Fridays for Future: Stadtschüler pflanzen Obstbäume

Lübecker Nachrichten   27.04.2019

Der Schelte von FDP-Chef Christian Lindner zum Trotz setzen die Oldesloer Stadtschüler ihre Klimaaktionen fort – Diesen Freitag legten sie den Grundstein für eine bunte Streuobstwiese

#FridaysforFuture: Kinder der Oldesloer Stadtschule pflanzen mit Hilfe von Gärtner Sascha Wunderlich Obstbäume auf einer städtischen Wiese hinter der Schwimmhalle. Fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. FDP-Chef Christian Lindner hat sich mit seiner geringschätzigen Äußerung über die Aktion „Fridays for Future“ auch an der Oldesloer Stadtschule keine Freunde gemacht. Doch allen Unkenrufen zum Trotz setzten die Schüler ihr lokales Klimasschutzprogramm gestern munter fort. Sie pflanzten Bäume auf einer städtischen Grünfläche hinter dem Travebad und legten damit den Grundstein für eine bunte Streuobstwiese.

Beschlossen hatten das nicht etwa die Lehrer, sondern der Kinderrat der Stadtschule, ein demokratisch gewähltes Parlament, in dem Vertreter aller Klassen Stimmrecht haben. Denn es galt darüber zu befinden, was mit dem Preisgeld angestellt werden soll, das die Schule im September 2018 für die Auszeichnung als Klimawald-Schule erhalten hatte. Spielzeug, kleine Reitpferde für den Schulhof standen zunächst zur Debatte. Doch letztlich setzte sich die Idee durch, mit den 780 Euro weitere Bäume zu pflanzen.

Mit kleinen Spaten und zig Gießkannen ausgerüstet, machten sich die Mädchen und Jungen ans Werk. Aus jeder Klasse durften zwei Kinder mitmachen. „Das hat den positiven Effekt, dass die Idee, die hinter der Aktion steht, in jede Klasse hineingetragen wird. Der Anreiz mitzumachen, ist entsprechend groß“, berichtet Schulleiterin Sabine Prinz. Der Unterricht in der Natur, auf den die Stadtschule jetzt verstärkt setze, habe sich ohnehin als sehr förderlich für die Entwicklung der Kinder herausgestellt. Denn selbst beim Baumpflanzen würden Kenntnisse in Biologie und Mathematik vermittelt und dies viel anschaulicher und für die Schüler besser nachvollziehbar als beim Unterricht im Klassenzimmer.

Und in der Tat, beim Bemessen der Pflanzlöcher etwa kamen Zollstock und Maßband zum Einsatz. Und nicht zuletzt war mit Sascha Wunderlich ein Experte an Ort und Stelle, der den Kindern erklären konnte, was ein Baum für Bedingungen braucht, um gut anzuwachsen und zu gedeihen. Der Gärtner, dessen Kinder an der Stadtschule lernen, hatte sich sofort bereit erklärt, die Klimaaktion zu unterstützen. Er stockte das Preisgeld auf, damit noch mehr Bäume gekauft werden konnten und stellte Mitarbeiter frei, die das benötigte Material zur Wiese brachten. Alles in allem konnten so ein Pflaumen- und sechs Apfelbäume in den Boden gebracht werden. „Eine tolle Aktion. So etwas vergisst man nicht, das bleibt haften. Ich weiß noch genau, wie ich in meiner eigenen Lehrzeit Bäume in Bad Oldesloe gepflanzt habe“, sagte Wunderlich.

Ein neuer Freitag steht bevor, und auch das nächste Klima-Projekt der Stadtschule steckt schon in der Pipeline. Dieses Mal führt ein Ausflug nach Rethwischfeld zu Landwirt Christopher Hoff. Er hat das Projekt Stormarner Blühweide ins Leben gerufen und stellt pro Euro einen Quadratmeter Land zur Verfügung, damit sich Bürger aus der Region an der Aussaat bienenfreundlicher Pflanzen beteiligen können. Diesem Aufruf folgen auch die Stadtschüler. Sie wollen ihre beim Frühlingsfest eingenommene Summe von 580 Euro in das Projekt stecken und die Blühweide für die Bienen so um 580 Quadratmeter erweitern.

Gärtner Sascha Wunderlich erzählte den Kindern, dass er in seiner Lehrzeit auch Bäume in Bad Oldesloe gepflanzt habe.

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