Innenstadt-Bäckereien wegen Krankheit aufgegeben

Lübecker Nachrichten   10.11.2018

Nachfolger gesucht: Wer die Schmidt-Filialen im Oldesloer Stadtgebiet übernimmt, scheint immer noch nicht geklärt

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Wie es mit den derzeit geschlossenen Filialen der Bäckerei Schmidt weitergeht, beschäftigt viele Oldesloer. Doch bislang scheint das noch in den Sternen zu stehen. Selbst die Gründe, die zur Schließung geführt haben, waren bis dato unklar. Jetzt hat sich dazu aber der bisherige Betreiber zu Wort gemeldet.

„Es wird keine Weiterführung geben. Ich musste den Betrieb aus gesundheitlichen Gründen einstellen. Ein finanzielles Problem war es nicht. Mein Körper ist eine Baustelle“, erklärt Bäckermeister Dieter Hildebrandt, der die vier Niederlassungen 2011 von Familie Schmidt übernommen hatte. Die große Arbeitsbelastung habe ihn an den Rand gebracht, sodass er es letztlich vorgezogen habe, die Handbremse zu ziehen. Im Rollstuhl habe er nicht enden wollen. „Mein Mann hatte zwei Bandscheibenvorfälle hintereinander, auch an der Halswirbelsäule. Manchmal kann er gar nicht mehr richtig greifen. Da fällt ihm alles aus der Hand“, fügt Ehefrau Petra Hildebrandt erklärend hinzu. Um zu vermeiden, dass sich die Wirbelsäule weiter versteife, habe die Familie beschlossen, den Betrieb aufzugeben.

Das Problem sei gewesen, dass er kein verlässliches Personal habe finden können, erklärt Hildebrandt. „Selbst wenn Du die Leute eingeteilt hast, konntest Du nicht sicher sein, dass am nächsten Tag jemand kommt. Wenn einer morgens abgesagt hat, war das schon nobel. Einige blieben kommentarlos ganz weg“, schildert der Handwerksmeister. Dabei sei wahnsinnig viel zu tun gewesen. Schließlich sei es nicht damit getan gewesen, die vier Geschäfte zu besetzen. Sie hätten ja täglich mit frischen Backwaren aus der Bäckerei im Gewerbegebiet versorgt werden müssen. Eine Zeit lang hätten die Kinder ihn unterstützen können. „Aber sie haben ja ihr eigenes Leben, sind Dozenten an der Uni oder studieren noch“, sagt Hildebrandt.

18 Stunden knüppelharte Arbeit täglich und das an sechs Tagen in der Woche, so habe das Pensum zum Schluss ausgesehen. „Wenn wir drei Stunden geschlafen haben, dann war das schon viel. Um 23.30 Uhr ging es abends in der Backstube los. Manchmal bin ich nach der Produktion von dort gleich in den Laden in der Hindenburgstraße und habe dort bis 17 Uhr durchgehend weitergearbeitet“, berichtet auch Petra Hildebrandt von der großen Belastungen, der sie in der letzten Zeit ausgesetzt war.

Viele Außenstehende hätten ihm früher schon angeraten, das Filialnetz zu reduzieren, um den Arbeitsaufwand insgesamt zu verringern, fährt ihr Ehemann fort. Doch diese Möglichkeit sei aus finanziellen Gründen nicht in Frage gekommen. Eine eigene Bäckerei zu betreiben lohne sich nur, wenn ein größerer Absatz von Backwaren garantiert sei. Ansonsten stünden die Produktionskosten in keinem Verhältnis zum erzielten Umsatz beziehungsweise Gewinn.

„Es tut mir in der Seele weh, wenn ich die Kunden jetzt woanders Kaffeetrinken sehe“, sagt Petra Hildebrandt bedauernd. Doch nun sei der Entschluss gefasst. Sie werde wieder in ihren früher erlernten Beruf als Krankenschwester zurückkehren und ihr Mann seinerseits eine Stelle als Betriebswirtschaftler suchen. Was aus den Filialen wird, vermochte der Bäckermeister nur in einem Fall genau zu sagen. Das Geschäft neben Aldi in der Helene-Stöcker-Straße werde es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Der Konzern sei dabei, sämtliche Filialen zu modernisieren. Der gesamte Komplex werde abgerissen und neu errichtet, ohne dass dort später wieder eine Bäckerei einziehe.

Was die anderen Filialen in der Hindenburgstraße, Mühlenstraße und Hamburger Straße anbelangt, so habe er schon annonciert, um Interessenten zu finden, die auch bereit wären, das Inventar der Läden zu übernehmen. Doch bislang habe sich kein Nachfolger gefunden. „Die meisten sagen, sie würden liebend gern einsteigen. Aber sie finden kein Personal, um die Filialen zu betreiben“, sagt Hildebrandt. Ob Familie Schmidt als Eigentümer der Geschäfte schon einen Nachfolger im Auge habe, sei ihm nicht bekannt.

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