Oldesloer Politik bedauert Thilo Scheubers Wechsel

Lübecker Nachrichten   18.12.2018

Bauamtsleiter hat viele innovative Projekte in der Stadt angeschoben

Von Dorothea von Dahlen

Björn Wahnfried (SPD): „Einen ebenbürtigen Experten zu finden, ist sicherlich nicht einfach.“

Bad Oldesloe. Verständnisvoll, aber bedauernd zugleich reagiert die Oldesloer Politik auf den Weggang des städtischen Bauamtsleiters. Dass Thilo Scheuber am 1. Juli 2019 das Amt des Kreisbaudirektors übernimmt, war im Kreistag verkündet worden.

„Für Bad Oldesloe ist das ein schwerer Schlag“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Möller. Überrascht habe ihn diese Nachricht aber nicht, da vorauszusehen war, dass der scheidende Amtsträger, Klaus Kucinski, in absehbarer Zeit in Ruhestand gehen würde. „Und Scheuber ist ein sehr guter Mann. Für ihn ist es ein Karrieresprung. Wenn er sich nicht beworben hätte, hätte ich das nicht verstanden“, sagt Möller. Vieles habe der bisherige Amtsinhaber schon angeschoben: den Stadtumbau West, den Bau des Kreisverkehrs und die Umgestaltung der Hagenstraße. Ein Riesenvorteil sei gewesen, dass er Bad Oldesloe schon gut kannte. Zum Glück bleibe er ja Stormarn erhalten.

Horst Möller (CDU): „Für Bad Oldesloe ist das ein schwerer Schlag.“ FOTOS: LN-ARCHIV

Ähnlich sieht es Björn Wahnfried (SPD). Persönlich könne er die Entscheidung des Bauamtsleiters nachvollziehen. „Aber was die Stadt anbelangt, so scheint Knecht Ruprecht die Rute ausgeteilt zu haben“, setzte der Fraktionschef hinzu. Einen ebenbürtigen Experten zu finden, sei sicherlich nicht einfach. Bewerber für das Amt müssten sich im Rahmen eines Assessment-Centers einem strengen Auswahlverfahren mit vielen Tests unterziehen.

Scheuber sei nicht nur überaus qualifiziert aus fachlicher Sicht, sondern habe viele innovative Projekte ins Rollen gebracht wie etwa den Realisierungswettbewerb zum VHS-Gelände. Eine solche auf die Zukunft ausgerichtete Planung sei für Bad Oldesloe eminent wichtig. Denn was jetzt in die Wege geleitet werde, zementiere sich für die nächsten 50 Jahre. „Doch nun dreht sich für die Stadt das Tableau wieder“, sagt Wahnfried mit Blick auf den häufigen Personalwechsel. Und in der Tat: Nach dem Weggang des langjährigen Bauamtsleiters Rolf Steinhoerster im Jahr 2010 hatte keine rechte Stabilität auf dem Posten einkehren wollen. Sein Nachfolger, Frank Duwe, gab ein nur einjähriges Intermezzo und auch Karin John, die in seine Fußstapfen trat, blieb nur drei Jahre, weshalb Thilo Scheuber die Position 2014 übernahm.

„Die Position des Kreisbaudirektors ist ein deutlicher Aufstieg, und die Bezahlung beim Kreis ist erheblich besser. Deshalb kann ich Scheubers Entscheidung gut verstehen“, sagt Grünen-Chef Wilfried Janson. Für Bad Oldesloe sei das allerdings traurig, da er eine Stadtentwicklung unter modernen, ökologischen Aspekten vorangetrieben habe. So habe er darauf gedrungen, dass das neue Wohngebiet Claudiussee unbedingt mit Fernwärme versorgt werde. Doch stellten sich auch über Scheubers Amtszeit hinaus, die im Juli ende, viele weitere Aufgaben. „Einige Quartiere in der Stadt sind baulich überaltert. Dort muss einiges in Bezug auf die Wohnqualität geschehen. Jüngere Leute, die dort eines Tages einziehen, haben ganz andere Ansprüche. Und da kann es sein, dass das eine oder andere Haus abgerissen und neu gebaut werden muss“, sagt Janson.

Er prognostiziert, dass sich die Personalsituation in den Verwaltungen über kurz oder lang noch verschärfen wird. „In der nächsten Zeit werden extrem viele Angestellte in den Ruhestand gehen. Das Durchschnittsalter beim Kreis und auch bei der Stadt liegt bei 50 Jahren. Und geeignete Nachfolger sind dünn gesät“, äußert Janson seine Befürchtungen.

„Jede Bewegung verursacht Unruhe in der Verwaltung“, sagt wiederum Matthias Rohde, Chef der Freien Bürger für Bad Oldesloe (FBO). Er bezweifelt, dass es gelingen wird, die vakante Stelle bis zum 1. Juli nahtlos wieder zu besetzen. „Das wird schwierig. Deshalb hat die Ausschreibung jetzt oberste Priorität und ich bin sicher, dass wir gute Bewerbungen bekommen werden“, sagt Rohde. Da Scheuber der Stadt noch bis zum Juli erhalten bleiben, sei zu hoffen, dass der B-Plan Königstraße „in die Hufe kommt“. Auch müsse mehr getan werden, um weitere Grundstücke für den Bau von Einfamilienhäusern auf den Markt zu bringen. Die überaus große Nachfrage im neuen Wohngebiet Claudiussee zeige das deutlich. „Es wäre ja schade, wenn uns die Leute ins Umland abwandern“, sagt Rohde.

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