Grundstein für Oldesloer Hospiz gelegt

Lübecker Nachrichten   21.12.2018

300 Gäste nahmen gestern an der feierlichen Zeremonie am Sandkamp teil

Architektin Doris Rickmers und Sabine Tiedtke (r.) versenken die mit aktuellen Dokumenten gefüllte Rolle, die in den ersten Stein des Hospizgebäudes eingelassen wurde. FOTOS: von Dahlen

Bad Oldesloe.  „Vor sechs Jahren stand ich allein mit einer Vision da, jetzt sind wir fast 300. Dafür bin ich dankbar.“ Mit diesen ergreifenden Worten hieß Sabine Tiedtke am Donnerstag Landrat Dr. Henning Görtz, Bürgerworthalterin Hildegard Pontow, Vertreter der Sparkasse Holstein und ihrer Stiftungen sowie alle Unterstützer, Freunde und Wegbegleiter willkommen, die die feierliche Grundsteinlegung für das erste Hospiz im Kreis Stormarn miterleben wollten. Die Bodenplatte auf dem Areal am Sandkamp war bereits gegossen worden, „allerdings ohne Fußbodenheizung“, wie Kreispräsident Hans-Werner Harmut scherzhaft anmerkte. Doch der spannende Rückblick, den die Initiatorin auf den Fortgang des Projektes gab, ließ die kalten Füße schnell in Vergessenheit geraten.

Recht früh schon hatte demnach Sabine Tiedtke ganz öffentlich im Oldesloer Rathaus verkündet, dass sie sich „für mehr Lebensqualität am Lebensende“ einsetzen will. Damals glaubten wohl noch nicht viele, dass dies eines Tages tatsächlich Gestalt annehmen würde. Doch die taffe Frau blieb hartnäckig, absolvierte eine Palliative-Care-Ausbildung, machte sich bei anderen Hospizen schlau und sprach beim Bürgermeister und dem Stiftungschef der Sparkasse, Jörg Schumacher, vor.

Unterdessen wuchs auch das Netzwerk all derer, die sich inhaltlich mit der Sterbebegleitung befassen, zu einer gut funktionierenden Gemeinschaft an. Doch unter die glücklichen Momente mischten sich auch Rückschläge. So war die Begeisterung zunächst groß, als die Oldesloerin Renate Meins der Hospizgruppe ein Grundstück am Schwarzendamm vermachte. Es schien erstaunlich zügig voranzugehen. Die Reinfelder Architektin Doris Rickmers war bereits mit an Bord des inzwischen gegründeten Trägervereins Lebensweg, erste Planskizzen und ein Modell des Gebäudes waren schon vorzeigbar.

Doch nach einigen Sitzungen des Oldesloer Bauausschusses kam die Ernüchterung: Das Baurecht ließ eine solche Einrichtung im Außenbereich nicht zu. Aber wer dachte, Tiedtke würde sich dadurch aus der Bahn werfen lassen, hatte noch nicht ihre Bekanntschaft gemacht. Sie lenkte ihre Energie einfach um und betrieb Lobbyarbeit beim Sozialministerium und den Krankenkassen, um schon alle Formalitäten für den späteren Betrieb eines Hospizes zu klären. Als sehr große Hilfe hatte sich auch erwiesen, dass Familie Sielmann dem Verein kostenlos Räume als Stammsitz zur Verfügung stellte.

Einen der vielen Unterstützer lobte Tiedtke in ihrer Rückschau gleich mehrfach. Jörg Schumacher, Stiftungsspezialist der Sparkasse Holstein, hatte daran gefeilt, wie das Lebensweg-Hospiz finanziert werden könnte. Zu guter Letzt entwickelte er ein Modell, welches das Vorhaben auf sichere Füße stellt. So entstand die Sparkassen-Hospizstiftung. Mit dem Erwerb des Grundstücks am Sandkamp sollte sich im Juni dieses Jahres auch die Standortfrage klären.

Als „Leuchtturmprojekt“ und „gelebtes Netzwerk“ bezeichnete Bürgerworthalterin Hildegard Pontow das 3,5 Millionen teure Hospizprojekt. Im Namen der Oldesloer Senioren überbrachte sie Tiedtke eine Spende aus dem Verkauf selbst gemachter Marmelade. Zudem ging sie mit gutem Beispiel voran und trat dem Verein offiziell bei. „Sie haben heute alle noch die Chance, das 300. Mitglied zu werden“, lud die Vereinschefin ein, es der Bürgerworthalterin gleich zu tun.

„Ich war ehrlich begeistert von der Idee. Und wenn das Hospiz nicht nach Oldesloe gekommen wäre, so hätte ich es gern in Bargteheide gehabt“, sagte Landrat Henning Görtz. Das Engagement der Lebensweg-Gruppe sei ein großartiges Zeichen von Beharrlichkeit, Zusammenhalt und Nächstenliebe.

Während die politische Prominenz das Projekt wohlwollend bedachte, glühte Hannes Schulz schon mal den Lötkolben vor. Schließlich gehört zu jeder ordentlichen Grundsteinlegung auch eine Kupferkartusche, in die wichtige Zeitdokumente eingelassen werden. Und so landeten denn sämtliche Bauzeichnungen, Münzen, eine aktuelle Ausgabe der Lübecker Nachrichten, ein Bild der bereits verstorbenen Ehrenamtlichen, Heike Voll, sowie eine Wunschliste, die die Gäste der Grundsteinlegung formuliert hatten, in dem Behältnis.

Kurz bevor die Rolle geschlossen wurde, eilte Bezirksschornsteinfeger Stephan Budriks herbei. „Dieses Glückssymbol will ich noch hinzufügen“, sagte er und beförderte noch schnell eine goldglänzende Münze hinein. Zum Abschluss durften sich Ehrengäste und Vereinsmitglieder selbst handwerklich betätigen und kellenweise Mörtel auf die Kartusche klatschen.

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