Tagesmütter: Stadt zahlt die Differenz

Lübecker Nachrichten   03.11.2018

Von 2019 an zahlt die Stadt Bad Oldesloe Eltern, die ihr Kind zur Tagesmutter schicken, einen Kostenausgleich. Sie mussten bis dato dafür mehr bezahlen als für die Kita.

Von Dorothea von Dahlen

Der bunte „Fuhrpark“ in der Tagespflegestelle im Oldesloer Rögen hält zehn Mädchen und Jungen in Bewegung. Fotos: von Dahlen

Bad Oldesloe. Benny* hat alle Bagger um sich herum versammelt. Finn zieht ein Plastikschiff hinter sich her, Lisa baut ein Gatter um das dicke Pony. Bei den „Kleinen Forschern“ herrscht geschäftiges Treiben, wohl behütet von Melanie Spandehra und Monika Lahrsen. Sie sind zwei von 15 Tagesmüttern in Bad Oldesloe und betreiben gemeinsam eine Pflegestelle im Rögen, in der sie zehn Mädchen und Jungen betreuen. Da es viel zu wenige Kita-Plätze in der Stadt gibt, helfen sie, den Bedarf auszugleichen.

Wie viele andere Tagesmütter haben sie deshalb ein gerechteres Finanzierungsmodell vermisst, das nicht nur die eigenen Belange, sondern auch die der Eltern berücksichtigt. Der Verein Tagesmütter und -väter Stormarn, dem Monika Lahrsen und Melanie Spandehra angehören, machte deshalb jüngst im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss deutlich, dass Familien, für deren Kinder es keinen Platz in einer größeren Einrichtung gibt, zurzeit noch benachteiligt werden. Sie zahlten den vollen Satz für die Betreuung bei einer Tagespflegeeinrichtung, während Eltern mit Schützlingen in der Groß-Kita nur zu 37,5 bis 40 Prozent an den Kosten beteiligt würden. In der aus dem Jahr 2002 stammenden Richtlinie, nach deren Maßgabe die Stadt Bad Oldesloe Zuschüsse im Bereich Tagespflege vergebe, sei eine Unterstützung der Familien überhaupt nicht vorgesehen.

Ganz neu ist der Ruf nach einem sogenannten Differenzkostenzuschuss für die betroffenen Familien nicht. Doch hatten Vereins-Chefin Petra Niquet und ihre Mitstreiterinnen die nach ihrem Dafürhalten längst überfällige Novelle der 16 Jahre alten Regelung zum Anlass genommen, die Belange der Familien erneut in den Fokus zu rücken. Nach Gesprächen mit Bürgermeister Jörg Lembke und Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak hatte die Verwaltung eine Novelle erarbeitet, die im Ausschuss nun zur Abstimmung vorlag.

Im Sinne der Eltern erlangte der Verein gewissermaßen einen Punktsieg, da sie von Januar 2019 an einen Anspruch auf Förderung haben. Sie sollen dann maximal den „höchsten jeweils durchschnittlich gültigen Elternbeitrag der Oldesloer Kindertagesstätten je nach Betreuungsstunde“ gezahlt bekommen. Dem stimmten die Ausschussmitglieder ebenso geschlossen zu wie der Freigabe von 37 000 Euro, die benötigt werden, um den Ausgleich zu finanzieren.

Offen blieb, wie mit den Belangen der Pflegepersonen selbst verfahren werden soll. Denn wie Monika Lahrsen schilderte, hat der Kreis Stormarn seit 1. August den Bruttosatz pro Betreuungsstunde erhöht, an den jede Tagesmutter jetzt gebunden ist. Dies geschah offenbar, um Tagesmütter in Bezug auf Rente sowie Kosten für Fortbildung, Spielzeug, Essen und andere Auslagen besserzustellen. Je nach Qualifikation – ob einfache Tagesmutter mit oder ohne Fortbildung oder ausgebildete Erzieherin – liegt die Zahlung jetzt zwischen 4,20 und 4,90 Euro. Was eigentlich gut gemeint sei, kollidiere mit dem Zuschussmodell, das die Stadt Bad Oldesloe zugrunde lege, erklärte Monika Lahrsen, wodurch sich die Lage sogar für einige verschlechtere.

Wie die Tagesmutter berichtet, hatte die Stadt die Tagespflege bis dato mit einer Summe von 165 Euro pro Monat unterstützt. Nach der vom Kreis festgelegten Gebührenerhöhung wolle die Stadt nun aber keine Betreuer mehr unterstützen, die als qualifizierte Kraft auf einen Stundensatz von 4,90 Euro hochgestuft wurden. „Das ist doch aber absurd. Man wird so bestraft, wenn man eine besondere Qualifikation hat und sich nach wie vor weiterbildet“, kritisierte sie während der Ausschusssitzung. Sie gab auch zu bedenken, dass nun nicht nur einfache Tagesmütter ohne weitere Fachkenntnisse bevorzugt behandelt würden, sondern auch solche, die nur wenige Kinder betreuen und somit schon automatisch geringere Auslagen hätten.

Konfrontiert mit dieser komplexen Ausgangslage zogen es die Ausschussmitglieder vor, den Punkt später noch einmal ausgiebig zu diskutieren. So wird voraussichtlich erneut am 28. November im Bildungs-, Sozial- und Kultur-Ausschuss über die Förderung der Tagespflegepersonen gesprochen. *Namen der Kinder geändert

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