Bärbel Nemitz ist neue „Schlüsselfigur“

Lübecker Nachrichten   08.01.2019

Ehrung auf dem Oldesloer Neujahrsempfang

Positiv überrascht war Bärbel Nemitz (r.), als Bürgerworthalterin Hildegard Pontow und Bürgermeister Jörg Lembke ihr den Silbernen Ehrenamtsschlüssel der Stadt Bad Oldesloe nebst Urkunde überreichten. fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. An einem Sonntag, zumal einem wolkenverhangenen, spricht nichts gegen einen erquicklich langen Schlaf. Und so hätte auch die in diesem Jahr von der Stadt Nominierte den ihr gewidmeten Festakt um ein Haar verpasst. Zum Glück war Ehemann Manfred zuvor eingeweiht worden, so dass Bärbel Nemitz doch noch rechtzeitig zur Preisübergabe im Kultur- und Bildungszentrum erscheinen konnte. Als verdiente Ehrenamtliche nahm sie aus den Händen von Bürgerworthalterin Hildegard Pontow den Silbernen Schlüssel entgegen, mit dem die Stadt alljährlich Menschen mit großem bürgerschaftlichem Engagement auszeichnet. Von Bürgermeister Jörg Lembke gab es dazu die passende Dankesurkunde.

Im voll besetzten KuB-Saal hatten die Gäste des diesjährigen Neujahrsempfangs schon mit Spannung darauf gewartet, wer in diesem Jahr wohl „Schlüsselfigur“ werden würde. „Sie redet nicht nur, sondern krempelt ihre Ärmel hoch und investiert viel Zeit für verschiedene ehrenamtliche Aktivitäten. Sie ist Ideengeberin für viele Projekte in der Stadt, stets neugierig, offen und voller Spielfreude“, charakterisierte Hildegard Pontow die Preisträgerin.

Als sie erläuterte, dass die Nominierte Theaterprojekte finanziert sowohl zugunsten des Oldesloer Kinder- und Jugendhauses St. Josef, aber auch für das Reinfelder Therapietheater, dämmerte wohl schon den meisten, um wen es sich handelte. Gewissheit gaben letztlich die Hinweise, dass sie Mitbegründerin des Oldesloer Bella-Donna-Hauses ist und Kulturveranstaltungen sponsert, damit auch weniger Betuchte Kino und Theater erleben können.

„Du hast einen Blick für das Gemeinwohl, ganz entgegen dem aktuellen Trend. Die meisten versuchen ja, möglichst viel Geld für sich selbst anzuhäufen“, lobte auch Birgit Mahner vom Vorstand des Bella-Donna-Hauses die Preisträgerin ob ihrer sozialen Einstellung. „Ich wünsche mir ein gutes Leben für alle, und damit meine ich wirklich alle“, fasste Bärbel Nemitz die Motivation für ihr Handeln zusammen. Sie will auch künftig das Projekt „Theater für alle“ fortführen. Auf ihren Wunsch hin gibt im Februar auch die Mittelholsteinische Weltkapelle ein Konzert im Kultur- und Bildungszentrum.

Großen Dank sprach der Bürgermeister in seiner Neujahrsansprache auch anderen „hoch motivierten Bürgern der Stadt“ aus – wie der Freiwilligen Feuerwehr, die 400 Einsätze im vergangenen Jahr absolvierte, sowie allen Aktiven in den Vereinen und Initiativen, die das Zusammenleben in Bad Oldesloe positiv gestalteten. Das treffe auch auf die gute Zusammenarbeit innerhalb der Politik zu, fügte Lembke hinzu. Nach der Kommunalwahl sei er zunächst besorgt gewesen, dass die Entscheidungsfindung mit dem Anwachsen der Sitze von 27 auf 34 schwieriger werden würde. „Ich durfte aber feststellen, dass die Verantwortlichen über die Parteigrenzen hinweg miteinander reden und das Diskussionsniveau deutlich gestiegen ist“, lobte Lembke.

Die Resultate könnten sich sehen lassen. Als Beispiele nannte Lembke den städtebaulichen Wettbewerb, der einen Entwurf für die Nutzung des ehemaligen VHS-Geländes an der Königstraße erbracht habe, sowie die Eröffnung der erweiterten Skateranlage und des Street-Workouts. Erfreulich sei auch, dass das neue Wohngebiet Claudiusstraße nach jahrelangen Schwierigkeiten endlich Fahrt aufgenommen habe. Gemeinsam mit Neubauprojekten an der Ratzeburger Straße, Turmstraße und der Pahlhöhe werde Bad Oldesloe weiter wachsen.

Lembke stellte aber klar, dass sich auch im neuen Jahr kein Füllhorn über die Stadtkasse ergießen wird. Die Stadt müsse einiges investieren, um den neuen Mitbürgern die nötige Infrastruktur bieten zu können. Dazu zählten auch die Betreuungsplätze in Kitas, die bei Weitem nicht ausreichten. Mehr als zehn Prozent des Etats entfielen allein auf die reinen Betriebskosten. Hinzu kämen Ausgaben für betreute Grundschule, gebundene Ganztagsschule und weiterführende Schulen. Sie schlügen mit weiteren 5,8 Millionen Euro, also 20 Prozent des Gesamthaushalts zu Buche. „Deshalb verlange ich von der Landesregierung bei der geplanten Reform der Kitafinanzierung endlich eine spürbare Entlastung“, betonte Bürgermeister Lembke.

Die Finanzmisere im Blick, ging er auch auf die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge ein, welche die politische Debatte im Vorfeld der Kommunalwahl bestimmt hatten. „Die meisten Bürger fühlen sich subjektiv entlastet, obgleich das Geld ohnehin vom Bürger erbracht werden muss“, sagte Lembke. Er fürchte nur, dass die Straßen mittelfristig unter der Entscheidung leiden würden, da nun die Kosten zu 100 Prozent aus dem Haushalt finanziert werden müssten und diese stets in Konkurrenz zu Investitionen an Schulen und Sportstätten oder sozialen Ausgaben träten. „Wo beschränkt man sich? Schwimmbad, Bibliothek, Bauhof, Zuschüsse für Vereine, den Jugendbereich?“, fragte Lembke.

Positiv hob das Stadtoberhaupt hervor, dass im neuen Jahr einige Investitionen realisiert werden können: Geld fließe für die Klaus-Groth-Straße, die Ida-Ehre-Schule und die Schule am Masurenweg. Zudem stehe der Ausbau der Hagenstraße und des ZOB an. Außerdem gebe es neue Parkautomaten, die nicht nur das Zahlen per Karte ermöglichen, sondern auch um eine Brötchentaste ergänzt wurden. Bei kurzen Erledigungen fielen keine Gebühren an. Sie ganz abzuschaffen, schade letztlich dem Einzelhandel, denn dann würden die Plätze durch Dauerparker wie Angestellte blockiert.

Eine Zahl, die Lembke nannte, überraschte: Im vergangenen Jahr gastierten 80 000 Besucher in den Hotels der Stadt. Zudem gab es 2000 Übernachtungen auf den Wohnmobilstellplätzen am Exer sowie nicht bezifferte in privaten Unterkünften.

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