Kreis macht Busverkehr attraktiver

Lübecker Nachrichten   22.05.2019

Schülerkarten aus Plastik – Netz Nordstormarn geht an die Autokraft

Der Zob in Bad Oldesloe: Vom kommenden Jahr an soll es auch hier digitale Hinweistafeln mit den Abfahrtzeiten geben. Insgesamt soll der Busverkehr im Kreis Stormarn attraktiver werden. fotos: Markus carstens

Bad Oldesloe. „Das ist wirklich eine bahnbrechende Neuerung“, sagte Björn Schönefeld, in der Kreisverwaltung der Experte für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV), jüngst bei einer Sitzung des Verkehrsausschusses. Denn der Kreis läutet zum neuen Schuljahr das Ende der Schülerfahrkarte aus Papier ein. Alle rund 7000 Fahrschüler im Kreis Stormarn erhalten dann die Scheckkarte des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV).

Der Kreis ist damit Vorreiter in Schleswig-Holstein, die anderen Hamburg-Randkreise folgen ein Jahr später. Die Anträge für die neue Dauerfahrkarte können online gestellt werden. Dabei kann auch gleich ein Passfoto hochgeladen werden. „Das Verfahren zur Ausgabe der Tickets für die Schulbusse wird damit deutlich einfacher und schlanker“, erklärte Schönefeld den Ausschussmitgliedern.

Die Eltern werden per Schreiben informiert, die Ausgabe der Karten erfolgt dezentral über die rund 20 Schulträger. Diese werden auch künftig ein Drittel der Kosten für die Fahrkarten tragen, der Kreis zwei Drittel. Wie bisher ist das Ticket vom 1. August an ein Jahr lang gültig.

Eine weitere Neuerung betrifft die Vergabe des Busnetzes Nordstormarn von Lübeck bis Bargteheide. „Da sind jetzt die Verträge unterschrieben“, teilte Schönefeld mit. Gewinner ist die Autokraft, die den Zuschlag für beide sogenannte Lose bekommen hat: etwa 1,3 Millionen Fahrplankilometer zwischen Bad Oldesloe und Lübeck sowie etwa 500 000 Kilometer südlich der Kreisstadt inklusive Bargteheide. Beginn ist zum Fahrplanwechsel Ende 2019, die Verträge gelten für zehn Jahre. Bislang fährt auch noch Dahmetal auf Nordstormarns Straßen, das Unternehmen ging jedoch bei der Vergabe komplett leer aus.

Mit der Neuvergabe sind auch mehrere Verbesserungen für die Kunden verbunden. Für den Oldesloer Stadtverkehr wurde bereits eine vierte Linie eingerichtet, damit die Busse pünktlicher werden.

Bargteheide erhält nun erstmals einen echten Stadtverkehr, um unter anderem das Gewerbegebiet und einige Wohngebiete anzubinden. Auch das Anruf-Sammel-Taxi soll im Zuge dessen aufgewertet werden, unter anderem mit Verbindungen über die Dörfer.

Auf der Linie 8110 (Bad Oldesloe – Bargteheide – Ahrensburg) kommt es zwecks Attraktivitätssteigerung montags bis freitags zu einer Verdichtung des Stundentaktes in den Hauptverkehrszeiten (etwa 6 bis 8 Uhr und 15.30 bis 19 Uhr) zum 30-Minuten-Takt. Diese Linie ist die nachfragestärkste im nördlichen Kreisgebiet. Sie soll daher vom nachfrageorientierten Angebot in einen zum Teil angebotsorientierten Verkehr umgestaltet werden. Die Verbesserungen auf dieser Linie sind mit Mehrkosten von etwa 160 000 Euro jährlich verbunden, zudem muss ein weiteres Fahrzeug eingesetzt werden.

Die Stadt Bad Oldesloe würde zudem gerne weitere Linien verdichten, also mit einem 30-Minuten-Takt attraktiver machen – mit dem Geld des Kreises. Unterstützung dafür bekam die Kreisstadt aber nur von den Linken, das Ansinnen fand keine Mehrheit im Verkehrsausschuss. Nun überlegt Bad Oldesloe, selbst die Finanzierung zu übernehmen. Diskutiert wird das unter anderem auf der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 27. Mai. Ergebnisse sollen bis zur Sommerpause vorliegen.

Eine weitere Neuerung ist in Bad Oldesloe sowie Reinbek, Ahrensburg und Glinde vom Jahr 2020 an geplant. Dort sollen am jeweils größten Busbahnhof der Stadt Haltestellenmasten mit sogenannter dynamischer Fahrgastinformation aufgestellt werden. Kosten: rund 300 000 Euro, wobei das Land eine großzügige Förderung in Höhe von 75 Prozent verspricht. Nicht zuletzt deshalb stimmte der Verkehrsausschuss dem Vorschlag der Verwaltung einstimmig zu.

In Bad Oldesloe sollen am Zob neben dem Hauptbahnhof etwa vier Masten aufgestellt werden, genauso wie am Bahnhof Ahrensburg, am S-Bahnhof Reinbek und am Glinder Markt. Überall können die Passagiere dann in Echtzeit verfolgen, ob ihr Bus pünktlich kommt oder Verspätung hat.

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