Bauland wird noch teurer

Lübecker Nachrichten   03.03.2019

Die Grundstückspreise kennen in Stormarn weiter nur eine Richtung: nach oben

Im neuen Wohngebiet Claudiussee in Bad Oldesloe entstehen derzeit die ersten Häuser.   dvd

Bad Oldesloe. Schwere Zeiten für all diejenigen, die in Stormarn auf der Suche nach Bauland sind: Auch in den vergangenen zwei Jahren hat sich Bauland erheblich verteuert. Das ist das Ergebnis der aktuellen Auswertungen des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Stormarn. „Die Nachfrage nach Immobilien und Bauland ist derzeit sehr groß, das Angebot jedoch eher bescheiden“, sagt Stefan Leutelt, Vorsitzender des Gutachterausschusses. Die höchsten Kaufpreise werden nach wie vor in Südstormarn und speziell im unmittelbaren Hamburger Randgebiet erzielt. „Das Niveau ist hoch.“ Diesen Satz sagte Leutelt nicht jetzt, sondern schon vor acht Jahren.

Bei der aktuellen Ermittlung der Bodenrichtwerte haben die Gutachter eine besonders hohe Steigerung der Kaufpreise für Einfamilienhausgrundstücke festgestellt. Im Kreisgebiet lag der Anstieg im Durchschnitt bei 16 Prozent im Vergleich zu den Richtwerten von vor zwei Jahren. In einigen Gemeinden erhöhten sich die Grundstückpreise sogar um rund 35 Prozent.

Die Werte sind Wasser auf die Mühlen der Baupolitiker des Kreises und auch von Landrat Henning Görtz. Alle sprechen längst von einer Wohnungsnot in Stormarn und appellieren an Städte und Gemeinden, neuen Wohnraum zu schaffen. Um Hilfestellungen zu geben, hat der Kreis eigens ein Bündnis mit acht Wohnungsbaugesellschaften gegründet. Derzeit sind die Kreispolitiker auf Werbetour durch Stormarn. „Es muss etwas passieren“, sagt Wolfgang Gerstand, Vorsitzender des Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschusses des Kreises. Denn dem Kreis wird ein Wachstum um weitere zehntausend Einwohner auf knapp über 250 000 bis zum Jahr 2030 prognostiziert.

Den höchsten Wert liefert dabei die Gemeinde Bargfeld-Stegen mit 35,1 Prozent. Dort kostet ein Quadratmeter mittlerweile 250 Euro. Für ein 600 Quadratmeter großes Grundstück sind dann schon mal 150 000 Euro fällig – ohne Haus. Noch vor zwei Jahren hätte man für das Geld ein fast genauso großes Grundstück in Bargteheide erwerben können. Der Preis lag dort damals bei 265 Euro pro Quadratmeter, innerhalb von zwei Jahren ist er auf 330 Euro geschnellt – ein Plus von 24,5 Prozent.

Ganz vorn bei der Zunahme ist auch Bad Oldesloe. Der Gutachterausschuss hat eine Steigerung von fast 35 Prozent in einigen Gebieten ermittelt. Die Quadratmeterpreise differieren je nach Lage allerdings stark zwischen 240 und 320 Euro. In Nordstormarn ist weiterhin Reinfeld Spitzenreiter vor Hamberge. In beiden Orten können gut 200 Euro pro Quadratmeter fällig werden.

In etwa doppelt so viel müssen Häuslebauer weiter südlich in Großhansdorf und Ahrensburg sowie Reinbek zahlen. In keinem einzigen Stormarner Ort sind die Preise zurückgegangen, die geringste Steigerung von knapp zwei Prozent verzeichnet Barsbüttel.

Bei Gewerbegrundstücken lag der Anstieg der Bodenrichtwerte im Mittel bei vergleichsweise moderaten 6,1 Prozent, bei Mehrfamilienhaus-Grundstücken allerdings bei durchschnittlich 23,4 Prozent. Bei Wohn- und Geschäftshausgrundstücken in Zentrumslagen konnte eine nur geringe Steigerung der Bodenrichtwerte beobachtet werden (durchschnittlich plus 1,1 Prozent). Mit Abstand am meisten Geld müsste man in Ahrensburg am Rondeel hinblättern: 815 Euro pro Quadratmeter. Mit deutlichem Abstand folgt da die Bargteheider Rathausstraße (480 Euro).

Die Ackerlandpreise sind nach dem starken Anstieg der vergangenen Jahre dieses Mal nahezu konstant geblieben, nur in Nordstormarn legten die landwirtschaftlichen Bodenrichtwerte mit durchschnittlich plus 15,4 Prozent noch einmal kräftig zu. Sie liegen jetzt auf dem gleichen Niveau der anderen Kreisgebiete.

Die Arbeitsgrundlage für den bei der Kreisverwaltung angesiedelten Gutachterausschuss bildeten etwa 2900 Immobilienkaufverträge aus den Jahren 2017 und 2018. Damit wurden im Vergleich zum Zeitraum 2015/2016 im Kreis Stormarn knapp 14 Prozent weniger Immobilienkaufverträge geschlossen (2015/2016: etwa 3300 Verträge). Die Notare sind nach dem Baugesetzbuch verpflichtet, dem Gutachterausschuss alle Grundstückskaufverträge für diese statistischen Zwecke zur Verfügung zu stellen. Außerdem ist die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses bemüht, in vielen Kauffällen zusätzliche Informationen mittels Fragebögen zu bekommen.

„Jährlich mehr als 5000 Anfragen nach Bodenrichtwerten und anderen Dienstleistungen und knapp 25 000 Informationsabfragen auf unserer Internetseite dokumentieren, dass in der Bevölkerung ein großes Interesse an unserer Arbeit besteht“, folgert Stefan Leutelt.

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