Kultur pur in der Kreisstadt

Lübecker Nachrichten   09.10.2018

Von Dorothea von Dahlen

Kreative Szene lädt für den 27. Oktober zum Bummeln ein

Bad Oldesloe. In die Irre zu gehen, das droht so gut wie niemandem bei der zweiten Auflage des Bad Oldesloer Kulturtages. Mit quietschbunten Luftballons und ebenso auffälligen Kreidepfeilen markieren die Veranstalter den Weg zu allen wichtigen Orten in der Stadt. Zu neun Stätten insgesamt kann am 27. Oktober pilgern, wer sich einen Überblick über das kreative Geschehen in Bad Oldesloe verschaffen will.

Schon im Vorfeld verteilte die Veranstaltung positive Impulse. Denn die Vorbereitungen brachte die Kulturschaffenden, die sich sonst eher selten begegnen an einen Tisch. „Der Kulturtag trägt auch zur Kontaktpflege und Stärkung des Netzwerks bei“, resümierte denn auch Kulturbereichsleiterin Inken Kautter bei der Vorstellung des Programms. Elf Vereine, Initiativen, aber auch städtische Einrichtungen wirken beim kulturellen Spaziergang durch Bad Oldesloe mit. Ihre Angebote sind so aufeinander abgestimmt, dass jeder Besucher möglichst viel vom Programm mitbekommt. Gewissermaßen als Roadmap fungiert ein bunter Flyer, auf dem sämtliche Veranstaltungen mit Ort, Titel und Zeitangabe vermerkt sind.

„Lieblingsstücke“ dürfen in der Galerie BOart besichtigt werden. Großformatige Acrylbilder präsentieren dort Regina Wiechern und Bernd Vollrath, der zudem Objekte ausstellt. Gespannt darf man auch auf Barbara Schleths Wortkunst sein. Die Kunstschaffenden werden selbst dort sein und durch die Ausstellung führen. Gegen 18 Uhr beginnt eine Lesung mit Workshop, bei dem ein Haiku oder kleines Gedicht entstehen soll.

Gleich zwei Vernissagen gibt es im Saal des KuBs. Der Oldesloer Fotoclub feiert sein 25-jähriges und zeigt im Historischen Rathaus besonders eindrucksvolle Aufnahmen unter den Titeln „Spiralen & Co.“ beziehungsweise „Zeit“. Parallel dazu zeigen auch die Mitglieder des Frauenfotoforums die schönsten und interessantesten Produkte ihres Schaffens. Die Gruppe Samrock macht dazu Musik.

Ein ganz ungewöhnliches Format für ihr klassisches Instrumentenkarussell hält die Musikschule für Stadt und Land beim Kulturtag parat. Unter Leitung von Yvonne Peters können Kinder, aber auch Erwachsene Geige, Schlagzeug oder Flöte beim sogenannten Instant Composing auf ganz besondere Weise kennenlernen und damit sogar in ein kleines improvisiertes Konzert einstimmen. Als Vorlage dienen grafische Bilder, die dazu inspirieren, den Instrumenten die dazu passenden Töne zu entlocken.

Senior-Trainer Hans-Ulrich Raab wiederum lädt ins KuB ein. Er zeigt neugierigen Kids, wie man aus einem einfachen Gummiring einen Schiffsantrieb bastelt, die ältere Generation kann von ihm Neues beim Umgang mit dem PC lernen. Auch die Oldesloer Stadtbibliothek richtet sich vornehmlich an Kinder und Jugendliche. Am Standort in der Königstraße öffnet nachmittags die Erfinderwerkstatt. Jens Geißler und sein Team zeigen ihnen, wie man sich mit einem MaKey Makey die elektronische Leitfähigkeit von Materialien zunutze macht, was übrigens auch bei Bananen funktionieren soll. Zeichnen mit Tusche wiederum bietet die Jugendfreizeitstätte Juze an. Die Teilnehmer probieren aus, fantastische Tiere mit einer Kalligrafiefeder aufs Papier zu bringen. Grusel- und Drachengeschichten dürften die ganz Lütten am Nachmittag zu zwei Lesungen ins Bürgerhaus locken. Abends können dort Erwachsene etwas über die schwierige Situation erfahren, in der Scheidungskinder stecken. Sachbuchautor Roland Arndt hält mit „Liebe ist stärker als der Weltuntergang“ zudem ein starkes Plädoyer für den respektvollen Umgang der Eltern miteinander zugunsten ihrer Zöglinge.

Ein klanglich-stimmliches Abenteuer erleben Besucher des Bella-Donna-Hauses. Die Sängerin Eva-Maria Siebert empfängt dort Menschen, die gern singen und neugierig sind „auf ein Experiment nie gehörter Klänge, nie gefühlter Vibration“. Ihr geht es nicht um das Lernen von Liedern, sondern um den spielerischen Umgang mit Tönen und um das Wahrnehmen des gemeinsam erzeugten Klangs. Voraussetzungen für die Teilnahme sind eigentlich nur Stimmbänder. Und die dürfen auch Besucher der Peter-Paul-Kirche bemühen. Am Nachmittag gibt es dort ein Vater-Kind-Singen und abends einen Open-Gospel-Workshop.

Leise Töne werden im Mehrgenerationenhaus Oase angeschlagen. Dort ist Entspannen und ein wenig Meditieren angesagt. Schwingende Klangschalen entführen in andere Sphären. Wer mag, kann damit experimentieren und ganz ungewohnte Melodien hervorbringen. Doch nicht nur Geist und Seele, auch der Körper kann sich in der Oase stärken. Dafür werden Wiebke Finck und ihre Kollegen Suppe, kleine Snacks und Getränke kredenzen.

Zum Abschluss des Kulturtages treffen sich übrigens alle ab 20 Uhr im KuB zu einer interaktiven Runde von „Mary Stolpe vorm Wortgericht“. Wer mag, kann sich dort selbst spontan mit einem kreativen Beitrag beteiligen.

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