Von Blühstreifen bis Rattenplage: Stadtteilbegehung am Bickbüschen

Lübecker Nachrichten   22.05.2019

Bürgermeister Jörg Lembcke war zur Stadtteilbegehung am Bickbüschen unterwegs. Themen waren das Grün, der Verkehr und die Ratten.

Zehn Bürger hatten das Angebot zur Stadtteilbegehung mit Bürgermeister Jörg Lembke (M.) angenommen. Foto: Bettina Albrod

Bad Oldesloe.  „Das ist das schönste Wohngebiet von Bad Oldesloe“, erklärt Yannick Thoms und zeigt auf blühende Büsche am Kreisverkehr Bickbüschen. Bürgermeister Jörg Lembke hört das gerne, und zehn Bürger nicken. Sie waren am Montag gekommen, um das Angebot zur Stadtteilbegehung anzunehmen. Die Begehungen sollen Bürgern die Gelegenheit geben, vor Ort Verbesserungsvorschläge zu machen, auf Missstände hinzuweisen oder sich einfach nur ein Bild vom Zustand des Ortsteils zu machen. Neben viel Lob gab es dann dennoch ein paar Themen, die die Anwohner loswerden wollten, allen voran der Verkehr.

„Als wir hergezogen sind, hieß es, die Straße bleibt zu“, moniert ein Herr, „ein paar Jahre später wurde die Straße zum Möhlenbecker Weg aufgemacht. Jetzt fahren hier die Busse, und die Autos sind viel zu schnell.“ Niemand halte sich an das Schritttempo, das eine Spielstraße vorschreibe. Ansgar Göbel hat morgens von 7 Uhr bis 8.30 Uhr 123 Autos gezählt. Die Hubbel, die das Tempo begrenzen sollten, seien sehr laut. „Das war eine Fehlinvestition, und die Busse fahren teils viel zu schnell.“

Bürgermeister Lembke kennt das Tempo-Problem schon von anderen Begehungen. „Alle beschweren sich darüber, dass die Autofahrer zu schnell sind“, sagt er, „das ist aber ein Problem, das wir als Stadt nur schwer lösen können.“ Die Straße werde für den Hol- und Bringdienst zur Kita genutzt, und als Durchgangsstraße führen hier auch die Busse, deshalb könne man die Straße nicht wieder schließen. Die Busse sollen künftig sogar noch häufiger fahren, kündigt Lembke an, denn die Stadt will ab 2020 zu den Stoßzeiten einen 30-Minuten-Takt im Busverkehr einführen. „Hier wohnen immer mehr alte Menschen“, erklärt Lembke, für die sei das Busangebot eine Verbesserung. Zu bedenken sei, dass sich das Mobilitätsmodell der Zukunft ändere, merkt ein Bürger an, dann brauche man vielleicht nur noch kleine Busse.

Die Hubbel würde man heute nicht mehr bauen, betont Lembke. Weiter geht es durch Grün und noch mehr Grün, und dann klafft eine Lücke: Ein Baum wurde gefällt. „Hier gibt es eine Neupflanzung“, beruhigt Lembke. Er bekomme immer mehr Anträge auf Baumpflanzungen, und dem wolle die Stadt gerne nachgeben. In Absprache mit dem Baubetriebshof sollten generell mehr Grün im Stadtgebiet angeboten und beispielsweise Grünflächen zu Bienenwiesen umgestaltet werden. Auch am Bickbüschen gibt es einen geeigneten Platz dafür. Weniger Tiere wünscht sich eine Anwohnerin im hinteren Bereich des Wohngebiets. „Wir haben ein Rattenproblem“, sagt sie. Dadurch, dass viele Leute ihren Müll schon Tage vor der Abholung raus stellten, würden die Nager angelockt, die auch tagsüber dort herumliefen. Wegen der vielen kleinen Kinder solle aber kein Gift ausgelegt werden. Lembke verspricht, über öffentliche Aufrufe noch einmal dafür zu plädieren, den Müll erst am Abend vor der Abholung raus zu bringen. „Das Problem wird besser, wenn die gelbe Tonne kommt.“

Weiter geht es an zwei Senken im Fußweg vorbei, in denen sich das Regenwasser sammelt, und Tiefbauamt-Leiter Klaus-Peter Scharnberg schreibt sich das auf. Er hat sich auch die Tempoklagen notiert, das Rattenthema und das Problem der Hecken, die nicht ausreichend geschnitten werden und dadurch nichtsahnende Radfahrer mit dornenbewehrten Zweigen angreifen. „Ich habe auch schon Zweige einfach abgeschnitten“, outet sich eine Anwohnerin, „sonst holt man sich hier Schrammen.“ Lembke bittet um Hinweise an die Stadt, damit die Verantwortlichen darauf aufmerksam gemacht werden können.

Ein bisschen zu viel Grün sieht man auch an den Sitzbänken, die in Brennnesseln verschwinden, und zu wenig Grün ist es den Bürgern da, wo im Knick per Kettensäge Kahlschlag gemacht wird. Hier sagt Lembke, dass man natürlich gerne den Bewuchs genauer prüfen wolle, dass der Baubetriebshof aber dazu zu wenige Leute habe. „15 Gärtner kümmern sich um 52 Quadratkilometer Stadtgebiet“, sagt er, „da muss es manchmal schnell gehen.“ An anderer Stelle haben die Anwohner einen schleichenden Mülleimerschwund beobachtet. Keiner weiß, wo sie geblieben sind, aber Lembke weiß, dass sie sich wieder vermehren werden: „Die Zahl der Abfallbehälter in der Stadt soll erhöht werden“, kündigt er an. „An allen Bänken, Bushaltestellen und nach Bedarf soll es welche geben.“ Die Ausschreibung dafür solle im zweiten Halbjahr beginnen.

Nachlesen kann man das alles auch online: Über die gesamte Begehung wird Protokoll geführt, das im Internet unter www.badoldesloe.de veröffentlicht wird. Dort können Bürger auch sehen, wie die Kritikpunkte nach und nach abgearbeitet werden.

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