Kleingärtner feiern großes Jubiläum

Lübecker Nachrichten   21.10.2018

Die Laubenkolonie am Oldesloer Hohenkamp wurde vor 100 Jahren gegründet

Hier wird am Sonnabend, 27. Oktober, gefeiert: Vorsitzende Heidrun Badur lädt in das schmucke Gemeinschaftshaus ein. FOTO: M. Thormählen

Bad Oldesloe. „So einen trockenen Sommer und einen Herbst mit so wenig Regen haben wir bisher nicht erlebt“, sind sich Vorsitzende Heidrun Badur, Fachberater Reinhard Henseler und Wasserwart Uwe Brüchmann einig. Dennoch lassen sich die Oldesloer Kleingärtner von den widrigen Umständen die Laune nicht vermiesen. Sind es schon für die Laubenpieper am Hohenkamp saure Wochen, so soll feste gefeiert werden: Am Sonnabend, 27. Oktober, feierte die Anlage ihr 100-jähriges Bestehen.

Das Ende des Kaiserreichs, die Weimarer Republik, die Nazidiktatur, die Gründung der Bundesrepublik, die deutsche Wiedervereinigung, zwei Weltkriege mit Flucht und Vertreibung: Im Laufe von 100 Jahren durchlebten die Kleingärtner erhebliche politische und gesellschaftliche Veränderungen, doch eine Grundidee ist geblieben. „Wir wollen Obst und Gemüse in den eigenen Beeten für den Eigenbedarf anbauen“, erläutert Reinhard Henseler. Und daran haben sich auch die immer größer werdenden Angebote in Supermärkten und Discountern nichts ändern können: „Der Grünkohl aus dem eigenen Garten schmeckt doch am besten.“

Im Jubiläumsjahr mussten die Gartenfreunde allerdings so viel Wasser auf ihre Pflanzen bringen wie kaum jemals zuvor. Oft wurde das Nass in Behältern aufgefangen, die sich angesichts der großen Hitze in den vergangenen Monaten ziemlich rasch leerten. Deshalb sei auch oft vorgekommen, dass die Hähne der Wasserleitungen aufgedreht werden mussten, so Wasserwart Uwe Brüchmann. Wie dann nun richtig gewässert werden solle, darüber lässt sich trefflich streiten. „Lieber abends und mit Wasser, das sich etwas erwärmt hat“, schlägt Reinhard Henseler vor. „Es geht aber auch tagsüber bei Hitze, dann aber direkt auf die Erde“, so Vorsitzende Heidrun Badur. Wie auch immer – Konsens gibt es bei der Beurteilung der Ernte: Es habe dieses Jahr weniger Gemüse gegeben, dafür könnten sich die Kleingärtner über eine Obstschwemme freuen. Vor allem viele Äpfel reiften an den Bäumen.

„Unsere Anlage ist gut, so wie sie ist“, ziehen Heidrun Badur, Reinhard Henseler und Uwe Brüchmann ihre Bilanz. Nachdem an diesem Wochenende für alle Mitglieder ein gemeinsamer „Arbeitsdienst“ auf dem Programm stand, um die Anlage schmuck herzurichten, will die Vorsitzende während der Jubiläumsveranstaltung an die wichtigsten Meilensteine erinnern. Mit der Satzung vom 8. Oktober 1918 wurde auf Anordnung des Königlichen Amtsgerichtes der Gartenverein Hohenkamp in das Vereinsregister mit der Nummer 21 eingetragen – zum ersten Mal hatten sich damit Kleingärtner in Bad Oldesloe organisiert. Und Heidrun Badur leitet seit 1985 als Vorsitzende im Wesentlichen die Geschicke des Vereins: „Natürlich hat es auch bei uns Unstimmigkeiten gegeben. Glücklicherweise habe ich immer viel Unterstützung gefunden.“

Die schönste Zeit in der Vereinsgeschichte, und da sind sich alle sicher, seien die siebziger und achtziger Jahre gewesen. „Mensch, was haben wir da gefeiert“, lässt Uwe Brüchmann die Erinnerungen aufleben. „Wenn ich damals den Grill angefeuert habe, dann war der Nachbar schon da“, so Reinhard Henseler. In jenen Jahren sind nach den Worten von Heidrun Badur dank des großen Zusammenhalts und der vielen Gemeinsamkeiten von den Mitgliedern auch die wichtigsten Projekte realisiert worden, von denen die Anlage am Hohenkamp auch heute noch profitiert – die Wasserleitung und der Parkplatz wurden angelegt und auch das Vereinsheim gebaut.

Einen Strukturwandel hat es im Laufe der Vereinsgeschichte gegeben. Der erste Vorsitzende Johannes Kruse zählte vermutlich 1918 ausschließlich Oldesloer als Mitglieder in den Reihen. „Jetzt haben wir sämtliche Nationalitäten“, stellt die amtierende Vorsitzende fest. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seien viele Flüchtlinge in die Stadt gekommen, später dann Aussiedler und Menschen mit Migrationshintergrund.

Verändert hat sich nach den aktuellen Einschätzungen das Miteinander in der Anlage. „Viele wollen lieben für sich allein bleiben“, so Reinhard Henseler. Der Fachberater lebt in einem Wohnblock in der Nachbarschaft der grünen Oase. Es sei deshalb selbstverständlich gewesen, möglichst viel Freizeit auf der eigenen Scholle zu verbringen: „Meine Kinder sind im Garten groß geworden. Und sie kommen immer wieder gern vorbei, jetzt auch mit meinen Enkeln.“

Um den eigenen Nachwuchs bei den Gartenfreunden macht sich die Vorsitzende kaum Sorgen. Die 54 Parzellen seien weiterhin verpachtet, es gebe keinen Leerstand – auch, wenn penibel auf die Vorschriften für Kleingartenanlagen geachtet werde: jeweils ein Drittel der Parzelle für die Laube, für Nutzgarten und für Zierflächen.

Es werde allerdings Ausnahmen für die so genannten Seniorengärten gemacht. Wenn Vereinsmitglieder aus gesundheitlichen Grünen nicht mehr in der Lage sind, größere Beete mit Gemüse zu beackern, dann könnten sie stattdessen mehr Zierpflanzen säen.

Strom werde es allerdings auch künftig nur im Gemeinschaftshaus geben. „Wir wollen ja keine Wochenendsiedlung haben, sondern eine dauerhafte Fläche für Kleingärten bleiben“, blickt Heidrun Badur in die Zukunft.

Feier mit Gästen

Das Jubiläum wird am Sonnabend, 27. Oktober, gefeiert. Um 11 Uhr beginnt im Gemeinschaftshaus ein Empfang. Alle Vereinsmitglieder sind willkommen, auch Gäste werden dabei sind. Neben dem offiziellen Teil ist ein gemütliches Beisammensein geplant.

Die Anlage ist knapp 30400 Quadratmeter groß, davon gehören fast 21 000 Quadratmeter zu den Parzellen. Sie sind zwischen 300 und 400 Quadratmetern groß. Rund 200 Euro werden jährlich als Pacht, Vereinsbeitrag und für die Wasserversorgung von den Kleingärtnern der 54 Parzellen kassiert. Das Areal am Hohenkamp gehört der insolventen St. Jürgen-Stiftung. Einen neuen Eigentümer gibt es bisher nicht, weil das Insolvenzverfahren noch läuft. Der Kleingartenverein hat einen fristlosen Pachtvertrag. Der gesamte Bereich ist als Dauerkleingartenfläche von der Stadt ausgewiesen worden.

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