„Schwarzbuch“ prangert Oldesloes Schmutzecken an

Lübecker Nachrichten   02.12.2018

Dreck und Müll in diversen Ecken der Kreisstadt: Dietmar Hammerschmidt-Lübcke hat viele Beispiele in Bad Oldesloe dokumentiert

Von Dorothea von Dahlen

Dietmar Hammerschmidt- Lübcke hat ein „Schwarzbuch“ über die Müllecken in Bad Oldesloe mitverfasst. foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe.  Überquellende Mülleimer, verschmierte Fassaden, kaputte Bänke – Dietmar Hammerschmidt-Lübcke hat das alles gründlich satt. Der Oldesloer fühlt sich seiner Heimatstadt, in der er jetzt schon seit 40 Jahren lebt, sehr verbunden und es schmerzt ihn, dass sie zunehmend ungepflegter wird. Ihm ist schleierhaft, weshalb davon offenbar nicht genügend Leute Notiz nehmen.

Damit die Öffentlichkeit die Missstände wahrnimmt, griff er im Sommer kurzerhand zur Kamera und lichtete gemeinsam mit Dieter Hoffmann besonders problematische Stellen ab. Daraus entstanden ist ein sogenanntes Schwarzbuch, eine Art Reiseführer zu den gröbsten Schmutzecken in der Stormarner Kreisstadt.

„Als ich im Jahr 1978 herzog, war ich sofort integriert. Und weil ich hier so fantastisch aufgenommen wurde, identifiziere ich mit Bad Oldesloe sehr“, erzählt der gebürtige Elmshorner, der nach seinem Umzug nicht nur gleich im Doppelquartett mitsang, sondern auch dem Tennisclub und der örtlichen Gilde beitrat.

Auch das politische Engagement ist Dietmar Hammerschmidt-Lübcke von jeher wichtig gewesen. Als Christdemokrat agiert er zwar nicht in der ersten Reihe, doch wirkt er im CDU-Arbeitskreis „Infrastruktur und Umwelt“ mit. Und da spielt freilich auch die Entwicklung der Oldesloer Innenstadt eine maßgebliche Rolle.

Als Anwohner der Fußgängerzone springt Hammerschmidt-Lübcke jeden Tag aufs Neue ins Auge, wie desolat manche Plätze aussehen. Das Holz einiger Bänke an der Hude etwa ist brüchig und lädt kaum noch zum Sitzen ein. Hauseigentümer in der Besttorstraße und am Kirchberg parken ihre vollen Müllcontainer und gelben Säcke dauerhaft auf der Straße, statt erst am Abholtag. Hundehalter lassen ihre Vierbeiner überall ihr Geschäft verrichten, ohne es anschließend aufzuheben. An den Rändern von Mühlenplatz und Heiligengeiststraße – dem Schmuckstück Oldesloes schlechthin – schießt das Kraut empor.

Für sehr problematisch hält Hammerschmidt-Lübcke den Bleichergang auf dem Weg zur Brunnenstraße. „Er wird oft als öffentliche Toilette missbraucht. Außerdem wäscht dort schon eine Mauer aus und bröckelt. Sie ist das Fundament für den Penny-Markt. Eines Tages stürzt das Ganze ein und kracht in die Trave“, warnt er. Einen Grund, weshalb sich nur wenige um die Sauberkeit in der Fußgängerzone scheren, sieht er darin, dass nur noch wenige Hausbesitzer dort wohnen so wie er selbst.

Deshalb lässt der Pensionär aber nicht locker. „Einige Erfolge habe ich ja schon erzielt. Ich rede natürlich mit den Leuten und bitte sie, ihren Müll vernünftig an die Straße zu stellen“, sagt er. Doch nur zu oft zeige sich, dass die Leute den Abfall nicht nach Sorten trennten, weshalb sich der Entsorger denn auch weigere, mit organischem Abfall oder gar Sondermüll gefüllte gelbe Säcke mitzunehmen. Sie lägen dann herrenlos in der Gegend herum, bekämen schlimmstenfalls Risse, so dass sich der Inhalt vom Wind getrieben verteile. „Ich zahle viel Geld für die Straßenreinigung und bin dennoch verdonnert, den Dreck vor der Haustür zu beseitigen, wenn er mich stört“, entrüstet sich der Oldesloer. „Die Maschine fährt drei Mal pro Woche durch die Fußgängerzone, die Ecken erreicht sie aber nicht. Eigentlich müsste jemand mitlaufen und den Rest per Hand rauskehren.“

Hammerschmidt-Lübcke spricht sich deshalb auch für die Wiedereinführung des Umwelttages aus, den die Grünen einst ins Rollen gebracht hatten, der aber offenbar an einer Überlastung der Oldesloer Verwaltung scheiterte. Das wäre aus seiner Sicht der richtige Weg, das Bewusstsein für die Missstände zu schärfen. Und er hat auch noch einen anderen Lösungsvorschlag. „Man könnte Kontakt zu Telekom und Stadtwerken aufnehmen und anregen, dass sie beschmierte Strom- und Verteilerkästen mit schönen Motiven verzieren“, so der Schwarzbuch-Autor.

Der Bleichergang ist nicht nur beschmiert, er werde auch als Toilette missbraucht. foto: SCHWARZBUCH / hfr

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