Polizei: Bad Oldesloe ist sicherer geworden

Lübecker Nachrichten   03.10.2018

Von Dorothea von Dahlen

Laut aktueller Statistik ist die Zahl schwerer Verbrechen rückläufig

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging nicht nur im Kreis Stormarn, sondern auch in Bad Oldesloe zurück. Umtriebige Täter konnten festgenommen werden. FOTO: HFR

Bad Oldesloe. Auf den ersten Blick mögen sich Pessimisten und Panikmacher bestärkt sehen. Laut der aktuellen Statistik der Polizeidirektion Ratzeburg haben die im Landkreis Stormarn zur Anzeige gelangten Straftaten von 2016 auf 2017 um 459 Taten und somit 4,4 Prozent zugenommen, während sie im gesamten Land Schleswig-Holstein um 8,5 Prozent gesunken sind. Doch dieser direkte Vergleich hinkt, wie Hans-Jürgen Köhnke von der Kriminaldirektion in Bad Oldesloe bestätigt. Denn die Prozentangaben lassen unberücksichtigt, in welchem Verhältnis Einwohnerzahl und Straftaten stehen. Darüber geben die Häufigkeitszahlen Aufschluss. Demnach gab es in Stormarn pro 100 000 Einwohner 5603 Delikte, in ganzen Schleswig-Holstein aber 6557. Nach dieser Aufschlüsselung liegt die Kriminalität im Kreis sogar unter dem Landesdurchschnitt.

Wie sicher oder unsicher das Leben in der Kreisstadt ist, interessierte ganz besondern die Mitglieder des Oldesloer Hauptausschusses, die den Kripochef unlängst zu Gast hatten. Wie Hans-Jürgen Köhnke erläuterte, hat es in der Stadt einen leichten Anstieg aller Straftaten um 21 Fälle gegeben, nämlich von 2096 im Jahr 2016 auf 2117 im vergangenen Jahr. Legt man die absoluten Zahlen zugrunde, so führt kreisweit Ahrensburg das Kriminal-Ranking in Stormarn an, Bad Oldesloe kommt gleich dahinter mit 2464 Delikten. Doch auch hier täuscht der erste Eindruck. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl führt dann doch das wesentlich kleinere Lauenburg die Top Ten an, welches mit 1034 Straftaten in der vorigen Aufstellung nur auf Platz 9 rangierte.

Positives konnte Köhnke über die Entwicklung der Gewalttaten in Bad Oldesloe gegenüber dem Kreis berichten. „In ganz Stormarn ist die Zahl der Delikte von 329 auf 343 angestiegen, das ist aber noch nicht besorgniserregend. Schließlich kommt es auch auf die Schwere der Taten an. In Bad Oldesloe haben sich die Fälle von Körperverletzung dagegen nach unten entwickelt“, berichtete der Kripochef der Polizeidirektion. Immerhin sei die Zahl von 241 auf 196 zurückgegangen und liege damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Rückläufig sind demnach auch die Fälle von Sachbeschädigung in Bad Oldesloe. Gab es 2016 noch 274 Anzeigen, so sanken sie im Vorjahr auf 229.

Nach oben schnellten dem gegenüber die Zahl der Eigentumsdelikte, nämlich von 810 auf 1013. Darunter fielen genauso einfache Ladendiebstähle wie schwerere Fälle, bei denen die Täterverdächtigen sich mit Gewalt Zutritt zu einem Objekt verschafften, um an ihre Beute zu gelangen. Laut Köhnke sind aber inzwischen einige von ihnen festgenommen worden, sodass auch die Zahlen inzwischen wieder nach unten korrigiert werden könnten.

In Bezug auf die Wohnungseinbrüche erinnerte Köhnke an das Jahr 2015, weil damals 1281 und damit ungewöhnlich viele Delikte dieser Art im Kreis angezeigt wurden. Organisierte Banden hätten ihr Unwesen im Kreis getrieben. Da die Polizei die Bekämpfung zum Schwerpunkt ihrer Ermittlungen erhoben hätte, sei die Aufklärungsquote entsprechend hoch gewesen. Die Zahl der Fälle sei deshalb in ganz Stormarn auf 675 zurückgegangen. In Bad Oldesloe habe sie sich fast halbiert – von 106 im Jahr 2015 auf nun 54. „Mitunter ist es auch eine Frage der Sozialpolitik. Wenn sich beispielsweise jemand Zutritt zu einem Objekt verschafft, weil er sonst keine Schlafgelegenheit findet. Für uns ist das auch ärgerlich. Es verdirbt unsere Aufklärungsquote, zumal wir dem Verdächtigen jede einzelne Tat nachweisen müssen, obwohl wir wissen, dass er mehrfach eingebrochen hat“, relativierte der Kripo-Chef die Statistik.

Sehr zur Erleichterung der Ausschussmitglieder gab Köhnke auch Entwarnung, was die Verwicklung Jugendlicher und Heranwachsender in kriminelle Handlungen betrifft. „Wir haben es hier mit einer sehr erfreulichen Entwicklung zu tun“, sagte er. Vor drei Jahren seien noch 134 der 14- bis 18-jährigen Oldesloer in Straftaten verwickelt gewesen, 2016 nur noch 84. Besonders positiv sei die Wende bei der Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen. Bezogen auf die Gesamtzahl aller Delikte sei ein Rückgang von 103 Delikten (2016) auf 70 (2017) zu verzeichnen. Ein noch deutlicherer Sinkflug sei bei Körperverletzungen und Gewaltkriminalität zu beobachten. So stünden dem Jahr 2016 mit 29 schweren von Heranwachsenden begangenen Straftaten nur noch vier im Jahr 2017 gegenüber.

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