Braucht Bad Oldesloe einen Biergarten?

Lübecker Nachrichten   06.04.2019

Umfrage des IFH Köln: Besucher der Fußgängerzone sind im Schnitt 54 und weiblich – Defizit im Freizeitangebot

Das Institut für Handelsforschung IFH stellte die Ergebnisse einer Passantenbefragung in Bad Oldesloe öffentlich vor. Foto: D. von Dahlen

Bad Oldesloe. 54 Jahre alt, weiblich, Wohnort Bad Oldesloe: Das klingt wie eine Kontaktanzeige. Ist es aber nicht. Vielmehr sind Personen mit diesen Attributen am häufigsten in der Fußgängerzone von Bad Oldesloe anzutreffen. Das ist nur einer von vielen Schlüssen, die das Institut für Handelsforschung (IFH) Köln aus den Daten gezogen hat, die 2018 während einer Befragung in Bad Oldesloe gesammelt wurden.

Wie 115 andere Kommunen bundesweit hatte die Stadt das Institut engagiert, um zu erfahren, ob sich die Kunden in der City wohlfühlen oder auch Kritik an Missständen üben. Dabei wurden insgesamt 400 Probanden an zwei Tagen im September mit einem standardisierten Fragebogen konfrontiert. Sie konnten zu einzelnen Kriterien wie Parkplätze, Sauberkeit oder Gastronomie Punkte vergeben. Das Ergebnis der Untersuchung „Vitale Innenstadt“ stellte jetzt IFH-Manager Nicolaus Sondermann im Kultur- und Bildungszentrum vor.

Zu Beginn schon machte sich Enttäuschung breit. Die Verwaltung, allen voran Bürgermeister Jörg Lembke, hatte mit mehr Besuchern gerechnet. Erschienen waren in erster Linie Vertreter der Wirtschaftsvereinigung, einiger Geschäfte aus der Fußgängerzone sowie einige Lokalpolitiker. Den zweiten Dämpfer bescherte das Gesamtergebnis der Erhebung. Statt als durchweg vitale Stadt dazustehen, erhielt Bad Oldesloe die Note 3,3, hatte sich damit sogar um drei Zähler hinter dem Komma im Vergleich zur Studie von vor zwei Jahren verschlechtert.

Als positiv bewerteten die Befragten sowohl die Erreichbarkeit als auch das Dienstleistungsangebot in Bad Oldesloe. Selbst die Parkplatzsituation schnitt mit einem „Befriedigend“ nicht so dramatisch schlecht ab, wie sie oft in Diskussionen dargestellt wird. Die Ausstattung mit Drogeriemärkten, Optikern, Lebensmittelgeschäften und Cafés kam ebenfalls gut an. Defizite sahen die Probanden dagegen im Freizeitangebot, wozu sie laut Präsentation des Instituts offenbar Kino, Theater, Museen, Ausstellungen und Sport zählen. Vermisst werden im Übrigen auch Lebendigkeit und Sehenswürdigkeiten. „Sie haben eine ansehnliche Innenstadt, aber ein Disneyland kann man nicht herzaubern. Bei den Events in der Stadt ist aber noch Luft nach oben“, versuchte Sondermann das ungnädige Urteil zu relativieren und einen Hinweis zu geben, wo sich etwas verbessern ließe. Denn gerade in der Rubrik „Öffentliche Veranstaltungen“ hatte Bad Oldesloe nicht besonders gut abgeschnitten. Verwundert zeigte er sich selbst darüber, dass kulturelle Aktivitäten so negativ betrachtet wurden, da die Stadt doch mit dem KuB eigentlich ein ansprechendes Angebot geschaffen habe. „Weshalb das bei den Befragungen nicht angegeben wurde, ist unklar“, sagte er.

Den Händlern gab Sondermann den Tipp, eine eigene Internetpräsenz aufzubauen, damit die Kunden leichter zu ihnen finden. Um die Attraktivität der Innenstadt zu verbessern, sei auch die Ansiedlung eines Biergartens von Vorteil. „Sie haben eine schöne Innenstadt. Das ist ein Pfund, mit dem Sie wuchern können“, so der abschließende Appell des Handelsexperten. D. von Dahlen

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