Besser Bus fahren im Nordkreis

Lübecker Nachrichten   11.09.2018

Nahverkehrsnetz wird zum Winter 2019 neu vergeben – Halbstundentakt für die Linie 8110

Von Marcus Carstens

Der Zob in Bad Oldesloe: Die Kreisstadt hat bereits seit Jahrzehnten einen eigenen Stadtverkehr mit drei Linien, in Bargteheide wird er jetzt erst eingeführt. FOTO: CARSTENS

Bad Oldesloe. Über eine Sache waren sich alle Mitglieder des Stormarner Verkehrausschusses einig: Nachdem zuletzt immer der Süden des Kreises mit Verbesserungen beim Nahverkehr bedacht wurde, war nun mal der Nordkreis dran. Besonders Bargteheide und Bad Oldesloe profitieren, weil sie entsprechenden Bedarf angemeldet hatten. Aus Reinfeld und den Ämtern kamen dagegen kaum Rückmeldungen.

Hintergrund ist die Neuvergabe des Busnetzes Nordstormarn zum Fahrplanwechsel Ende 2019 für dann zehn Jahre. Bislang bedient dort hauptsächlich die Autokraft das Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Der Kreis kalkuliert durch die Verbesserungen mit jährlichen Mehrkosten von rund 330 000 Euro. Die exakte Höhe ergibt sich jedoch erst im Laufe des kommenden Jahres, wenn der Auftrag an ein Busunternehmen erteilt worden ist. Dieses soll bis März 2019 geschehen sein.

Darum geht es im Einzelnen:

Im Halbstundentakt von Bad Oldesloe nach Ahrensburg: Auf der Linie 8110 (Bad Oldesloe – Bargteheide – Ahrensburg) wird es zur Attraktivitätssteigerung montags bis freitags eine Verdichtung des Stundentaktes in den Hauptverkehrszeiten (ca. 6 bis 8 Uhr und ca. 15.30 bis 19 Uhr) zum 30-Minuten-Takt geben. „Die Linie 8110 ist die nachfragestärkste Buslinie im nördlichen Kreisgebiet. Sie soll daher vom nachfrageorientierten Angebot in einen zum Teil angebotsorientierten attraktiven Verkehr umgestaltet werden“, erklärte Björn Schönefeld, beim Kreis für den ÖPNV zuständig. Die Verbesserungen auf dieser Linie sind mit Mehrkosten von etwa 160 000 Euro jährlich verbunden, zudem muss ein weiteres Fahrzeug eingesetzt werden.

Weg vom nachfrageorientierten Verkehr hin zum angebotsorientierten ist auch ganz im Sinne der Grünen. Joachim Germer würde dieses Modell gerne auf weitere Linien ausdehnen, „dann wird es noch mehr Fahrgäste geben“, sagte er. Zudem plädierte er während der Sitzung für alternative Antriebe, die auch gleich in die Ausschreibung des Netzes aufgenommen werden sollten. Das jedoch sah die Kreisverwaltung kritisch. Man einigte sich schließlich darauf, nach Auftragsvergabe mit dem neuen Betreiber über eventuelle andere Antriebsformen nachzuverhandeln.

Große Oldesloer Wunschliste: In Bad Oldesloe hat man sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Nahverkehrsangebot der Stadt befasst. Es gab nicht nur mehrere politische Sitzungen dazu, sondern auch eine Einwohnersammlung. Am Ende kam eine große Wunschliste heraus, von der der Kreis die meisten Anliegen auch umsetzen will.

Zum Beispiel beschloss der Verkehrsausschuss, dass der Kreis fortan die Kosten für die Schleife der Linie 8102 über das Gewerbegebiet Süd-Ost an der A 1 übernimmt. Bislang hatte die Stadt das gemacht. Die Linie 8102 ist die am stärksten nachgefragte Verbindung im Stadtverkehr Bad Oldesloe. Insbesondere die Haltestelle Famila ist mit mehr als 30 Ein- und Aussteigern pro Tag eine der stärker genutzten Haltestellen auf dieser Linie.

Unter dem Motto „Eine Stadt – ein Tarif“ wollte Bad Oldesloe einen einheitlichen Fahrpreis für die Nutzung der Busse sowie des Anruf-Sammel-Taxis (AST). Dieses Ansinnen lehnte der Kreis jedoch ab mit dem Verweis auf den zusätzlichen Komfort, dass die Fahrgäste vor der Haustür aussteigen können. Allerdings können die Oldesloer fortan mit Wochen- oder Monatskarten das AST nutzen – mit der Einschränkung, dass dies nur für Linien gilt, die nicht stündlich bedient werden. Und davon wiederum gibt es gar nicht so viele, so dass die Einnahmeverluste von der Kreisverwaltung als gering eingeschätzt werden.

Vertagt wurde die Entscheidung, den Bereich Pölitzer Weg/Hebbelstraße/Neubaugebiet Kampstraße in den Busverkehr einzubeziehen. Das könne immer noch auch nach der Vergabe geschehen, hieß es. Gescheitert ist die Stadt indes mit ihrem Antrag, den Takt der Stadtverkehrslinien 8101, 8102 und 8103 von 60 auf 30 Minuten zu halbieren. Alle drei Linien seien zwar gut ausgelastet, so Björn Schönefeld, ein Halbstundentakt sei aber noch nicht erforderlich. Weil die Zahlen der Fahrgäste weiter steigen, sei jedoch eine Finanzierung durch den Kreis zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen. Eine Taktverdichtung würde rund 80 000 Euro pro Jahr kosten. Dem Antrag, die genannten Stadtverkehrslinien sonnabends statt bis 14 Uhr fortan bis 18 Uhr fahren zu lassen, stimmte der Verkehrsausschuss jedoch zu.

Außerdem wichtig für die Unternehmen, die sich um die Vergabe des Netzes bewerben: Bei Neufahrzeugen für den Oldesloer Stadtverkehr müssen sie zwei Rollstuhlplätze vorhalten.

Erstmals echter Stadtverkehr in Bargteheide: In Bargteheide soll erstmals überhaupt ein echter innerstädtischer ÖPNV aufgebaut werden – so wie es ihn in Bad Oldesloe, Reinfeld und Ahrensburg längst gibt. „In Bargteheide ergeben sich zwei wesentliche Handlungsbedarfe“, erklärt Experte Schönefeld. Zum einen sei dies die Anbindung des Gewerbegebietes, die neben der Stadt auch von Unternehmen gewünscht wird, und zum anderen die Anbindung von bislang unversorgten Wohngebieten.

Mehr über den Stadtverkehr Bargteheide auf www.ln-online.de und in einer zweiten Folge der LN-Stormarn-Ausgabe.

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