Oldesloer „Erle“ vorerst gerettet

Lübecker Nachrichten   07.06.2019

Der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss sichert den Abenteuerspielplatz für zwei Jahre ab

Aufgrund des großen Interesses an diesem Thema fand die Sitzung zur Rettung der „Erle“ im Bürgerhaus statt. Foto: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Die „Erle“ in Bad Oldesloe ist vorerst gerettet. Für die nächsten zwei Jahre sicherte der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss (BSKA) die offene Kinder- und Jugendarbeit der Vereins Erleben leben auf dem Oldesloer Abenteuerspielplatz Poggenbreeden finanziell ab. Als vor einem Jahr nach Auslauf der Anschubfinanzierung der Aktivregion Holsteins Herz im Herbst 2019 die Schließung drohte, ging ein Aufschrei durch die Stadt.

Noch in der Einwohnerfragestunde des Ausschusses hatten Eltern die Bitten ihrer Kinder für den Erhalt des betreuten Abenteuerspielplatzes vorgetragen. Dort hätten Kinder in der Natur ohne digitale Medien ihren Spaß, fühlen sich gut aufgehoben und erhalten viele Denkanstöße.

Dieser Platz sei „einzigartig“, rief eine Mutter in den Applaus der Gäste. Hier gebe es keine Zerstörung und immer einen Ansprechpartner. Zur Kleintierhaltung gehören fünf Hühner und acht Küken. Hund „Anton“ ist der Platzhund.

Auch viele Institutionen in der Stadt hatten sich für den Erhalt eingesetzt. Ein solcher Lern- und Erfahrungsort sei „viel mehr als ein exklusives Geschenk für Kinder in Bad Oldesloe“, sagte Stadtschul-Leiterin Sabine Prinz. „Die ,Erle’ bietet ein einzigartiges pädagogisches Konzept an“, betonte der Kinder- und Jugendbeirat. Ein Oldesloer Kinder- und Jugendarzt wies darauf hin, wie wichtig Bewegung im Freien für Gesundheit und Entwicklung ist und wie schädlich sich Smartphone, Tablet und Fernsehen auf die kognitive und motorische Entwicklung auswirken können.

„Wir sind sehr, sehr erfreut und erleichtert“, sagte Sozial-Pädagogin Nina Reher, die den Naturkindergarten leitet und ebenso im offenen Bereich tätig ist. Auf Grundlage ihrer Bachelorarbeit „Möglichkeiten und Perspektiven eines Abenteuerspielplatzes im Stadtteil Hölk“ 2011 hatte sich das Naturspielplatz-Projekt weiterentwickelt.

2012 wurde der Verein gegründet, 2016 die Naturkindergartengruppe eröffnet und kam von Holsteins Herz die Projektbewilligung „Erleben leben im Lernort Natur“. Reher zeigte sich sehr dankbar über das Engagement der Oldesloer Politiker, die nach Lösungen gesucht hätten. Dies sei „ein tolles Signal“.

Die „Erle“ würde sich freuen, dass sie zwei Jahre weitermachen könne, sagte Reher. Sie würden auch weiterhin Förderanträge stellen und Eigenmittel einwerben. Dies sei selbstverständlich.

Genutzt wird der Abenteuerspielplatz in einem schwierigen Oldesloer Stadtteil von Kindern aus dem gesamten Stadtgebiet. Insgesamt werden jährlich rund 10  000 Besucher gezählt. Der Platz wird unter anderem von der Stadtschule als Draußenschule oder „grünes Klassenzimmer“ genutzt und seit Kurzem von den Kindern der Klaus-Groth-Schule im Rahmen des vom Mehrgenerationenhaus Oase organisierten Offenen Ganztags.

Den Förderbeschluss für zwei Jahre trugen alle im BSKA vertretenen Parteien gemeinsam mit. Nur die FDP stimmte dagegen. Ab 2020 sollen dem Verein Erleben leben nun jährlich rund 78 000 Euro aus dem Etat der Stadt Bad Oldesloe zur Verfügung stehen. Die Zusage für zwei Jahre ist allerdings an Bedingungen geknüpft.

Denn der Verein muss sich in dieser Zeit zum einen um andere Finanzierungsmöglichkeiten kümmern – und zum anderen per Satzungsänderung künftig Fördermitgliedschaften ermöglichen. Nach zwei Jahren nämlich sinkt die städtische Fördersumme auf 45 000 Euro jährlich.

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