DaZ-Stelle bleibt erhalten

Lübecker Nachrichten   31.10.2018

Oldesloer Bildungsausschuss verhinderte Streichkonzert: Vakante Stelle wird ausgeschrieben

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Das Ansinnen der Oldesloer Verwaltung, die Stelle einer Sozialpädagogin am DaZ-Zentrum der Stadtschule nicht mehr nachzubesetzen, hat heftige Reaktionen im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss ausgelöst. Schon während der Einwohnerfragestunde meldeten sich Besucher, die darauf drängten, die Position neu auszuschreiben. Gudrun Behnsen-Katenhusen etwa, die selbst ehrenamtlich im Fach Deutsch als Zweitsprache tätig war, strich heraus, wie wichtig die Betreuung der Migrantenkinder in Vorbereitung auf den Schulunterricht und ihre spätere Integration sei. „Nur so können wir Gettos und Parallelgesellschaften vermeiden“, sagte sie.

Das Wort führten nicht in erster Linie Vertreter der Stadtschule. Vielmehr war die Theodor-Storm-Schule stark vertreten. Denn der Verwaltungsvorschlag legte nahe, dass die dort unbefristet beschäftigte Fachkraft künftig für beide Schulen zuständig sein sollte. Das brachte TSS-Lehrerin Anika Matteoszus auf den Plan. Sie erschien mit vier Schützlingen. „Als Schüler sind wir hier, weil es um die Kürzung einer DaZ-Stelle bei uns geht und wir etwas dagegen tun müssen“, sagte Lorenzo. Er beschrieb die vielfältigen Aufgaben einer Sozialpädagogin, die nicht zuletzt traumatisierten Kindern zur Seite stehe. Dagmar Danke-Bayer (Grüne) gab zu bedenken, dass es auch zum Nachteil deutscher Schüler sei, wenn Migrantenkinder künftig später schlechter vorbereitet am allgemeinen Unterricht teilnähmen. „Die Lehrer werden ihnen mehr Zeit widmen müssen, die anderen verloren geht“, sagte sie.

Erörtert wurde auch, dass die bis dato an der Stadtschule tätige Sozialpädagogin die Stelle selbst vor Ablauf des Jahres gekündigt hat, weil sie ein zukunftssicheres Angebot von einem anderen Arbeitgeber erhalten hatte. Cornelia Steinert (Linke) merkte an, dass die DaZ-Mitarbeiterin gern länger an der Stadtschule geblieben wäre, wenn sie eine bessere Perspektive gehabt hätte. „Dass sie eine besser dotierte Stelle angenommen hat, ist verständlich“, sagte sie. Deshalb plädiere die Linke dafür, Stellen für Fachkräfte unbefristet auszuschreiben. In diesem Bereich bestehe ein großer Mangel.

„Rein physisch dürfte das schwer zu bewältigen sein“, versuchte Hajo Krage (SPD) das Thema aus der Perspektive einer Pädagogin, die an beiden Standorten zum Einsatz kommen soll, darzulegen. Schließlich überschneide sich der Unterricht am Vormittag an Stadtschule und TSS. Die Stelle jetzt nicht neu auszuschreiben, bedeute deshalb, gleich zwei Schulen mit einem Streich auf ein halbes Maß zu setzen. Es sei völlig unklar, wie eine einzige Person dieses Defizit ausgleichen solle. Auch Krage sprach sich für ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis aus. Andernfalls laufe die Stadt Gefahr, bald vor demselben Problem zu stehen, die nächste qualifizierte Kraft zu verlieren. Wie Sabine Prinz berichtete, hat sich an der Stadtschule der Besuch im DaZ-Unterricht seit zwei Jahren stabilisiert. Er werde von 36 bis 40 Kindern besucht. „Viele davon sind aber ganz ohne Schulerfahrung, nicht alphabetisiert sowie ohne Kenntnisse unserer kulturellen Gepflogenheiten“, sagte sie. Der Aufenthalt von einem Jahr am DaZ-Zentrum habe sich zudem als unrealistisch erwiesen. Die meisten seien erst nach zwei bis drei Jahren reif für den regulären Unterricht.

In Abwägung aller Argumente sprachen sich die Mitglieder des Gremiums mehrheitlich für die sofortige Neuausschreibung der Stelle aus.

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