Wirtschaftsbeirat soll Bad Oldesloe voranbringen

Lübecker Nachrichten   24.11.2018

Gremium ist als Schnittstelle zwischen Politik und Unternehmen gedacht

Von Dorothea von Dahlen

Vorstandsmitglieder der Oldesloer Wirtschaftsvereinigung: Frank Schmüser, Nicole Brandstetter, Angela Dittmar und Holger Mahlke (v.l.). foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Die Kreisstadt könnte wohlhabender sein und ist in den vergangenen Jahren weit unter ihren Möglichkeiten geblieben. Dieser Auffassung jedenfalls sind die Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung Bad Oldesloe. Umso mehr freuen sie sich, dass die Politik ihrem Vorschlag, einen Wirtschaftsbeirat zu bilden, positiv gegenüber steht. Die Verwaltung ist damit beauftragt, eine Satzung für die neue Interessenvertretung zu entwerfen.

„Für uns ist das ein wichtiger Meilenstein. Das ist ein toller Jahresabschluss für uns. Denn eine solche Bündelung wirtschaftlicher Kompetenz, die den städtischen Gremien beratend zur Seite steht, gab es noch nie in Bad Oldesloe“, sagt die Sprecherin der Vereinigung, Nicole Brandstetter. Ein Beirat könne die ehrenamtlich tätigen Lokalpolitiker bei bestimmten, die Wirtschaft betreffenden Fragen mit Informationen versorgen, ohne dass sie lange recherchieren müssten. Andererseits sei es auch erforderlich, die in der Stadt angesiedelten Unternehmen vor wichtigen Entscheidungen anzuhören. Nur so könnten Fehlentwicklungen, die sich nachteilig auf Investitionen oder die Bestandssicherung von Firmen auswirkten, vermieden werden.

Dem stimmt Holger Mahlke, 2. Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung, zu. Ihm zufolge ist die Stadt chronisch unterfinanziert und kann es sich deshalb nicht länger leisten, wirtschaftliche Themen auszublenden. Der Bürgermeister allein sei nicht in der Lage, den Kontakt zu den Unternehmen zu halten, um zu erfahren, wo ihnen der Schuh drücke. Eine Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft sei daher zukunftsweisend. „Nur, wenn wir neues Gewerbe ansiedeln und so höhere Steuereinnahmen fließen, können wir in Bad Oldesloe wieder langfristig Erfolge verbuchen“, sagt Mahlke.

Als Beispiele dafür, wie sinnvoll eine frühzeitige Beteiligung kompetenter Unternehmensvertreter sei, nennt Mahlke die Ausweisung und Planung von Gewerbegebieten. Welche Faktoren es dabei bezüglich der Größe und Lage zu beachten gelte, sei ein Unternehmer oftmals eher geeignet zu beantworten als ein Baufachmann, gibt er zu bedenken. „Wir müssen auch dringend neue Flächen anbieten. Angesichts der geplanten Fehmarn-Belt-Querung stehen schon viele konkurrierende Unternehmen in den Hufen“, sagt Mahlke. Nicht zuletzt könnten auch Missstände, die Oldesloer Betrieben Sorge bereiteten, dank einer regelmäßigen Kommunikation zwischen Politik und Beirat schon frühzeitig erkannt und abgestellt werden, ohne dass sie sich zu schwerwiegenden, existenziell bedrohlichen Problemen auswachsen.

Als ganz großes Thema nannte Nicole Brandstetter die Entwicklung des Handels in der Innenstadt. Damit seien aber nicht Detailfragen wie etwa die Zukunft verkaufsoffener Sonntage gemeint. „Wir müssen vielmehr strategisch vorgehen und den Blick auf langfristige und nachhaltige Ziele richten“, sagt sie. Entscheidend sei, einen gesunden Branchenmix in der Innenstadt zu erreichen, auf dass es dort eines Tages nicht nur Gemüsegeschäfte gebe. Die Fußgängerzone biete zudem deutlich mehr Flächen, als sich Umsätze in der Stadt verwirklichen ließen. Dies habe zur Folge, dass sich kein homogenes Bild ergebe, sondern die Geschäftsstraße eher durch die Lücken leerstehender Geschäften unterbrochen werde. Deshalb stelle sich die Frage, ob die relativ große Einkaufszone heutigen Verhältnissen überhaupt noch entspreche. Und so könne auch der Stadtumbau Thema für den Wirtschaftsbeirat werden.

Diese Aspekte seien jedoch nur mögliche Beispiele. Was im Beirat später diskutiert werde, hänge letztlich auch von seiner Zusammensetzung ab, räumt Mahlke ein. Er will überdies mit einem Missverständnis aufräumen. Der Beirat stelle kein Organ der Wirtschaftsvereinigung dar, sondern sei offen für alle, die gewillt seien, die Entwicklung von Bad Oldesloe voranzutreiben und dafür den nötigen Sachverstand mitbrächten. Einzelheiten wie etwa die Anzahl der Mitglieder oder das Wahlprozedere stünden indes noch nicht fest. Dazu Vorschläge zu unterbreiten, obliege jetzt der Oldesloer Verwaltung.

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