„Mehr Wohlfühl-Momente schaffen“

Lübecker Nachrichten   09.09.2018

Hildegard Pontow zieht nach 100 Tagen erste Bilanz als neue Bad Oldesloer Bürgerworthalterin

Von M. Thormählen

Bad Oldesloe. „Ich habe eine neutrale Rolle, und diese moderierende Aufgabe ist etwas, was ich sehr schätze“, betont Hildegard Pontow. Die CDU-Politikerin hat seit Anfang Juni ein herausragendes Ehrenamt in Bad Oldesloe übernommen, als sie von der Stadtverordnetenversammlung zur neuen Bürgerworthalterin gewählt wurde.

„Ich habe mich schon vorher gefragt, ob ich mit 69 Jahren damit anfangen soll“, sagt sie rückblickend. Kommunalpolitische Erfahrungen besaß die ehemalige Schulleiterin nämlich nur als bürgerliches Mitglied in ihrer Fraktion. Doch ihr sei von vielen Seiten zugeraten worden, zumal sie als Rektorin viele Konferenzen geleitet hat – da könne sie auch die Sitzungen der Stadtverordneten leiten. Die neue Bürgerworthalterin, die bei der Kommunalwahl Anfang Mai ein Direktmandat gewann, hat auch Unterstützung von ihrem Vorgänger bekommen: „Rainer Fehrmann hat mit zugeraten.“

Hildegard Pontow hat diesen Schritt nicht bereut – im Gegenteil. „Ich habe bisher sehr viel Zuspruch bekommen.“ Erfreulicherweise sei auch die Arbeit in den politischen Gremien ohne Probleme angelaufen. In Ausschusssitzungen sei sehr sachlich argumentiert worden, und bei wichtigen Themen habe es Kompromisse gegeben. „Das macht sich dann auch bei der Stadtverordnetenversammlung bemerkbar.“ Neu sei auch ihre interfraktionelle Rolle in der Zusammenarbeit mit Bürgermeister Jörg Lembke.

Die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung gibt sich allerdings nicht der Illusion hin, dass es künftig ohne Kontroversen in der Oldesloer Politik abgeben wird. Hildegard Pontow richtet ihren Blick auf die Themen Kreisel-Bau, Straßenausbeiträge oder Finanzierungswünsche von Einrichtungen, die an die Stadt herangetragen werden: „Ich bin mir sicher, dass es da Diskussionen geben wird. Aber wir werden zu Lösungen kommen.“ Sie will dann ihre Rolle als Mittlerin ausfüllen und vor allem verhindern, dass es zu persönlichen Angriffen kommt. „Ich habe bisher nichts Unangenehmes in dieser Hinsicht erlebt. Es darf doch keine Unterstellungen geben, dass man bewusst etwas in den Abgrund führt“, sagt die Bürgerworthalterin.

Zu ihren Aufgaben gehören auch Repräsentationspflichten, unter anderem die Teilnahme an den Entlassungsfeiern von Schülern. In der Ida-Ehre-Schule wurde die Pädagogin als „Bürgerwohltäterin“ begrüßt – vielleicht auch, weil die Schüler mit dem anderen Titel nichts anzufangen wussten. Wohltaten kann Hildegard Pontow nicht allein verteilen, wohl aber Anstöße, wenn sie von Bürgern oder Vertretern von Institutionen auf Probleme angesprochen wird. Da setze sie sich für eine unbürokratische Hilfe ein und wolle auch erreichen, dass die Verwaltung Themen schneller angeht. Unbürokratisch kann auch das Stichwort für eine andere Aktion sein vor dem Hintergrund der jüngeren Vorfälle am Exer, als junge Leute auf dem Fußballfeld feierten und etliche Flaschen zu Bruch gingen: „Da können auch die Stadtverordneten selbst rausgehen, um Scherben einzusammeln.“

Als einen ersten Höhepunkt in ihrem Ehrenamt bezeichnet die Bürgerworthalterin die Teilnahme am Behördenstammtisch, der von den Chefs der in den Bad Oldesloe ansässigen Einrichtungen und Verwaltungen besucht wurde – beispielsweise von Schulen oder Polizei. „Da wird über Entwicklungen berichtet und man bekommt einen neuen Blickwinkel“, stellt Hildegard Pontow fest. Viele Zusammenhänge seien dann erkennbar.

Ihr neues Engagement hängt auch mit dem Bekenntnis zusammen, dass sie sich ohne große Vorbehalte zu ihrer Heimatstadt bekennt: „Ich habe immer gern in Bad Oldesloe gelebt.“ Es gebe vielleicht noch einige verbesserungswürdige Kleinigkeiten, um weitere „Wohlfühl-Momente“ für die Bürger zu schaffen. Das äußere Erscheinungsbild könnte aufgehübscht werden – auch durch mehr Grün im Stadtzentrum: „Ansonsten gefällt mit die Stadt außerordentlich gut.“ Die Bürgerworthalterin hat nach eigenen Worten nie den Wunsch gehabt, in einer Großstadt zu leben. Und dazu passt die Lage zwischen Trave und Beste „Ich mag dieses Überschaubare.“

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