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Lübecker Nachrichten   04.11.2018

Oldesloer Hans-Ulrich Raab erwägt, Ehrenamt niederzulegen

Von Dorothea von Dahlen

Überall muss ein Ticket gezogen werden: Parkscheinautomat auf dem Peters-Parkplatz in Bad Oldesloe. fotos: von dahlen

Bad Oldesloe. Wenn es darum geht, anderen zur Seite zu stehen, fackelt Hans-Ulrich Raab nicht lange. Er packt an und hilft. Der Senior-Trainer aus Bad Oldesloe stellt sein Know-how in den Dienst der Allgemeinheit, repariert Räder oder kaputte Geräte für Menschen mit schmalem Portemonnaie. Kinder aus Familien, die kein teures Hobby bezahlen können, begeistert der Diplom-Ingenieur im Ruhestand mit kreativen Basteleien für die Physik.

Doch ab und zu denkt er auch an sich selbst. Und da steht ihm der Frust ins Gesicht geschrieben. Als Ehrenamtler vermisst er ein Entgegenkommen der Stadt, wenn er bei seiner freiwilligen Arbeit einen Parkplatz in Bad Oldesloe beansprucht. Schon öfter wurde er zu Bußgeld verdonnert, weil er es nicht rechtzeitig zum Auto zurückgeschafft hatte.

„Mir ist schon mehrmals ein Verwarngeld erteilt worden, wenn ich die Kinder-Uni am KuB gestaltet habe“, berichtet Raab und schildert einen Fall, über den er sich besonders geärgert hat. An einem Mittwoch, an dem die Parksituation aufgrund des Marktgeschehens ohnehin stets angespannt sei, habe auf dem Exer, der sonst von vielen Autofahrern frequentiert werde, ein Zirkus gastiert. „Wenn man das weiß, sollte man doch eher eine gewisse Großzügigkeit obwalten lassen, schon allein, um die Leute, die in der Stadt einkaufen wollen, nicht zu verprellen. Doch was geschieht? Ich bekomme ein Ticket und das bei einer Überschreitung der Parkdauer von zehn Minuten“, ärgert sich der Senior-Trainer.

Am Schwimmbad sei das Parken von einem auf den anderen Tag verkürzt worden, ohne dass dies auf Schildern kenntlich gemacht wurde. Erst eine Woche später sei auf diese Änderung hingewiesen worden. Zur Vorbereitung einer Veranstaltung im KuB habe er beim Be- und Entladen seines Pkw es gerade noch geschafft, die Politesse mit Engelszungen vom Ausstellen eines weiteren Bußgeldbescheids abhalten können. „Ich hatte vier große Kisten, die rund 50 Kilo wogen im Kofferraum. Die konnte ich beim besten Willen nicht so weit schleppen. Und das Auto offenzulassen, während ich alles nach und nach reintrage, geht auch nicht. Wenn dann etwas geklaut wird, kann ich das nicht einmal zur Anzeige bringen. Dann heißt es, man habe fahrlässig zum Diebstahl eingeladen“, schildert Raab.

„Das geht ja nicht nur mir so. Ich spreche auch für die anderen Kollegen“, sagt Raab. Auch die Senior-Trainer von „Dialog in Deutsch“, die Asylbewerbern in der Bibliothek beim Spracherwerb unter die Arme greifen oder die Männer und Frauen, die sich beim Projekt „Helfende Hände“ stark machten, sie alle müssten noch Geld mitbringen, um sich bürgerschaftlich engagieren zu können. Das könne nicht im Sinne der Sache sein.

Raab hofft, dass ein Umdenken einsetzt und die Verwaltung ihm und seinen Mitstreitern entgegenkommt. Denkbar sei es, die Ehrenamtler mit einer besonderen Parkscheibe auszustatten, die sie als Gratisparker ausweist. „Aber wenn ich da an Frau Hoffmann denke, die darum kämpfen musste, ein Tauschhäuschen in der Innenstadt aufstellen zu dürfen, dann sehe ich schon Schwarz“, räumt der engagierte Oldesloer ein. Er hat einen offenen Brief an den Bürgermeister geschrieben, in dem er ihm seinen Frust schildert. Darin kündigt er auch an, sein ehrenamtliches Engagement weitgehend einzustellen.

Das Schreiben hat Bürgermeister Jörg Lembke inzwischen erhalten und auch schon darauf reagiert. „Ich habe Herrn Raab grundsätzlich ein Gespräch angeboten. Er hat sich aber noch nicht gemeldet“, sagte er. Es sei ein Gebot der Fairness zuvor nichts verlauten zu lassen, was er in diesem speziellen Fall dazu denke. „Ich fände es bedauerlich, wenn er sich zurückzöge. Ich schätze ihn sehr wie auch die anderen Ehrenamtler in dieser Stadt“, räumte Lembke ein. Dennoch könne er in Einzelfällen keine Ausnahmen machen. Aus Gründen der Gleichbehandlung müsste das Parken – wenn überhaupt – für alle gemeinnützig Tätigen frei sein. „Aber allein die Grenzziehung ist schwierig. Wenn ich der Nachbarin helfe, ist das dann auch schon ehrenamtlich? Oder muss ich in einem Verein organisiert sein, um den Status zu haben? Das alles lässt sich nicht so leicht klären“, erklärt der Bürgermeister

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