Das wird 2019 in Bad Oldesloe gebaut

Lübecker Nachrichten   13.01.2019

Vielerorts entsteht neuer Wohnraum – Endlich kommt das Radhaus

Bad Oldesloes Bauamtsleiter Thilo Scheuber am Flächennutzungsplan der Stadt.  FOTOS: DOROTHEA VON DAHLEN

Bad Oldesloe. Noch herrscht weitgehend Ruhe auf den Baustellen von Bad Oldesloe. Doch im Laufe dieses Jahres wird an vielen Stellen in der Kreisstadt gebuddelt. Etliche Bauprojekte, die seit Längerem in der Pipeline feststeckten, sollen jetzt endlich realisiert werden. In der Verwaltung kehrt danach aber kein Stillstand ein. Viele neue Projekte liegen schon auf dem Tisch, um die Stadt für die Zukunft zu rüsten. Die Aufgaben sind umfangreich: Dringend gebraucht werden bezahlbarer Wohnraum und ausreichend Gewerbeflächen, um bei der wirtschaftlichen Entwicklung mithalten zu können.

An der Ratzeburger Straße in Bad Oldesloe soll noch ein zweites Mietshaus mit 34 Wohnungen entstehen.

In der Ratzeburger Straße, wo bereits ein neues Mietshaus mit 16 Wohneinheiten komplett vermietet ist, soll noch in diesem Jahr ein weiteres Gebäude entstehen. Der genaue Baubeginn steht indes noch nicht fest. Laut den beiden Investoren Philipp Koplin und Florian Loewenau handelt es sich um ein noch größeres Projekt mit insgesamt 34 Wohneinheiten, die wie bereits im ersten Block auch für geringere Einkommen erschwinglich sein dürften. Schon jetzt gibt es am Standort Ratzeburger Straße 15 sozial gebundene Wohnungen, im neuen Mietshaus kommen noch einmal elf hinzu. Vorwiegend Eigenheime entstehen dagegen in der voll erschlossenen Siedlung Claudiussee. Zwar sind auch in diesem Gebiet laut B-Plan Grundstücke für den Mietwohnungsbau ausgewiesen, doch hat sich bislang kein Käufer gefunden, der auf dieser Flächen investieren will.

Bevor die Bagger auf das einstige VHS-Gelände in der Königstraße rollen, wird es noch einige Zeit dauern. Laut Bauamtsleiter Thilo Scheuber gilt es jetzt, Schritt für Schritt Baurecht für den Gewinnerentwurf des Architektenwettbewerbs für dieses Filetstück zu schaffen. Der Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan solle demnächst gefasst werden. Zudem müssten Gutachten zum Boden und etwaigen Altlasten in Auftrag gegeben werden sowie das juristisch vertrackte Vergabeverfahren für das städtische Grundstück vorbereitet werden. Die Tiefgarage und darüber führende, öffentlich gewidmete Fußwege könnten sonst später zu Rechtsstreitigkeiten mit dem neuen Eigentümer führen. Die eigentliche Ausschreibung des Geländes solle Mitte nächsten Jahres über die Bühne gehen. Da dann schon Baurecht bestehe, könne der Investor sofort loslegen.

Nach Lust und Laune expandieren kann die Kreisstadt im Übrigen nicht. Sie steckt gewissermaßen in einem engen Korsett. „Die derzeit geltende Siedlungsgrenze legt sich wie ein roter Gürtel um die Stadt“, sagt Bauamtsleiter Thilo Scheuber. Riesige neue Wohngebiete zu erschließen sei in dieser Situation gar nicht möglich, andererseits aber auch nicht wünschenswert. Denn in solch neu entstehenden Quartieren müsse auch für Kindergärten und andere Infrastruktur gesorgt werden. Die Stadt setze deshalb eher auf ein behutsames Wachstum in den Randgebieten. Deshalb sei zu hoffen, dass sich die Toleranzgrenzen im neuen Regionalplan, den das Land derzeit überarbeite, gelockert würden. Dass dem Wohnungsbau mehr Raum gegeben werden müsse, sei unstrittig. Schließlich seien die Bevölkerungsprognosen, auf der die alte Version des Regionalplans basierte, schon 2014 von der Realität überholt worden. Zuvor sei man davon ausgegangen, dass es ausreiche, in Bad Oldesloe 1200 Wohneinheiten bis zum Jahr 2030 zu schaffen, um den Bedarf zu decken.

„Zum Glück haben wir seit Anfang des Jahres eine neue Mitarbeiterin, die sich mit strategischer Stadtentwicklung beschäftigt“, sagt Scheuber, der selbst im Juli zur Kreisverwaltung wechselt. Sie soll nach Flächen fahnden, die sich für Wohnzwecke eignen, ohne dass es zu Konflikten mit angrenzendem lautem Gewerbe oder auch schützenswerter Natur kommt. „Zerstören wollen wir die Landschaft nicht. Sie ist ja ein Grund, weshalb viele Leute überhaupt nach Bad Oldesloe ziehen“, gibt Scheuber zu bedenken. Ihm zufolge stehen aber schon zwei weitere Gebiete für den Wohnbau zur Debatte. Dabei handelt es sich um Flächen am Pölitzer Weg gegenüber der Claudiusstraße sowie an der Wolkenweher Dorfstraße. Über Letzteres wurde bereits Ende 2018 im Bauausschuss diskutiert.

Diese Fläche am Wolkenweher Weg in Bad Oldesloe könnte später für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen. 

Ein über Jahre hinweg heiß diskutiertes und zuweilen auch zerredetes Projekt stellt das Fahrradhaus am Bahnhof dar. Laut dem Bauamtschef soll es jetzt tatsächlich realisiert werden. Seit geraumer Zeit ist die Stadt nicht mehr Herr des Verfahrens. Das Land hatte einen Planer beauftragt, das Haus zu entwerfen. Alle Genehmigungen der Deutschen Bahn liegen jetzt wohl vor und die Förderung steht. „Alle arbeiten auf Hochtouren daran, so dass im Sommer der Grundstein gelegt werden kann“, informiert Scheuber.

Dieses ist das Modell eines Radhauses, das in abgewandelter Form in Bad Oldesloe aufgebaut werden soll. FOTO: BahnStadt/hfr

Die Entwicklung des Gewerbes betreffend, so will sich die Stadt offenbar nicht auf Lorbeeren ausruhen. Zwar stehen im neuen Gebiet gegenüber Obi 30 Hektar zur Ansiedlung neuer Unternehmen bereit, doch soll schon rechtzeitig vorgesorgt werden, falls auch diese Fläche ausgelastet ist. Laut Scheuber steht 40 Hektar großes Gebiet zur Disposition, das Firmen aufgrund seiner Nähe zur A 21 eine gute verkehrliche Anbindung bietet. „Und wenn erst die A 20 durch Bad Segeberg weitergebaut wird, ist es ein Premiumgebiet“, sagt Scheuber.

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