Eltern üben harsche Kritik am Mensa-Essen der Stadtschule

Lübecker Nachrichten   08.03.2019

Eltern beklagten im Ausschuss, dass das Essen an der Schule oft ungenießbar sei – die Catering-Firma betont, weiter an der Qualität der Speisen zu arbeiten

Nicht gerade schmackhaft finden Eltern das Essen des Caterers Dussmann für ihre Kinder – und kritisieren vor allem die Qualität der Zutaten. Die Firma betont unterdessen, dass sie die Kritik der Eltern ernst nehme und fortwährend an der Qualität des Essens feile. Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Nicht ausgewogen, versalzen, zu fett, ungenießbar – so beschreiben Eltern das Essen aus der Mensa der Oldesloer Stadtschule. Mit dieser Kritik hatten sich Mitglieder des Beirats an den Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss gewandt. Sie wollten auf den Missstand einmal öffentlich aufmerksam machen. Ähnliche Szenen hatten sich noch vor drei Jahren in diesem Gremium abgespielt, als es um die Verpflegung in der Mensa am Schulzentrum ging. Auch damals hagelte es Beschwerden über die Qualität der Speisen. Dort hat inzwischen ein neuer Caterer die Regie übernommen. Seitdem hat sich die Situation offenbar zum Positiven verändert.

An der Stadtschule aber herrscht noch immer Frust. Die Eltern haben einen ganzen Katalog von Kritikpunkten zusammengestellt. „Als mit der Firma Dussmann Catering vor zwei Jahren ein neuer Vertrag abgeschlossen wurde, lautete die Festlegung, dass ein gewisser Anteil von Biolebensmitteln zum Einsatz kommen soll. Das geschieht aber nicht in ausreichendem Maß“, führt zum Beispiel die Elternbeiratsvorsitzende Marion Cornehl an. Lange Zeit sei das niemandem bewusst gewesen, bis es bei einer Prüfung des Wareneinsatzes offenkundig geworden sei. „Am 23. Mai vergangenen Jahres kam dann heraus, dass gar kein Bio auf den Tellern landet. Seitens des Caterers hieß es, das sei vergessen worden“, berichtet sie. Bedauerlich sei, dass im Vertrag mit ihm keine festen Prozentzahlen, sondern nur vage Angaben stünden, nämlich, dass anteilig bis überwiegend Bioprodukte verwendet werden sollten.

Fachbereichsleiter Thomas Sobczak bestätigte das Versäumnis des Mensabetreibers. „Wir haben ihm die Chance der Nachbesserung gegeben, aber auch eine Abmahnung erteilt, wie es im Vertragswesen so üblich ist“, informierte er die Eltern im Ausschuss. Die Möglichkeit zu überprüfen, ob sich die Firma nun daran halte, sei aber begrenzt. Es lasse sich nur anhand der Lieferscheine eine Analyse bezüglich der Plausibilität vornehmen, räumte er ein. Ob die Eltern für die nicht eingehaltene Vertragsvereinbarung entschädigt werden, sei nicht besprochen worden.

„Wir haben zum Glück eine Wirtschaftsprüferin in unseren Reihen, die die Lebensmittellisten geprüft hat“, sagt Marion Cornehl. Dabei hätten sich einige Ungereimtheiten ergeben. Bei den Einkaufskosten habe die Firma nicht etwa Großhandelskonditionen zugrunde gelegt, sondern in einem besonders krassen Fall den Preis von Hirtenkäse aus dem Oldesloer Bioladen für 19,93 Euro pro Kilo. „So teuer kauft man doch en Gros nicht ein wie im Einzelhandel“, kritisiert die Vertreterin des Elternbeirats. „Eine vollbiologische Ernährung verlangt ja auch niemand, es reicht, wenn die angebotenen Mahlzeiten gesund nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zubereitet werden. Dafür würden wir auch etwas mehr zahlen. Doch das ist leider nicht der Fall.“ Die DGE lege etwa Standards fest, wie hoch der Anteil von Gemüse gegenüber dem Fleisch sein soll und dass es an 20 Kalendertagen nur vier Mal etwas Frittiertes geben möge.

Großes Unverständnis ruft bei den Eltern aber hervor, dass der Caterer nach eigenem Bekunden 100 Mahlzeiten zu viel produziert, die täglich im Abfall landen. „Dass so mit Nahrungsmitteln umgegangen wird, ist einfach skandalös“, ärgert sich die Sprecherin der Eltern. Erklärt habe die Firma Dussmann das mit dem Argument, dass täglich ein vegetarisches und eine anderes Hauptmenü angeboten werden müsse. Um den spontanen Bedürfnissen gerecht zu werden, halte die Mensa zusätzliche Menüs vor. Im Elternbeirat fragt man sich derweil, weshalb es kein Bestellsystem gibt, bei dem die Schüler im Voraus für eine Woche ihr Lieblingsessen wählen. Auf diese Art und Weise lasse sich der Schwund zwar nicht komplett ausmerzen, aber die Verschwendung sei nicht ganz so arg. „Dann wäre auch mehr Geld da, den Bioanteil am Essen zu finanzieren“, fügt Marion Cornehl hinzu.

Doch damit nicht genug. Im eigens für das Thema Mensa gegründeten Gruppe des Elternbeirats ist Julia Sievers-Langer aufgefallen, dass auf dem wöchentlichen Speiseplan der Firma Dussmann zwar ein offizielles Biosiegel prangt, doch die daneben stehende Kontrollnummer sich nicht auf die Oldesloer Mensa bezieht. „Ich habe beim zuständigen Kontrollverband angerufen. Dort ist mir gesagt worden, dass diese Nummer nicht für unseren Standort eingetragen ist“, sagt Julia Sievers Lange. Dies sei nicht korrekt. Denn somit werde das Essen in der Stadtschule auch gar nicht auf die Verwendung von Bionahrungsmitteln kontrolliert.

Die Firma Dussmann selbst räumt ein, dass sie nicht frisch in der Mensa kochen kann, sondern nur eine Regenerationsküche zur Verfügung hat. „Wir regenerieren hochwertige, vorgegarte Teilkomponenten und ergänzen diese durch frische Produkte wie Gemüse und Kartoffeln. Eine vollwertige Produktionsküche würde auch unseren eigenen Ansprüchen entgegenkommen“, erklärt Michaela Mehls, Sprecherin von Dussmann Service. Über die schwierigen Rahmenbedingungen sei das Unternehmen in stetem Austausch mit der Stadt.

„Wir möchten die Schüler gern weiter verpflegen, nehmen die Kritik der Eltern ernst und feilen stetig an der Qualität. Von den Kindern bekommen wir übrigens fast keine Kritik“, fügt Mehls hinzu. Bereits seit einer Woche biete Dussmann einen komplett überarbeiteten Speiseplan an und habe der Stadt angeboten, künftig einen Teil der Speisen in einer nahen Zentralküche frisch zu kochen, regelmäßig mit den Elternvertretungen zu sprechen und zu den Jour fixes mit der Küchenkommission ein Protokoll zu führen, um gemeinsam und nachhaltig unsere Zusammenarbeit zu verbessern. Dussmann tue eine Menge, um alle Beteiligten zufriedenzustellen.

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