Lärm durch Autos und Bahn: Ist Bad Oldesloe zu laut?

Lübecker Nachrichten   12.02.2019

Oldesloer Umweltausschuss fordert Lkw-Verbot in mehreren Straßenabschnitten und Ausweitung der Tempo-30-Zonen

Laute Ecke: Die Bahnstrecke führt hier über den Pölitzer Weg. Lastwagen sollen jetzt verbannt werden.

Bad Oldesloe. Lärm ist ein höchst subjektives Empfinden. Das wird auch bei den Einwendungen der Oldesloer Bürger für den sogenannten Lärmaktionsplan deutlich, der alle fünf Jahre neu erarbeitet wird. Die Umweltpolitiker der Stadt haben die jüngste Variante jetzt verabschiedet. Die hat zwar keinen verbindlichen Charakter, der Plan zeigt jedoch einige Weichenstellungen auf. Das beschäftigt die Bürger im Einzelnen:
Lkw-Verkehr in der Innenstadt:
Für die Kurparkallee gibt es bereits ein Lkw-Verbot. Dieses soll jetzt ausgedehnt werden auf die Mewesstraße, den Sülzberg und den Pölitzer Weg bis zur Kreuzung Stoltenrieden. Lieferverkehr bleibt davon ausgenommen. Das war der Wunsch vieler Bürger und steht so im neuen Lärmaktionsplan, den der Umweltausschuss jetzt mehrheitlich verabschiedet hat. Das Lkw-Verbot befürworteten auch alle Ausschussmitglieder, es muss nun aber noch mit der Verkehrsaufsicht abgestimmt werden.

Halteverbot vor den Schulen bzw. eine „Bannmeile“ für Elterntaxis: Die Problematik des Schulverkehrs insbesondere zu Schulbeginn hat die Oldesloer Stadtverwaltung erkannt. Sie gehöre jedoch nicht in den Bereich Lärmschutz, sondern sei ein Thema für die Verkehrssicherung.

Ausweitung der Tempo-30-Zonen: Das ist quasi ein Dauerbrenner: häufig probiert und dann doch wieder von einer übergeordneten Behörde kassiert. Die Umweltpolitiker nehmen nun einen neuen Anlauf, haben mehrere Stellen im Visier. Unter anderem soll möglichst auf der gesamten Lorentzenstraße Tempo 30 herrschen, das heißt von der Schützenstraße bis zur Hamburger Straße. In Anlehnung an das Lkw-Fahrverbot soll auch in den Straßen Mewesstraße, Sülzberg und Pölitzer Weg bis zur Kreuzung Stoltenrieden die Geschwindigkeit reduziert werden. Die CDU plädierte im Umweltausschuss für Tempo 30 nur zwischen 22 und 6 Uhr, konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen. Die Regelung solle ganztägig gelten, beschloss die Mehrheit.

Einen weiteren Versuch für eine nächtliche Temporeduzierung soll es auch an der Ratzeburger Straße geben. Vor sieben Jahren hatte allerdings die Verkehrsaufsicht das gleiche Anliegen nicht genehmigt. Die Stadtverwaltung räumt dem Vorhaben auch jetzt nur geringe Chancen ein. Optimistischer ist sie dagegen für die Lorentzenstraße, da diese in Höhe Grabauer Straße an einer Schule entlangführt.

Birken für den Bahnhof: Auf den ungenutzten Gleisen am Oldesloer Bahnhof ist bereits ein kleiner Birkenwald entstanden. Weitere Anpflanzungen könnten zu einem natürlichen Lärmschutzwall werden, schlägt ein Oldesloer Bürger vor – was die Stadt jedoch bezweifelt. Zudem gehörten die Flächen der Bahn und stünden nicht als Waldfläche zur Verfügung.

Gummimatten fürs Gleisbett: Mit dieser Maßnahme könne die Geräuschbelastung im Bahnhofsbereich verringert werden, so eine Anregung aus der Bevölkerung. Die Stadt verweist jedoch auf die Bahn als Eigentümerin, das Eisenbahnbundesamt sowie eigene Lärmaktionspläne der Bahn. Zum Pölitzer Weg hin sei zudem bereits eine Lärmschutzwand errichtet worden.

Schallschutz für den Berliner Ring: Dortige Anwohner regten eine schalldämpfende Straßenoberfläche vom Pferdemarkt bis zur Lübecker Straße an. Die Stadt trug den Wunsch weiter an den zuständigen Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. Dieser lehnte den Einbau jedoch ab mit der Begründung, dass dieser „Flüsterasphalt“ nicht stabil genug sei.

Lärm durch Flugzeuge: Auch in Bad Oldesloe fühlen sich Anwohner von Fluglärm belästigt. Ähnlich wie für Elmenhorst ein paar Kilometer weiter südwestlich solle mit dem Flughafen Hamburg eine geräuschärmere Planung der Landeanflüge vereinbart werden. Die Lärmkartierung hat jedoch laut Gutachten für die Kreisstadt keine Betroffenheit aufgezeigt, was Jürgen Schneider von der SPD nicht nachvollziehen konnte. Es gebe zwar einen Dialog des Kreises Stormarn mit dem deutschen Flugsicherungsdienst, „im Grunde kann Bad Oldesloe da aber nicht mitreden“, stellte Bauamtsleiter Thilo Scheuber klar.

Weitere Möglichkeiten, um Lärm zu reduzieren, sind aus Sicht der Verwaltung zum Beispiel eine Förderung des ÖPNV, verbunden mit hohen Taktdichten und einer guten Verknüpfung des ÖPNV untereinander und mit anderen Verkehrsträgern. Auch Fahrrad- und Fußgängerverkehr sollten gefördert werden. Ein gut ausgeprägten Radwegenetz würde zum Umstieg aufs Fahrrad animieren. Auch die Anlage von Radfahrstreifen, die Bevorzugung des Radverkehrs an Kreuzungen oder Leihfahrräder könnten in ein aktuelles Radverkehrskonzept einfließen.

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