Elterntaxis: Stadt und Polizei kontrollieren vor Schulen

Lübecker Nachrichten   28.03.2019

Präventionsaktion „Sicherer Schulweg“ soll Verkehrschaos vor den Schulen beheben – Noch war der Erfolg eher mäßig

Elterntaxis: Lange Schlangen bilden sich in Bad Oldesloe bei Schulschluss. FotoS: Markus Carstens/Sandra freundt

Bad Oldesloe. Morgens, 7.30 Uhr: An den Schulen fahren die ersten Autos vor. Eine Viertelstunde später herrscht Chaos pur, denn die Eltern halten am Straßenrand und zum Teil auch auf den Fahrradwegen, um ihre Kinder im günstigsten Fall schnell auszuladen, im schlechtesten, diese eben noch mal ins Gebäude hinein zu bringen. Die Folge: Verkehrschaos und erhöhte Unfallgefahr. Diesen sogenannten „Elterntaxis“ versuchten Stadt und Polizei jetzt mit zwei Präventionsaktionen zum Thema „Sicherer Schulweg“ entgegenzuwirken. Noch war der Erfolg dabei eher mäßig.

Vor der Stadtschule standen die Beamten um 14.30 Uhr parat – pünktlich zum Unterrichtsende. Doch statt des üblichen starken Verkehrsaufkommens in der Königstraße fand diesmal vielmehr eine Völkerwanderung statt. Von beiden Seiten kamen Väter und Mütter anmarschiert, um ihre Kinder in Empfang zu nehmen und den Weg zum nahe gelegenen Parkhaus zu Fuß zurückzulegen. Offenbar waren die Eltern gewarnt worden und hatten an diesem Tag ihr Fahrzeug ordnungsgemäß etwas weiter weg geparkt. Der Anblick von Polizeiwagen und Beamten in Uniform tat ein Übriges dazu, Eltern nicht in der Königstraße anhalten zu lassen, sondern noch eine Runde zu drehen.

Bürgermeister Jörg Lembke dazu: „Natürlich haben wir die Leitung der Schulen informiert, da wir ja zusammenarbeiten wollen. Dass nun die Information komplett durchgesickert ist, ist schade.“ Dennoch sieht er zumindest einen Teilerfolg: „Wenigstens hat es bewirkt, dass die Eltern sich an diesem Tag an die Vorschriften gehalten haben.“

Gestern nun standen Vertreter von Stadt und Polizei vor Schulbeginn vor der Klaus-Groth-Schule. Aufmerksam wurden sie dabei von den Grundschülern beobachtet und tatsächlich gefragt: „Was macht ihr hier?“ „Wir sprechen mit euren Eltern über einen sicheren Schulweg“, bekamen sie zur Antwort. Tatsächlich war an diesem Tag auch hier in Sachen Verkehrschaos nichts los, doch konnten zumindest einige Eltern belehrt werden. „Da bekam man die unterschiedlichsten Erklärungen“, sagte Lembke, der vor Ort war.

Von „Ich bin heute nur spät dran“, bis hin zu „Bad Oldesloe ist ein unsicheres Pflaster, da muss ich doch mein Kind direkt vor der Schule absetzen, damit es nicht überfallen wird“. „Einige zeigten sich aber auch verständnisvoll und wollen den Ratschlag, demnächst ihr Kind etwas weiter entfernt von der Schule abzusetzen, annehmen“, freute sich der Bürgermeister auch über positive Reaktionen. Er hatte als Alternative die Nutzung der Parkplätze am Wendum und am Ehmkenberg vorgeschlagen. „So wären die Kinder auch noch etwas draußen.“ Tatsächlich empfehlen Studien eine Laufstrecke von 250 Metern vor Schulbeginn. Die Schüler sollen durch den Gang an der frischen Luft aufnahme- und leistungsfähiger sein. „Und sie lernen auch ihren Schulweg und die verkehrstechnischen Gefahren dabei kennen“, fügte Lembke hinzu. Er befürwortet es, Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Unterricht zu schicken.

Als weitere Maßnahme zur Entzerrung des starken Verkehrsaufkommens zu Schulbeginn und -ende, war die Einrichtung von Hol- und Bringzonen im Gespräch und damit einhergehend eine Teilsperrung von Parkplätzen für etwa eine halbe Stunde in den Problembereichen.

Auf jeden Fall aber plane die Stadt weitere solcher Präventionsaktionen, dann auch an weiteren Schulen in der Kreisstadt. Ob diese weiterhin – wie jetzt – angekündigt werden, ließ Jörg Lembke aber offen.

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