger Schießen. Keiner der vorgetragenen Anträge erhielt die erforderliche Mehrheit. Damit waren selbst die unter der Maximalsumme gebliebenen Vorschläge vom Tisch, so dass sich der Vorschlag der Verwaltung durchsetzte, das Projekt auch weiterhin jährlich nur mit 36 000 Euro zu unterstützen.

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