Seltene Motive der Stadt

Lübecker Nachrichten   20.12.2018

Nico von Hausen zeigt im neuen Oldesloe-Bildband auch Hochzeitsfoto aus dem Bombenkrater

Von Dorothea von Dahlen

1962 Schülerlotsen der Oldesloer Königin-Luise-Schule vor der Polizeidienststelle in der Königstraße 27. Rechts der Segeberger Polizist Josef Kuhlke. Foto: HFR

Bad Oldesloe. Sehnsüchtig haben viele Oldesloer schon auf ihn gewartet, das bunte Papier parat gelegt, um ihn einzuwickeln und zu verschenken. Jetzt ist er endlich da, der zehnte Band von „Bad Oldesloe in alten Bildern“. Und die in dezentem Grau gehaltene Jubiläumsausgabe des beliebten historischen Bilderreigens kann sich in der Tat sehen lassen. Auf 96 Seiten bieten mehr als 130 Aufnahmen reichlich Anschauungsmaterial, um zu erfahren, wie die Kreisstadt in alten Zeiten einmal ausgesehen hat und welche Menschen ihr Gesicht früher prägten. Hilfe bei der Auswahl der Fotos bekam Herausgeber Nico von Hausen dieses Mal von seinem Vater Claus-Ekkehard. Und das war dringend nötig. Schließlich galt es 500 Bilder zu sichten. Die besten Aufnahmen, wie etwa die Luftbilder von Manfred Giese, gelangten ins Buch.

Viel Arbeit steckt in dem Buch. Gemeinsam haben sie es geschafft und präsentieren stolz den Jubiläumsband von „Bad Oldesloe in alten Bildern 10“: Erwin Doeubler, Hansjochen Beth, Nico von Hausen, Thorben Wriedt und Claus-Ekkehard von Hausen (v. l.). Foto: DVD

Ein wenig Nervenkitzel schwang bei der diesjährigen Ausgabe jedoch mit. „Wir sind etwas in Verzug geraten, weil wir eine Zusage für Bildmaterial bekommen hatten, das dann doch nicht eintraf. Deshalb ist es alles etwas spät geworden“, erklärt Nico von Hausen. Dass zu guter Letzt doch noch alles geklappt hat, ist Hobbyhistoriker Erwin Doeubler zu verdanken. Er öffnete seine ganz persönliche Schatzkiste und förderte sage und schreibe 48 Schwarz-weiß-Aufnahmen aus längst vergangenen Zeiten zutage. „Erwin hat uns richtig aus der Patsche geholfen mit sehr vielen interessanten Oldesloe-Motiven“, lobt von Hausen junior.

Allein das Titelbild spricht Bände. Doeubler selbst ist darauf als Schülerlotse in Uniform verewigt. In leichtem Ausfallschritt posiert er anno 1962 mit anderen Pennälern der Oldesloer Königin-Luise-Schule vor der einstigen Polizeidienststelle in der Königstraße 27. Ganz rechts auf dem Foto der Segeberger Polizist Josef Kuhlke. Im dazu gehörigen Beitrag zeigt der Autor auf, welchem Wandel so Stadtbild prägende Gebäude wie das Revier im Laufe der Zeit unterworfen waren. Das 1898 errichtete Haus wurde als Landwirtschaftliche Winterschule genutzt, bevor die Ordnungshüter vom Markt dort hinzogen. Und auch die Schule hatte eine Vorgeschichte, war sie doch vor dem Neubau im „Bundeshotel und Radfahrerheim“ von Bad Oldesloe in der Lübecker Straße untergebracht. Nachvollziehbar wird dank des Buches auch die Geschichte des Geländes der Provinzial-Meierei Knickrehm, auf deren Grund sich jetzt Netto und die „Nordchemie“ befinden. Kaum wieder zu erkennen ist die Einmündung von Schützen- zur Lorentzenstraße. Wo sich heute nur noch ein kleiner Grünstreifen befindet, erstreckte sich in den 30er Jahren ein geometrisch abgezirkelter Park.

Der einstige Schriftsetzer Hansjochen Beth konnte ebenfalls eine Reihe seltener Motive für den neuen Bildband beifügen. Er durfte das Archiv des verstorbenen Hobbyfotografen Hans Kock in Augenschein nehmen. Darin entdeckte er etwa Bilder von Freiluftaufführungen der Carmen-Oper auf dem Gelände des heutigen Schwimmbades und „einen richtigen Knaller“, die wohl einzige noch existierende Aufnahme aus dem alten Oldesloer Kurhaus. Und auch sie wäre um ein Haar der Vernichtung anheim gefallen. „Oskar Rickert hat das Bild 1945 in der Nähe des Oldesloer Bahnhofs aus einem Bombentrichter gezogen“, erzählt Beth die spektakuläre Geschichte, die sich um das Bild rankt. Im Zentrum ist das frisch vermählte Paar Liesbeth Starck und Alfred Senff zu sehen, umringt von Verwandten und Freunden. Die links ausgerissene Ecke weist noch auf die Schäden hin, die das Foto beim Bombenangriff erlitten haben muss. „Es war an den Rändern richtig verbrannt“, sagt Beth. Da auch seine Großeltern Minna und Robert Maltzahn Teil der Hochzeitsgesellschaft waren, machte er sich die Mühe, jede einzelne Person in akribischer Kleinarbeit zu identifizieren, was allerdings in drei Fällen nicht glückte.

Schülerlotsen vor der alten Polizeiwache in Bad Oldesloe mit Polizist Josef Kuhlke. Oskar Rickert hat das Bild 1945 in der Nähe des Oldesloer Bahnhofs aus einem Bombentrichter gezogen. Im Zentrum ist das frisch vermählte Paar Liesbeth Starck und Alfred Senff zu sehen, umringt von Verwandten und Freunden. Die links ausgerissene Ecke weist noch auf die Schäden hin, die das Foto beim Bombenangriff erlitten haben muss. Rainer Fischer

Ein weiteres wichtiges Stück Oldesloer Zeitgeschichte liefert die Fotodokumentation der Kaufmannsfamilie Meincke & Hansen, deren Geschäft in der Hindenburgstraße früher rege frequentiert wurde. „Marianne Böhm und Olde Hansen hatten nie Freizeit. Sie haben ständig gearbeitet und sollen wohl im Laden gestorben sein“, erzählt Nico von Hausen.

Oskar Rickert hat das Bild 1945 in der Nähe des Oldesloer Bahnhofs aus einem Bombentrichter gezogen. Im Zentrum ist das frisch vermählte Paar Liesbeth Starck und Alfred Senff zu sehen, umringt von Verwandten und Freunden. Die links ausgerissene Ecke weist noch auf den Bombenangriff hin. Foto: HFR

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