Ab in die Tonne: Aus für Gelben Sack

Lübecker Nachrichten   22.02.2019

Ab 2020 werden in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg keine Gelben Säcke mehr abgeholt. Verpackungen und Wertstoffe sollen in die neue Wertstofftonne geworfen werden.

So oder so ähnlich könnte die neue Wertstofftonne aussehen. foto: HM

Bad Oldesloe/Ratzeburg. Immer wieder tauchte in den vergangenen Jahren der Begriff Wertstofftonne in der politischen Diskussion auf. Jetzt hat der Umweltausschuss des Kreises Stormarn final entschieden: Der Gelbe Sack wird zum kommenden Jahr abgeschafft und die Wertstofftonne eingeführt. Der Vorteil: Dort können nicht nur Verpackungen, sondern auch andere Kunststoffe wie zum Beispiel der kaputte Fahrradschlauch oder die Gießkanne hineingeworfen werden.

Die Politiker erhoffen sich davon weniger Fehlwürfe sowohl in den Säcken als auch in der Restmülltonne. Vor den Stormarnern hatten bereits die Politiker des Kreises Herzogtum Lauenburg Grünes Licht gegeben. Beide Kreise sind Gesellschafter der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), die die Müllentsorgung für fast 440 000 Einwohner in den beiden Kreisen organisiert. Für die Bürger könnten geringe Mehrkosten von einigen Euro pro Jahr entstehen.

AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel berichtete im Umweltausschuss von dem komplizierten Konstrukt Duales System und dem nicht einfachen Unterfangen, überhaupt Ansprechpartner zu finden. Allein in Schleswig-Holstein seien elf verschiedene Anbieter registriert. Neben der Wertstofftonne gab es auch noch die Angebote, weiter mit dem Sacksystem zu verfahren oder die Gelbe Tonne einzuführen. „Die würde aber nur alle vier Wochen geleert werden“, sagte Dennis Kissel und sprach von einem „Abwehrangebot der Dualen Systeme“.

Die 240-Liter-Wertstofftonne dagegen wird wie bisher die Gelben Säcke alle zwei Wochen abgeholt. Die AWSH hatte bereits im Vorwege aus Gründen des Ressourcen- und Klimaschutzes die Tonne mit dem gelben oder orangen Deckel favorisiert. „Wir wollen damit auch die Potenziale der Restmülltonne heben, in der viele Kunststoffe landen“, sagte Kissel.

„In Hamburg gibt es die Wertstofftonne schon. Das System hat sich dort bewährt“, sagte Sabine Rautenberg von den Grünen, die schon seit vielen Jahren das Aufreißen der Gelben Säcke und den damit herumfliegenden Müll kritisiert. Sie plädierte wie auch die anderen Fraktionen für eine Informationskampagne, um die Bürger über die Tonne, deren Inhalt und die Wiederverwertung aufzuklären. Auch bei der CDU gab es keine Diskussionen. „Die heutigen Fehlwürfe der Bürger werden so legalisiert“, sagte Claudia Rathje. „Und schön, wenn es für die Bürger günstig bleibt.“

Viele Bürger hätten bis heute nicht verstanden, was in den Gelben Sack gehört und was nicht, sagte Heinz Hartmann von der SPD und nannte die Einführung der Wertstofftonne sehr sinnvoll. „Und für den einzelnen Bürger wird es auch nicht teuer.“

Einige Besucher der Ausschusssitzung bemängelten zwar die Größe der Tonnen, doch laut Dennis Kissel wird es ausschließlich die 240-Liter-Behälter geben. Bei der Papiertonne habe sich diese Größe auch bewährt und mittlerweile durchgesetzt. Wer besonders viel Plastikmüll habe zum Beispiel nach einer große Feier, könne weiterhin auch die Recyclinghöfe ansteuern.

Der Umweltausschuss stimmte am Ende einstimmig dafür, dass die AWSH eine entsprechende Vereinbarung mit den Dualen Systemen für die kommenden drei Jahre abschließt. 120 000 Tonnen werden für die beiden Kreise benötigt, Geschäftsführer Dennis Kissel bezifferte die gesamte Investition auf 3,6 Millionen Euro. Darin enthalten sind unter anderem auch das Kaufen und Aufstellen der Tonnen.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.