Bölcks Grabstein bekommt Ehrenplatz auf Oldesloer Friedhof

Lübecker Nachrichten   19.01.2019

Die Ruhestätte des Margarinefabrikanten in Ohlsdorf wurde aufgelöst

Der Oldesloer Friedhofsverwalter Jörg Lelke (r.) und seine Kollegen stellen den Grabstein von Friedrich Bölck sicher, um ihn von Ohlsdorf in die Kreisstadt zu bringen. FOTOS: Dorothea von Dahlen/ARCHIV

Bad Oldesloe. Geschafft: Der durch Zufall auf dem Ohlsdorfer Friedhof entdeckte Grabstein des bekannten Margarinefabrikanten Friedrich Bölck ist heil in Bad Oldesloe angekommen. Die Stele soll hier einen Ehrenplatz erhalten, im Gedenken an den schillernden Unternehmer, der sich als Pionier moderner Vermarktungsstrategien einen Namen machte.

Nicht nur der Kreisstadt drückte Bölck nachhaltig seinen Stempel auf. In Bad Oldesloe prägen die stattlichen Backsteinvillen, die einst zu seinem kleinen Firmenimperium gehörten, noch heute das Straßenbild. Doch gestaltete er auch maßgeblich das Herrenhaus von Trenthorst, heute Sitz des Instituts für Ökologischen Landbau.

„Jetzt können wir ihn endlich abholen“, sagte Jörg Lelke, Chef der Oldesloer Friedhofsverwaltung, erleichtert und machte sich für den Abtransport des Steins bereit. Ein Jahr hatte er auf diesen Moment gewartet. Im November 2017 erst hatte er von dem Zufallsfund einer Hamburgerin erfahren. Cornelia Jacob hatte das achtlos umgekippte Monument Bölcks in einem Seitenweg der Kapelle 7 auf dem Ohlsdorfer Friedhof liegen sehen und instinktiv Nachforschungen angestellt. Aus dem Internet erfuhr sie, dass sich hinter dem Namenszug eine für die Region bedeutende Persönlichkeit verbarg.

Um das publik zu machen, wandte sie sich damals an die LN. So erfuhr auch Jörg Lelke vom Grab des Oldesloer Prominenten. Er war gleich von dem Gedanken angetan, den Stein herzuholen, da sich abzeichnete, dass die Nutzungsrechte für die Grabstätte binnen zwölf Monaten auslaufen würden. Doch war zu diesem Zeitpunkt längst nicht klar, ob die Nachfahren Bölcks das Liegerecht nicht doch noch einmal verlängern würden. Mit Unterstützung von Stadtarchivleiterin Dr. Sylvina Zander, ihres Zeichens Bölck-Kennerin, gelang es Lelke letztlich, das Einverständnis der Angehörigen zu bekommen.

Doch damit waren noch nicht alle Hürden genommen. Der mit 385 Hektar weltweit größte Parkfriedhof gilt als kulturhistorisch sehr bedeutsam und steht unter Denkmalschutz. Zugleich ist er letzte Ruhestätte zahlreicher Berühmtheiten wie Altkanzler Helmut Schmidt, Autor Harry Rowohlt oder so legendärer Schauspieler wie Hans Albers und Heidi Kabel. „Auch deshalb darf man dort einen Stein nicht so einfach entfernen. Eine ehrenamtliche Kommission aus Bildhauern, Steinmetzen und Kunsthistorikern hat den Fall begutachtet und ihr O.k. gegeben“, erzählte Lelke.

So konnten er und seine Kollegen Jörg Burkhardt und Klaus Jaschinsky nun frisch ans Werk gehen. Fachmännisch befestigten sie den mutmaßlich aus Schweden stammenden schwarzen Granitstein mit Stahlseilen am Haken eines Hebekrans und bugsierten die schwere Fracht auf einen Kleinlaster.

In Bad Oldesloe wird der Stein nun erst einmal gründlich gereinigt. „Wir sprühen ihn unter Hochdruck mit Wasser ab. Dann zeigt sich auch, ob es Risse oder andere Beschädigungen gibt“, sagte Lelke. Zunächst werde das gute Stück zum Trocknen eingelagert. Aufgestellt werden könne der Stein aber erst, wenn die Frostgefahr endgültig gebannt sei. Bei Minustemperaturen drohe das Betonfundament zu zerbröckeln.

Ohne Zutun der Friedhofsverwaltung und Stadtarchivarin Zander wäre Bölcks Grabmal wohl in den Schredder gewandert. „Der Schotter ausgedienter Grabsteine wird gewöhnlich als Unterbau für den Straßenbau verwendet. Hätte es nicht geklappt, wären wir später vielleicht auf der Autobahn einfach drüber gerollt“, erklärte Lelke. Doch zum Glück ließ sich das verhindern. Der Stein bekommt sogar einen Ehrenplatz in der kleinen „Ahnengalerie“, die Lelke auf dem Friedhof angelegt hat. Dort sind bereits Gedenksteine einiger bekannter Oldesloer aufgereiht, deren Gräber genauso aufgelöst wurden wie das des Margarinefabrikanten. Lelke hatte sie rechtzeitig in Sicherheit gebracht und mit einer kleinen Infotafel versehen, damit die Nachwelt nicht vergisst, was sie zu Lebzeiten geleistet haben. Zur Oldesloer Prominenz gehören etwa die Künstlerin Else Wex, Alt-Bürgermeister Claus Hinrich Mewes oder Studiendirektor und Logenmeister Alfred F. Urisinus. „Insofern ist der Friedhof auch erlebte Geschichte. Man kann hier viel erfahren über die Menschen, die das Gesicht von Bad Oldesloe geprägt haben“, sagte Lelke.

Besucher, die ihr Wissen über die Vita ihrer besonders verdienten Einwohner erweitern möchten, ist zu empfehlen, sich einer von Lelkes Führungen über den Friedhof anzuschließen. Die gibt es zweimal im Jahr – zur Rhododendronblüte und zur herbstlichen Jahreszeit, wenn der Gedanke an Sterben, Tod und Vergänglichkeit stärker ins Bewusstsein rückt.

Der Grabstein von Friedrich Bölck auf dem Friedhof von Ohlsdorf.

Friedrich Bölck galt als schillernde Persönlichkeit Stormarns.

Ein Unternehmer mit Format
Geboren wurde Friedrich Bölck 1877 als Sohn eines Landarbeiters in Oldenburg/Holstein. In Bad Oldesloe wohnte er zunächst in der Heiligengeiststraße, zog dann um in die Salinenstraße und mit zunehmendem Wohlstand ins Trenthorster Herrenhaus und von dort aus ins Schloss Grabau und das Herrenhaus zu Borstel.

Bölcks wirtschaftliches Erfolgskonzept bestand darin, ein gut funktionierendes Vertriebssystem für Margarine aufzubauen, das den Konsumenten ohne weiteren Zwischenhandel ab Fabrik mit dem Produkt versorgte. Mit der Entwicklung einer eigenen Marke mit einheitlicher farblicher Verpackung genoss die Bölck-Margarine einen hohen Wiedererkennungswert, was ebenfalls zur starken Kundenbindung beitrug.

Charakterlich betrachtet wird Bölck als großzügiger Mensch beschrieben, der jungen Leuten mit Geld unter die Arme griff, aber auch gegenüber der Öffentlichkeit als Mäzen auftrat. Er stiftete etwa den Gänselieselbrunnen in Bad Oldesloe. Zudem war der Fabrikant Mitglied der deutschen Friedensgesellschaft, dessen Präsident Paul von Schoenaich oft Gast bei ihm in Trenthorst war. Den Nationalsozialisten war er ein Dorn im Auge. Bölck verstarb bei einem mysteriösen Autounfall auf einer Landstraße am Süseler Moor bei Eutin.

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