Oldesloe: Als Wohnort gefragt wie nie

Lübecker Nachrichten   31.03.2019

Es ist derzeit extrem schwierig, in der Kreisstadt eine halbwegs bezahlbare Bleibe zu finden. Die LN berichten, welche Projekte derzeit in Planung sind und wo schon gebaggert wird.

Das neue Wohngebiet Claudiussee. Fünf Häuser sind dort seit Anfang des Jahres schon im Bau. fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Mit Bahnanschluss, guter Nahversorgung, Schulen aller Couleur – Bad Oldesloe erfüllt alle Kriterien für einen idealen Wohnort. Kein Wunder also, dass immer mehr Familien aus den Ballungsgebieten in die Stadt drängen, um hier noch eine halbwegs bezahlbare Bleibe zu finden. Doch Wohnungen sind inzwischen Mangelware geworden. Glaubt man den Demografen, müssten binnen der nächsten zehn bis 15 Jahre über 1000 neue Wohneinheiten entstehen, um die Nachfrage zu decken. Dem stehen in der Realität einige Sachzwänge entgegen. Grundstücke müssen gefunden und Planungen abgeschlossen sein, bevor überhaupt ein Stein auf den anderen gesetzt werden kann. An einigen Stellen im Stadtgebiet wird aber schon gebaut, an anderen starten die Arbeiten ab Mitte des Jahres.

Im Wohngebiet am Claudiussee wachsen inzwischen fünf Einfamilienhäuser in die Höhe. Eines davon dürfte bald bezugsfertig sein, andere befinden sich noch im Rohbaustatus. Längs der Bahnlinie wird derzeit eine Schutzwand installiert, um die neue Siedlung vom Lärm abzuschirmen. 100 bis 150 Wohneinheiten sollen insgesamt entstehen. Laut Bürgermeister Jörg Lembke war die Eigentümergemeinschaft, die das Gelände am Standort der alten Farbenfabrik erschließen ließ, beim Verkauf von Grundstücken an Häuslebauer recht erfolgreich, doch mit dem sozialen Wohnungsbau hakt es noch. Gesucht werde ein Investor, der Mehrfamilienhäuser auf dieser Basis bauen wolle. Für das neue Wohngebiet Claudiussee wird eine Lärmschutzwand zur Bahn hin gezogen.

„Durch den Beschluss der Stadtverordneten ist festgelegt, dass bei neuen Projekten 30 Prozent der Wohnungen eine solche soziale Preisbindung haben sollen. Davon wollen wir auch nicht weg“, sagt Lembke. Er räumt ein, dass es bei steigenden Grundstückspreisen und den aktuellen energietechnischen Auflagen kaum möglich sei, preiswert zu bauen. Hinzu komme, dass es um die Bedingungen für den sozialen Wohnungsbau derzeit nicht rosig stehe, da es als Förderung allenfalls günstige Darlehen gebe.

All diesen Hindernissen zum Trotz ist die Wohnstättengenossenschaft Bad Oldesloe 1898 auf dem besten Wege, zwei neue Siedlungen im Stadtgebiet zu schaffen, um auch den Bedürfnissen weniger begüterter Mieter nachzukommen. Jeweils ein Drittel der 100 Wohneinheiten am Pölitzer Weg hinter der Ernst-Barlach-Straße sowie der 40 bis 60 neuen Wohneinheiten entlang der Alten Ratzeburger Landstraße in Rethwischfeld sollen später ausschließlich an Mieter mit Wohnberechtigungsschein vergeben werden. „1300 der Wohnungen in unserem eigenen Bestand sind schon aus der Bindung herausgefallen. Binnen der nächsten zehn Jahre werden die letzten 100 folgen“, sagt Jürgen Stahmer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Genossenschaft.

Ersatz müsse also dringend geschaffen werden. Das zeige der große Andrang an den beiden Sprechtagen in der Woche, an denen es jeweils 15 bis 20 Anfragen gebe. Zurzeit sei es aber noch nicht möglich, einen genauen Zeitplan für die Realisierung der Projekte zu nennen, da die Planung erst am Anfang stehe. Weitere Sozialwohnungen entstehen zudem an der Ratzeburger Straße in einem zweistöckigen Gebäude, das Parkplätze im Tiefgeschoss bietet. Auf der Rückseite soll es später auch einen Kinderspielplatz geben. Bezugsfertig wird das Haus wohl 2020/2021.

Trockengelegt werden muss dieses Grundstück in der Kleinen Königstraße von Bad Oldesloe. Dort sollen 6 bis 8 Wohneinheiten entstehen.

In die Baugrube können Passanten dagegen schon an der Kleinen Königstraße blicken. Dort entsteht gewissermaßen in erster Baureihe die dritte von insgesamt fünf Stadtvillen mit acht Wohnungen. Anders als die beiden schon bestehenden Häuser bekommt das neue ein Satteldach, da es sich so besser in das Stadtbild einfügt. Interessenten gibt es laut dem Investor schon.

„Viele ältere Leute, die ihre Häuser verkaufen, weil sie ihnen zu groß geworden sind, interessieren sich für die Wohnungen. Sie möchten in der Stadt bleiben, um den Kontakt zu Freunden nicht zu verlieren und um kurze Wege zum Arzt zu haben“, erzählt Jürgen Peter.

Exklusive Wohnungen in 1-A-Lage entstehen auch unweit des Kirchbergs in Hanglage zur Beste hin, ein Vorhaben der Sparkassentochter SIG Holstein. Wie Armin Baghai berichtet, soll dort frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses mit sieben, acht Wohnungen inklusive Tiefgarage begonnen werden. „Es ist erheblicher Aufwand nötig für die Gründung des Gebäudes. Es muss auf Pfähle gestellt werden. Aber die Lage ist später fantastisch“, sagt der Makler. Ihm zufolge ist das Interesse an hochwertigen Immobilien derzeit ungebrochen. Als Grund dafür nennt er das aktuelle Zinsniveau am Kapitalmarkt, das kaum Rendite bei klassischen Anlagen biete. Aus diesem Grunde investierten viele in „Betongold“.

Die alte Moogvilla am Oldesloer Kirchberg wurde bei einem Brand zerstört. Eigentlich sollen hier „Traumwohnungen“ entstehen. Doch die lassen offenbar auf sich warten.

Perspektivisch könnte der Kirchberg durch seine zentrale Lage zur Top-Wohnadresse werden. Doch abgesehen vom SIG-Projekt, dessen Fertigstellung für Ende 2020 avisiert ist, herrscht auf den anderen potenziellen Filetgrundstücken noch Stillstand. Wie berichtet, hatte ein Investor aus Bad Segeberg das Areal des St.-Jürgen-Hospitals und auch die durch einen Brand zerstörte alte Moogvilla erworben. Ein Schild weist darauf hin, dass dort Traumwohnungen entstehen sollen. Doch davon ist noch nichts zu spüren. Auch eine Nachfrage bei den Investoren blieb erfolglos.

Weiter gediehen ist dagegen die Planung für weitere 60 Wohneinheiten auf dem Gelände der einstigen VHS. Der bei einem Architektenwettbewerb als beste Variante prämierte Vorschlag ist inzwischen in den B-Plan 118 eingeflossen, zu dem die Träger öffentlicher Belange bald Stellung beziehen sollen. Zwei Behörden werden das Projekt sicherlich näher in Augenschein nehmen. Laut Bürgermeister Lembke dürfte sich zunächst der Kampfmittelräumdienst dafür interessieren, da im Bereich des Gebäudes mit Blindgängern zu rechnen ist.

Lembke zufolge will die Stadt das Areal nach Abschluss des Planungsverfahrens meistbietend versteigern.

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