Oldesloer rettet Ölgemälde

Lübecker Nachrichten   03.02.2019

Riesige Stadtansichten hingen früher in der alten „Mühle“

Jürgen Seemann rettete diese Gemälde, die früher in der Gaststätte „Zur Mühle“ in Bad Oldesloe hingen. Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Die alte „Mühle“ hat sich in eine stylishe Bar verwandelt. Die Erinnerung an die einstige Traditionsgaststätte ist aber längst nicht verblasst. Der gebürtige Oldesloer Jürgen Seemann etwa denkt gern an die gemütlichen Stunden in der Kneipe zurück. Zu seiner Freude konnte er drei riesige Ölgemälde vor dem Umbau des Lokals retten. Sie sollen bald in seiner Steuerkanzlei so richtig zur Geltung kommen.

„Ich kannte die ’Mühle’ von Kindesbeinen an. Mein Großonkel aus Hamburg nahm mich immer mit hin, wenn er zu seiner Skatrunde ging. Damals führte noch Heinrich Peemöller das Geschäft“, erinnert sich Seemann. Als Teenager wurde das Lokal auch für ihn selbst zum wichtigen Treffpunkt. „Mit 16 haben wir dort sonnabends nach der Schule immer unser Bierchen getrunken“, erzählt er schmunzelnd. Zu jener Zeit hätten bereits die Peemöller-Tochter Ute und ihr Ehemann Harry Struppek hinter dem Zapfhahn gestanden.

Von Struppeks selbst gemachten Frikadellen schwärmt der Steuerfachmann heute noch. „Sie waren eine Wucht. Unsere Eltern haben sich immer gewundert, weshalb wir zu Mittag keinen Appetit hatten“, erzählt er lachend. Nicht zuletzt sei die „Mühle“ Anlaufstelle für fröhliche Radlergruppen gewesen, die am Vatertag die Gegend verunsicherten. Denn dort lockte schon die deftige Currywurst. Späterhin traf sich Seemann mit seinen Freunden vom Förderverein des VfL Oldesloe in dem beliebten Lokal.

Das gemütliche dunkle Mobiliar, die Holzvertäfelungen und freilich auch die in Öl gemalten Stadtansichten von Bad Oldesloe – all das machte für Seemann den Charme der „Mühle“ aus. Als er vor einigen Jahren mitbekam, dass Struppeks ihre Schürze endgültig an den Nagel hängen wollten, war er alarmiert. „Ich habe mich an ihn gewandt und mir von ihm versprechen lassen, dass er mir die Bilder verkauft, wenn er den Laden aufgibt. Sie sind etwas Besonderes und zu schade, einfach entsorgt zu werden“, sagt er. Zunächst aber hatten sich die beiden Wirtsleute nur zur Ruhe gesetzt und das Lokal an einen Sven W. Pehla verpachtet und sich erst im vergangenen Jahr dazu durchgerungen, die „Mühle“ tatsächlich zu verkaufen.

Stolz zeigt der neue Besitzer die Gemälde, die er im Flur seiner Kanzlei zwischengelagert hat. Sie sollen demnächst gereinigt werden. Den Rahmen will Seemann ebenfalls abschleifen und neu lackieren. Über die Herkunft des Künstlers vermag er allerdings nichts zu sagen. Den entscheidenden Hinweis auf den Urheber gibt das Bild der alten Oldesloer Ströhmühle mit der Signatur: „Henry Cummerow nach einem Stich“. Die Spur führt in die Sehmsdorfer Straße. Dort widmete sich der Malermeister Henry Cummerow einst nach Feierabend seinem Hobby. „Er hatte zwar Kunst in München studiert, kam damit aber nie zum Zuge. Weil er Geld verdienen musste, hat er dann in einem handwerklichen Beruf gearbeitet“, erzählt Sohn Claus Cummerow. Er selbst begleitete seinen Vater oft in die Natur, wo er seine Leinwand aufstellte, um Bauern bei der Feldarbeit zu malen oder so typische Stadtansichten wie die Kranbrücke mit Blick auf die Kirche. Das Bauwerk existiert längst nicht mehr, da die Trave in Richtung Süden verlegt und ihr altes Bett zugeschüttet wurde. Heute führt an dieser Stelle der Berliner Ring entlang.

Die riesigen Gemälde, die sich jetzt in Seemanns Besitz befinden, kennt Cummerow junior nicht nur aus der „Mühle“, sein Vater hat stets eine Miniaturfassung jedes Motiv gemalt. „Ich bin so froh, die Bilder in guten Händen zu wissen. Es wäre schade, wenn man sie weggeworfen hätte. Denn es war schon eine Glanzleistung, die mein Vater da vollbracht hat“, sagt er. Um die raumgreifenden Leinwände bearbeiten zu können, habe er sich extra ein lichtdurchflutetes Atelier gebaut und selbst das sei oft zu klein gewesen, um darin zu arbeiten, weshalb er oft draußen im Grünen gemalt habe. Im Jahre 1989 sei sogar in Zusammenarbeit mit der Oldesloer Sparkasse eine Ausstellung der Werke geplant gewesen. Doch leider habe der Vater dieses Ereignis, auf das er sich so sehr gefreut habe, nicht mehr erleben können.Im Alter von 86 Jahren sei er zuvor gestorben.

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