Und Action! Badomat-Regisseur stellt neues Textbuch vor

Lübecker Nachrichten   10.05.2019

Maximilian Ponader hat umfangreiche Recherchen angestellt und viele Zeitzeugen befragt – Das neue Open-Air-Stück beleuchtet zehn Jahre Nachkriegszeit in Bad Oldesloe

Schon in Action: Maximilian Ponade stellt sein Buch mit Regieassistent Dariusch Tabatabaei (r.) und Badomat-Vorstandsfrau Ilona Rehme (l.) vor.

Bad Oldesloe. Die ganze Stadt Bad Oldesloe spielt wieder Theater im nächsten Mammut-Projekt des Vereins Badomat (Bad Oldesloe macht Theater). Das Textbuch von Autor und Regisseur Maximilian Ponader ist nach umfangreicher Recherche fertig. Darin spielen auch zwei reale Oldesloer eine Rolle. Zum einen Gustav Stoltenberg, der Vater des Politikers Gerhard Stoltenberg, der damals Pastor an der Oldesloer Peter-Paul-Kirche war. Zum anderen der Gelegenheitsarbeiter Carl Christian „Krischan“ Thegen, der zu Deutschlands berühmtesten naiven Malern zählt.

„Wir lernen heute unser neues Stück kennen, auf das wir schon ganz gespannt sind“, begrüßte Vorstandsfrau Sabrina Ward die rund 50 Gäste im Bürgerhaus. Zudem stellte sich als Regieassistent Dariusch Tabatabaei vor, der vor einigen Jahren an der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule Abitur machte und jetzt in Hamburg Filmregie studiert. „Wir haben ein bisschen gezerrt und gezogen und dann hat er zugesagt“, freute sich Badomat-Vorstandsfrau Ilona Rehme.

Auch etliche der Zeitzeugen, mit deren Erinnerungen an die Wirtschaftswunderzeit sich Autor und Regisseur Ponader „angefüllt“ hatte, kamen zur Präsentation. So konnte Gerd Manzel (80) „gut weiterhelfen bei Thegen“, verriet der Regisseur, der zudem Bücher über die Zeit gewälzt hatte und in alten Akten des Oldesloer Stadtarchivs fündig geworden war. Manzel: „Mein Spielplatz war ganz Bad Oldesloe. Ich war Hans Dampf in allen Gassen.“ So kannte er denn auch den naiven Maler Thegen, der für ein warmes Mittagessen in einem Oldesloer Haushalt gern eines seiner Bilder mit bevorzugt Tiermotiven als Geschenk mitbrachte.

Von Walter Busch (92) hatte der Autor den Hinweis bekommen, dass Hamburger schon nach der Zerstörung ab 1943 in Bad Oldesloe unterkamen. Zudem war Busch 1944 gemeinsam mit Gerhard Stoltenberg Marinehelfer. Die einstige Bürgerworthalterin Elisabeth Scherrer (84) fährt zwar selbst seit 68 Jahren unfallfrei. Doch konnte sie Ponader berichten, dass das Thema „Alkohol am Steuer“ früher viel lascher gehandhabt wurde.

Die einstige Amtsrätin Gisela Brauer (86) wusste in ihren 44 Jahren bei der Stadt Bad Oldesloe über alles bestens Bescheid. Auch über die vielen Ladengeschäfte, die es früher in der Stadt gab. Eines davon war die Konditorei Wohlers in der Hindenburgstraße 7, in der die Zeitzeuginnen und Schwestern Bärbel Wohlers (79) und Editha Bock (86) lange arbeiteten.

Dort erhielt Carl Christian Thegen immer „Kuchen vom Vater, der gerne gab“, so die in Bad Oldesloe geborenen Schwestern, die mit dem naiven Maler „entfernt verwandt“ gewesen sein sollen. Die Schwestern haben übrigens den Bombenangriff vom 24. April 1945 auf Bad Oldesloe nur überlebt, weil sie es nicht bis zum Bunker am Pferdemarkt geschafft hatten, der getroffen wurde.

Den Schwestern war besonders der Tanzunterricht in der Wirtschaftswunderzeit wichtig. Getanzt wurde damals in Bad Oldesloe im einstigen Tivoli in der Hamburger Straße, dem heutigen Oho-Kino, und später im Central-Cafe. Welches der Tanzlokale in dem Theaterstück eine Rolle spielen wird, ist noch nicht entschieden. Auf jeden Fall findet dort die Abschlussszene statt, eine Feier mit Dekoration im Stil von Thegen.

Und wenn alles klappt, kann dort im Aufführungsort Innenhof der Kreisverwaltung Pfingsten 2020 auch das Publikum mittanzen. Zwar beginnt das Open-Air-Theaterstück bereits im Jahr 1945, als nach dem Bombenangriff ein Viertel der Häuser zerstört wurde und es viele Zwangseinquartierungen gab, da sich durch die Flüchtlinge die Bevölkerung verdoppelte. Das Stück zeigt, dass die Integration damals vorbildlich klappte.

Besonders intensiv beleuchtet werden in dem Theaterstück der 7. und 8. September 1955. Letzterer ist der Todestag von Krischan Thegen. Natürlich gibt es eine Liebesbeziehung zwischen einem Flüchtlingsmädchen und einem Bauernsohn. Das Publikum kann einen Tag in einer Nissenhütte erleben, wo sich die Flüchtlinge im Kontrast zu den Schlagern der 50er Jahre bei zeitloser Musik von Händel in eine andere Welt träumten. Das Paar dagegen singt im Duett „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein.“

„Eine schöne Aufgabe, der ich mich sehr gerne gestellt habe“, sagt Ponader zum Theaterstück, das vom Globalen bis nach Bad Oldesloe alles genau beleuchtet. „Für mich wirklich ein Traum.“ Alles was er zum Leben erwecke, werde von dem Oldesloer Theaterteam umgesetzt. Deshalb sei jede Zeile ein Genuss. Jetzt wünscht er sich nur noch, dass jeder mit seiner Rolle glücklich ist. Von vielen interessierten Spielerinnen und Spielern habe er bereits Zettel mit ihren Ideen erhalten. An die konkrete Besetzung geht es beim Casting am 8. Juni ab 13.30 Uhr in der Theodor-Storm-Schule.

Die Zeitzeugen: Elisabeth Scherrer, Gerd Manzel, Gisela Brauer, Walter Busch, Editha Bock, Bärbel Wohlers (v. r.). Fotos: SUSANNA FOFANA

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