Ganz Oldesloe ist eine Bühne

Lübecker Nachrichten   12.05.2019

Straßenkünstler erobern bei der Pflasterart die City – auch heute wird noch Programm geboten

Zach Washer aus Neuseeland mit seinem Cyr-Rad zieht das Publikum an der Hude in den Bann. Fotos: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Klatschen, Lachen, Musik und tosender Applaus. Die Oldesloer Fußgängerzone gehört am Wochenende Straßenkünstlern aus vielen Ländern und ihrem Publikum. Es ist bereits das dritte Pflasterart-Festival in der Kreisstadt. Sonntag ist der letzte Tag.

„Haben Sie ein Feuerzeug?“, fragt Zach Washer das Publikum vor dem Feuerschlucken. Unter dem Gelächter der Zuschauer kommentiert der blonde Neuseeländer die Gaben mit: „Typisch. Ein Jugendlicher“ und „Typisch. Ein Hippie.“ Bevor die Fackel in seinem Mund verschwindet, warnt er noch: „Kinder, macht das nicht zu Hause.“ Will er wirklich den Apfel auf dem Kopf des mutigen Oldesloer Jungen mit einem riesigen Messer zerteilen? Er fragt die Mutter, ob sie denn wohl noch mehr Kinder habe? Und beteuert sogleich, dass es nur Spaß sei.

Dann wird es Ernst und der Höhepunkt der Show ist erreicht: Akrobatik im sich drehenden Cyr-Rad. Der Applaus für Zaktakular, so sein Künstlername für diese Show, will kein Ende nehmen. Dann folgt noch ein ruhiger Abschluss: ein Handstand auf einer wackeligen Wippe.

Imposanter Kraftakt: Ein einarmiger Handstand von Tomás Taboada aus Argentinien.

Das Thema Handstand hat es auch Tomás Taboada als „Little Testa“ angetan. Der Argentinier zeigt selbst einarmige Handstände und bringt dabei zudem noch den Körper in die Horizontale. Fast fliegend schwebt er so vor den Schaufensterpuppen eines Oldesloer Innenstadtgeschäfts herum. Nach und nach hatte er geschickt sein Publikum angelockt und seine Bühne mit Klebestreifen auf dem Boden markiert. Kleine Helfer für kleine Aufgaben waren auch bei ihm willkommen.

„Ich war die letzten beiden Male auch schon da. Ich finde es total faszinierend“, verrät Katrin Jacobsen aus Meddewade, die mit Enkeltochter Mathilda (7) unterwegs ist. „Ich war fast das ganze Wochenende da“, erklärt Svenja Deutschmann aus Bad Oldesloe zur letzten Pflasterart. Sie fügt hinzu: „Viele Sachen habe ich mir doppelt angeschaut, weil es so schön war.“ Auch ansonsten sei sie „ein großer Zirkusfan.“

Klappert gekonnt mit dem Besteckkasten: Jenita de Pecas aus Kolumbien hat ihre Teelöffel unter Kontrolle.

Jenita de Pecas aus Kolumbien ist die einzige Frau in der Oldesloer Straßenkünstlerinnenrunde. Und holt sich erst einmal männliche Assistenz aus dem Publikum auf die Bühne. Mal nicht Keulen sondern Teelöffel fliegen aus den Gläsern – und später auch wieder zurück. Dann zeigt sie in ihrer Show „Cuca“ wie gut sie das Einrad beherrscht.

Für den erkrankten Straßenkünstler Mr. Tartuffo springt kurzerhand Mr. Vita ein. „Dirk Hellmann von der Agentur Bajazzo hat einen guten Draht zu den Straßenkünstlern“, sagte Anna Plog vom Veranstaltungsmanagement der Stadt Bad Oldesloe. Er sei direkt von Barcelona eingeflogen worden. Die Pflasterart sei „auf jeden Fall besser besucht, als im letzten Jahr“, so Plog. Viele Leute seien extra wegen der Künstler gekommen, obwohl die Geschäfte bereits geschlossen seien. Auch die Künstler seien begeistert, es gebe viel „Hutgeld“.

Anne Schostag aus Bad Oldesloe darf bei Mr. Vita die „Bombe“ halten. „Es war unterhaltsam und sehr lustig“, kommentiert sie. Mr. Vita sei „ein Stimmungsmacher“. Was sie vermisse, sei ein Stand mit Essen aus aller Welt, passend zu den Künstlern.

Noch dreimal am Sonntag präsentieren Tanzpädagogin Kira Paas aus Deutschland und ihr dänischer Partner Anders Jensen ihr lustiges Tanztheater auf dem Oldesloer Marktplatz. Dabei turnen sie unter dem Applaus des Publikums hoch hinaus.

Eine Bildergalerie und ein Video von der Pflasterart finden Sie unter www.LN-Online.de

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