Vogelschießen: Verein geht die Luft aus

Lübecker Nachrichten   12.09.2018

Oldesloer Organisatorin stellte Antrag auf 450-Euro-Kraft

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe.  Es ist die wohl größte Veranstaltung in der Kreisstadt mit einer Strahlkraft, die ihresgleichen sucht. Tausende Oldesloer treffen sich alljährlich zum Kindervogelschießen, unter ihnen sogar viele ehemalige Schüler, die es längst beruflich in andere Städte verschlagen hat.

Was für ein Wust an Arbeit dahintersteckt, um diese Festivität zu organisieren, ahnen aber wohl die wenigsten. Seit 2012 zeichnet Sabine Prinz, Leiterin der Oldesloer Stadtschule, dafür verantwortlich. Unter ihrer Ägide hat das Fest weiter an Format gewonnen. Doch damit hat der Arbeitsaufwand offenbar auch zugenommen. Auf der jüngsten Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss-Sitzung bat sie deshalb um personelle Unterstützung.

„In meiner Funktion als Schulleiterin bin ich gut ausgelastet. Und ein Fest dieser Größenordnung ist schon eine Herausforderung“, begründete Sabine Prinz den Antrag des Vogelschießervereins, ihr eine 450-Euro-Kraft an die Seite zu stellen. Einige Ausschussmitglieder und auch Besucher der Sitzung fragten sich sicher zu Recht, weshalb eine solche Stelle für ein ganzes Jahr vorgehalten werden solle. „Aber Sie wissen ja, nach der WM ist vor der WM. Ab Mitte Januar gehen die Vorbereitungen schon los über einen längeren Zeitraum. Während der letzten drei Monate wird die Arbeit dann so intensiv, dass wir mit den Stunden eines 450-Euro-Jobs gar nicht auskommen“, erläuterte die Vereinschefin.

Dieser Argumentation mochte Cornelia Steinert (Die Linke) nicht folgen. „Für einen einzigen Tag, wie hält man sich da beschäftigt?“, fragte sie in die Runde und legte nahe, dass doch die Großeltern der Kinder herangezogen werden sollten, das Fest mit zu organisieren. Ähnlich äußerten sich auch Vertreter anderer Fraktionen. Dagmar Danke-Bayer (Grüne) etwa bat Sabine Prinz, detaillierter zu erläutern, welche Arbeiten anfallen. Sie schlug zudem vor, dass sich Verein und Stadt an einen Tisch setzen und versuchen, die Aufgaben untereinander aufzuteilen. Dem erteilte Bürgermeister Jörg Lembke jedoch gleich eine Absage. „Die Verwaltung ist am Limit und kann diese Arbeit nicht zusätzlich unterstützen“, sagte er. Außerdem träten dann sofort andere Vereine auf den Plan, die zu Recht eine ähnliche Unterstützung einforderten.

Annelie Strehl von der Fraktion Freie Bürger für Bad Oldesloe (FBO) riet gar, Schüler aus jedem Jahrgang mit der Organisation zu betrauen. „Schon jetzt sind Ehrenamtliche sowie Eltern und Großeltern in hohem Maße eingebunden“, stellte Henning Bergmann, Leiter der Theodor-Mommsen-Schule, klar. Schüler mit den verantwortungsvollen Aufgaben zu betrauen, sei indes nicht sinnvoll. Gerade in der letzten Phase vor dem Vogelschießen stünden wichtige Klausuren für sie an, da gehe es doch letztlich um ihre Versetzung.

Kulturmanagerin Inken Kautter stärkte Sabine Prinz den Rücken mit ihrer Bitte um Unterstützung. „Keiner sieht die Erschöpfung von Frau Prinz. Es ist gut, nicht zu spät darüber öffentlich zu reden. Denn nicht, dass sie eines Tages Knall auf Fall alles hinwirft“, sagte Kautter.

Im Ausschuss kamen letztlich alle überein, dass sich die Stadtverwaltung nicht komplett entziehen kann, wenn es um das Oldesloer Kindervogelschießen geht. Mit einer Enthaltung wurde beschlossen, dass sich Veranstaltungsmanagement und Verein zusammensetzen sollen, um an neuen Konzepten für die Organisation des Festes zu arbeiten.

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