Nach Kritik der Feuerwehr: Stadt bessert nach

Lübecker Nachrichten   05.02.2019

Die Feuerwehren in Bad Oldesloe atmen auf: Nach ihrer Kritik rüstet die Stadtverwaltung personell auf – Viele Projekte können nun starten

Die Wache an der Lübecker Straße ist das Zentrum der Oldesloer Feuerwehr. fotos: mc

Bad Oldesloe. Der Aufschrei war groß nach den Jahresversammlungen der Feuerwehren in Bad Oldesloe: Neben dem normalen Programm mit Einsatzzahlen, Ehrungen und Beförderungen holten die Wehrführer der Ortswehren zum Rundumschlag gegen die Stadtverwaltung aus. Viele wichtige Projekte lägen in den Schubladen und würden nicht angegangen, es gebe technische Mängel, veraltete Schutzkleidung und nicht zuletzt verschlammte Löschteiche in den Oldesloer Ortsteilen.

„Die Löschteiche und damit die Wasserversorgung für die Feuerwehren sind das dringendste Problem“, sagte Gemeindewehrführer Olaf Klaus den LN. Alle führen nach dem trockenen Sommer 2018 zu wenig Wasser und verschlammten zusehends. „Doch wir sind guter Dinge, dass unsere Anliegen nun bearbeitet werden.“ Denn die Stadt hat nach der teils massiven Kritik bereits reagiert und will personell aufrüsten.

Aufgrund des Personalmangels seien viele Projekte nicht über den Planungsstand hinausgekommen, hatte Bad Oldesloes Ortswehrführer Kai-Uwe Gatermann vor kurzem gesagt. „Unsere Einsatzzentrale ist seit Monaten eine Baustelle und es geht nichts weiter.“ Auch die Planung für den Aufbau eines Lageraumes für Großschadenslagen sei ins Stocken gekommen, sagte der Ortswehrführer. „Aber es sind nicht nur diese Projekte, die nicht laufen. Seit über einem Jahr wartet die Jugendfeuerwehr auf neue Schutzkleidung. Motivierend ist das nicht“, so Gatermann auf der Jahresversammlung.

Der Seefelder See dient auch als Löschteich.

Seefelds Wehrführer Daniel Pöhlsen stieß eine Woche später ins selbe Horn. „Mit unseren desolaten Löschteichen können wir die Brandbekämpfung nicht mehr gewährleisten“, sagte Pöhlsen auf der Jahresversammlung. „Seit drei Jahren haben wir kein funktionierendes Telefon im Feuerwehr-Gerätehaus. Außerdem sollten die Funkmeldeempfänger umcodiert werden, aber auch das hat die Stadtverwaltung nicht hinbekommen, weil die Elektrik fehlerhaft ist.“

„Es ist im vergangenen Jahr viel schiefgelaufen und ich will auch nichts schönreden, wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht“, sagte Bürgermeister Jörg Lembke bei der Veranstaltung. „Es ist auch keine Entschuldigung, dass die zuständige Sachbearbeiterin ein Dreivierteljahr nicht da war.“ Der Finanzausschuss habe ihm für ein Jahr eine zusätzliche befristete Stelle zugesagt, um die Missstände aufzuarbeiten. Die Betreuung der Löschteiche werde vom Ordnungsamt zum Tiefbauamt zurückgegeben. Dieses soll sich dann darum kümmern, dass die Teiche entschlammt werden.

Erfreuliches hatte indes der Finanzausschuss-Vorsitzende Torsten Lohse zu berichten, denn die Stadt Bad Oldesloe plane für 2019, rund 1,5 Million Euro für die Oldesloer Wehren auszugeben. „Darunter sind auch größere Anschaffungen wie zum Beispiel ein neues Tanklöschfahrzeug, bauliche Maßnahmen, Unterhaltungsmaßnahmen und Anschaffungen wie Ausrüstungen und Helme.“

Ebenfalls zu Gast bei den Jahresversammlungen, zuletzt auch in Poggensee, war Hildegard Pontow, seit der Kommunalwahl im Mai 2018 Bürgerworthalterin der Stadt. Sie war überrascht von den offensichtlichen Mängeln und trug diese auch den Stadtverordneten vor. Für die meisten kamen die Nachrichten auch unerwartet, allesamt forderten sie Nachbesserungen. Pontow rief die Kameraden dazu auf, gleich das Gespräch zu suchen und nicht bis zur Jahresversammlung zu warten.

Auf jeden Fall hat die Stadtverwaltung umgehend reagiert. „Um die volle Handlungsfähigkeit der Feuerwehren sicherzustellen und dem aufgestauten Mangel schnellstmöglich entgegenzuwirken, konnte für den Bereich Feuerwehren ab dem 1. Februar eine zusätzliche Dreiviertel-Stelle besetzt werden, auch die bisherige halbe Stelle für den Bereich Feuerwehren wird bald wieder besetzt sein“, sagt Agnes Heesch, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtkommunikation.

Heesch erklärt weiter: „Die Ausschreibung des geplanten Tanklöschfahrzeuges konnte trotz des Personalmangels durchgeführt werden und befindet sich bereits im Bieterverfahren. Mit den zusätzlichen personellen Kapazitäten sollen schnellstmöglich aufgestaute Aufgaben abgearbeitet und auch die ausstehenden Aufwandsentschädigungen im Februar vollständig angewiesen werden.“ Der Auftrag für die notwendigen Schutzanzüge werde ebenfalls noch im Februar in Auftrag gegeben. Das Projekt Löschwasserversorgung sei ein langjähriges und könne nun durch die Umstrukturierung in der Verwaltung effektiver fortgeführt werden.

Heesch stellt klar, welchen Stellenwert die Feuerwehren für die Stadt haben: „Mit ihrem täglichen Einsatz leistet die freiwillige Feuerwehr einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Bürger, umso mehr bedauert die Stadtverwaltung die aktuellen Versäumnisse, insbesondere die Nichterfüllung bei den sicherheitsrelevanten Maßnahmen und bittet die vielen freiwilligen Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner um Verständnis.“

Markus Carstens
und Margrit Kunde

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