Für Oldesloer Schüler stand Kommunalpolitik auf dem Stundenplan

Lübecker Nachrichten   28.11.2018

Jugendliche der Theodor-Mommsen-Schule tagten als Stadtverordnete und trafen eigene Beschlüsse: Partnerschaft mit einer Stadt in Russland, aber kein Kinoabend unter freiem Himmel

Von M. Thormählen

Jugendliche Stadtverordnete in der Festhalle: Nach kontroversen Diskussionen wurde abgestimmt. Foto: M. Thormählen

Bad Oldesloe. Kein Mathe oder Latein und auch kein Physik-Unterricht: Dieses Mal stand für 24 Schüler der Theodor-Mommsen-Schule (TMS) das Fach Kommunalpolitik auf dem Stundenplan. Und die Jugendlichen aus dem elften Jahrgang sollten sich nicht nur mit der Theorie auseinandersetzen, sondern den Politikbetrieb in der Praxis kennenlernen. Dieses Planspiel Kommunalpolitik war von der Friedrich-Ebert-Stiftung vorbereitet worden.

Die 17 Jahre alten Schüler hatten sich in vier unterschiedlichen Fraktionen zusammengeschlossen – also wie im richtigen Leben. Und die jugendliche Stadtverordnetenversammlung wurde auch von der Oldesloer Bürgerworthalterin Hildegard Pontow geleitet. Fragen beantworteten außerdem Bürgermeister Jörg Lembke und sein Stellvertreter Horst Möller.

Ziemlich einig waren sich die TMS-Stadtverordneten bei der Frage, ob Bad Oldesloe eine Partnerschaft mit einer Stadt in Russland eingehen sollte. Zunächst ging es dabei um Moskau, später wurde der Name der Stadt offen gelassen. Argumentiert wurde damit, dass vor allem junge Leute wichtige Kontakte knüpfen sollten. Allerdings verbreitete sich quer durch die Fraktionen auch die Sorge, wie denn solch eine Städtepartnerschaft finanziert werden könnte – immerhin fielen ja erhebliche Reisekosten an. Trotzdem gab es mit 22 Ja-Stimmen eine überwältigende Mehrheit für diesen Antrag.

Der stellvertretende Bürgermeister lieferte Beispiele aus der Praxis, wie Beziehungen zu anderen Städten aufgenommen werden: „Der Wunsch muss aus der Bevölkerung kommen, aus dem Kreis der Oldesloer.“ Die Stadt könne dieses Anliegen später unterstützen, um es dann offiziell zu einer Städtepartnerschaft aufzuwerten. „Dann haben wir auch einige 1000 Euro im Haushalt“, erläuterte Horst Möller. Erwachsene müssten im Übrigen die Reisen in die Partnerstädte selbst finanzieren, Schülerinnen und Schüler könnten dafür Zuschüsse erhalten.

Keine Mehrheit gab es für den Antrag, zweimal zum Ende der Sommerferien ein Public Viewing mit Kinofilmen an zentraler Stelle – auf dem Exer oder auf dem Markt – zu veranstalten. Nach Angaben der Befürworter sollten die fälligen Kosten in Höhe von rund 10 000 Euro durch Spenden sowie den Verkauf von Speisen und Getränken finanziert werden. Der Kinobesuch sollte auf jeden Fall kostenlos sein. Möglich sei auch, jeweils einen Film zu zeigen, der die Interessen von weiblichen oder männlichen Jugendlichen berücksichtige. Es sollte allerdings keine Vorstellungen für kleine Kinder geben.

Kritiker wiesen darauf hin, dass der Aufwand für zwei Kinoabende unter freiem Himmel zu groß sei. Auch seien die Ausgaben von geschätzten 10 000 Euro zu hoch – man könne dieses Geld besser für andere, sinnvollere Zwecke verwenden. Möglich sei stattdessen, so hieß es weiter, Vorstellungen im Oldesloer Kino anzubieten. Bei einem Public Viewing bestehe ohnehin immer das Risiko, dass die Witterung schlecht sei. Dieser Antrag wurde anschließend mit 17 Stimmen abgelehnt.

Public Viewing rückte noch einmal in den Fokus, als es um die Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2020 ging. So sollten die Partien der deutschen Mannschaft sowie alle K.o.-Spiele auf dem Exer, auf dem Markt oder im Travestadion gezeigt werden. Die Antragsteller argumentierten, Public Viewing sei bereits in anderen Städten erfolgreich organisiert werden und die Oldesloer Fußballfans könnten sich dann die Wege nach Bad Segeberg oder Lübeck sparen. Der Antrag wurde mit 22 Stimmen angenommen.

Der stellvertretende Bürgermeister erläuterte den Jugendlichen den Weg, den dieser Vorschlag in der „richtigen“ Politik gehen würde. „Es gäbe dann eine Ausschreibung durch die Stadt, um einen Veranstalter zu finden. Vielleicht wäre ein Zuschuss von 10 000 Euro möglich. Doch die Stadt kann so ein Public Viewing nicht allein wuppen“, meinte Horst Möller.

Bürgerworthalterin Hildegard Pontow zog nach dem Ende des Planspiels ein positives Fazit: „Die Schüler waren ganz engagiert dabei und haben auch sehr sachlich argumentiert.“ Und in einem Fall sogar verblüffend offen: Man könne zu einem Thema gar nichts sagen, weil man sich darüber noch keine Gedanken gemacht habe, gestand ein jugendlicher Stadtverordneter im Laufe der Debatten ein.

Haben das Planspiel vorbereitet und geleitet (v. l.): Christian Testorf, Hildegard Pontow und Horst Möller.

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