Moderne Zukunft für Alten Oldesloer Friedhof

Lübecker Nachrichten   12.09.2018

1823 gebaute Anlage in Bad Oldesloe soll aufgewertet werden – Bürger konnten beim Infotag ihre Ideen zur Nutzung einbringen

Von Bettina Albrod

Am Freitag war Gelegenheit, den historischen Friedhof zu besichtigen. FOTOS: Bettina Albrod

Bad Oldesloe. Friedhof, Parkanlage, Denkmal, Freizeitfläche – der Alte Friedhof in Bad Oldesloe ist alles das, und noch dazu eine der seltenen erhaltenen Anlagen des alten nordelbischen Friedhofkonzepts. Hier will die Stadt Bad Oldesloe im Rahmen des Stadtumbaus West den Spagat zwischen Historie und Moderne wagen und einen Geschichtsraum schaffen, der gleichzeitig zum Verweilen und Benutzen einlädt. Am Freitag waren Bürger eingeladen, sich mit eigenen Vorschlägen für die Nutzung zu beteiligen. Dazu informierte Gartenhistoriker Joachim Schnitter über die Besonderheiten der Anlage.

Viele Bürger nicht nur aus Oldesloe waren gekommen, um den Alten Friedhof kennenzulernen und mitzureden. Den betritt man durch das klassizistische Backstein-Torhaus, das Alexis de Châteauneuf (1799-1853), Architekt und Stadtplaner des 19. Jahrhunderts, 1823 bei der Anlage des Friedhofs in Oldesloe errichtet hat. Châteauneuf baute auch die Hamburger Alsterarkaden. „Er war ein junger Wilder“, so Schnitter. Der Pionier in Sachen Backsteinarchitektur hatte damals auf den üblichen Putz verzichtet. Linker Hand geht eine alte Lindenallee ab. Das ehemalige Wegekreuz ist noch zu erkennen, und sowohl Gartenarchitekt Harry Maasz, der den Ehrenfriedhof entwarf, als auch Karl Max Schwarz, der seine Arbeit weiterentwickelte, haben ihre Handschrift hinterlassen.

Die zeugt von einem gesellschaftlichen Wandel: vom einstigen Heldengedanken, wie ihn der Obelisk zeigt, der 1871 für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs errichtet wurde, hin zur privaten Trauer, als die Gefallenen der beiden Weltkriege vor allem als Söhne, Väter und Männer beweint wurden. „Früher befand sich an der Rotunde mit den Namenstafeln für die Gefallenen eine Art eisernes Kreuz“, zeigte Schnitter anhand alter Fotos. „Seit 1954 befindet sich die Plastik ,Die Trauernde’ von Richard Kuöhl im Zentrum. Sie deutet die Anlage um, es dominiert jetzt private Trauer, nicht Heldentum.“

Ein dichter Eichenhain, dessen Blätterdach sich als Decke über den Gräbern der Kriegstoten schließen sollte, ist gut erhalten. Für die Bepflanzung seien damals, so Schnitter, bewusst deutsche Eichen gewählt worden. Der Friedhof sei somit eine Inszenierung aus dem jeweiligen Zeitgeist heraus, die verschiedenen Ebenen seien bis heute deutlich zu erkennen. Mit der Sanierung ist für den Restaurator die schwierige Frage zu bedenken, welche der Ebenen hervorgeholt werden soll. „Wir möchten die historische Anlage halten und etwas stringenter machen“, so Schnitter. Mit Lindenneupflanzungen, darunter Kastenlinden zum Berliner Ring hin, mit der Hervorhebung des alten Wegekreuzes und eventuell mit einer Neubepflanzung des Ehrenfriedhofs könnte das historische Muster wieder sichtbar gemacht werden, ohne spätere Kulturakzente wie die Skulptur zu verwerfen.

Bürgermeister Jörg Lembke ist es wichtig, die Bürger mit ins Boot zu holen. „Der Friedhof ist Rückzugsort für die Mittagspause, ein Friedhof, ein Ort zum Spazierengehen oder Drachensteigenlassen – wir wollen alles unter einen Hut bringen, ohne den Blick auf die historische Anlage zu verlieren.“ Auf Standtafeln konnten Bürger ihre Wünsche äußern. „Torhaus sollte saniert werden, sonst toll“, stand da, „Beleuchten“ oder „Hecke beidseitig“. Dagmar Greiß und Ingrid Buchwieser vom Bella Donna Haus hatten ihre Idee für ein Labyrinth gleich umgesetzt und die Wege mit Sand auf den Rasen gezeichnet.

„Das ist kein Irrgarten, sondern ein Weg zu sich selbst“, erläuterte Dagmar Greiß. Zugrunde liege ein sehr altes Muster, das den Weg des Lebens beschreibe. „Es geht nicht ums Verirren, sondern darum, sich zu finden und Zeit zur Besinnung zu haben.“ Damit passe das Labyrinth gut zum Friedhof.

Den Zusammenhang von Historie und Gegenwart betonten auch die Akteure von „Bad Oldesloe macht Theater“, die mit Walking Acts in zeitgenössischer Kostümierung das Früher ins Jetzt holten. „Auf diesem Friedhof liegt unser Geburtshelfer Franz Daniel Hagelstein begraben“, erläuterte Ilona Rehme. Sein Grabstein ist einer von den 25 historischen, die dort noch stehen. Der Mediziner war 33 Jahre lang in Bad Oldesloe tätig und stand im Mittelpunkt des ersten Theaterstücks „Hagelstein“, mit dem sich der Theaterverein gegründet hatte.

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