Hagenstraße: Zurück auf Anfang

Lübecker Nachrichten   08.06.2019

Im Oldesloer Straßen-Monopoly heißt es nun „zurück auf Los“: Die Sanierung der Hagenstraße wird erstmal auf Eis gelegt, ein gesamter Verkehrentwicklungsplan soll erstmal her.

Der Parkplatz soll erhalten bleiben, ebenso die Bushaltestelle – so viel steht fest. foto: mc

Bad Oldesloe. Es ist kompliziert. Die Hagenstraße in Bad Oldesloe ist die einzige, die Autos auf der Altstadtinsel nutzen können. Zudem steuern täglich 240 Busse die zentrale Haltestelle an; und nach der vor kurzem beschlossenen Taktverdichtung werden es noch mehr. Der große Parkplatz daneben ist der meistgenutzte in Bad Oldesloe. Außerdem nutzen Radfahrer die mit Kopfsteinpflaster und Steinplatten durchsetzte Strecke und vor allem Fußgänger, die die Hagenstraße zwischen Kultur- und Bildungszentrum (KuB) und Marktplatz überqueren müssen.

Bislang gibt es dort keine Ampel und keinen Zebrastreifen. Die Straße ist als Spielstraße gekennzeichnet, was jedoch laut Bürgermeister Jörg Lembke eigentlich nie zulässig war. Die Stadtverwaltung hatte daher einen große Umbau von einem Ingenieurbüro erarbeiten lassen, der jedoch bei der Politik durchfiel. Diese entscheid vor fast genau vier Monaten überraschend, das Stück zwischen Historischem Rathaus und Markt zur Fußgängerzone zu machen – was einen Aufschrei unter den Gewerbetreibenden auslöste.

Vertreter der Wirtschaftsvereinigung nahmen nun am Donnerstagabend auf der Sitzung des Oldesloer Umwelt- und Verkehrsausschusses wohlwollend zur Kenntnis, dass diese Pläne nicht weiter verfolgt werden sollen. Stattdessen beschlossen die Politiker, von einem Fachbüro einen Verkehrsentwicklungsplan für Bad Oldesloe mit Schwerpunkt Hagenstraße erstellen zu lassen.

In einer interfraktionellen Runde hatten die Oldesloer Politiker in den vergangenen Wochen mehrere Punkte erarbeitet, die bei der Planung berücksichtigt werden sollen:
– die zentrale Bushaltestelle soll erhalten bleiben, einige Linien könnten jedoch in die Lübecker Straße verlagert werden
– Radfahrer dürfen in beide Richtungen unterwegs sein, Busse und Lieferanten jedoch nur in eine Richtung
– Vermeidung des Durchgangsverkehrs, eine Zählung soll als Grundlage dienen
– sichere Führung der Fußgänger über die Hagenstraße
– deutliche Verringerung des Parkplatzsuchverkehrs, zum Beispiel über ein Parkleitsystem
– Untersuchung der Möglichkeiten, bewegungseingeschränkte Kunden möglichst nahe an die Innenstadt-Geschäfte heranzuführen, zum Beispiel durch die Erhöhung der Parkplatzzahl mithilfe von Tief-/Hoch-Garagen, durch Shuttle-Bus-Verkehr zum Parkplatz am Exer oder etwa die Nutzung von E-Rollern und/oder Lastenfahrrädern

Außerdem soll die Stadtverwaltung parallel die Oldesloer Bürger befragen und so die Wünsche der Innenstadt-Kunden und -Geschäftsleute in Bezug auf die Erreichbarkeit von Geschäften, Arztpraxen sowie von Verwaltungs- und Service-Einrichtungen erheben.

Bürgermeister Jörg Lembke wies darauf hin, dass die Sanierung der Hagenstraße damit um zwei bis drei Jahre hinausgezögert werde. Ursprünglich sollte der Startschuss in diesem Jahr erfolgen. „Das hat sich aber erledigt.“ Und bis Fachleute ein entsprechendes Konzept vorlegen könnten, werde sicher mindestens ein Jahr vergehen.

„Wir haben keinen Zeitdruck“, entgegnete Hans-Hermann Roden von der SPD. Nicht jede Fraktion teile jeden der aufgeführten Punkte, doch nach eingehender Debatte stimmte auch die FBO für den Antrag, die zunächst nicht auf dem gemeinsamen Papier aufgeführt war.

Lediglich Jascha Ückert von der CDU enthielt sich. Ihm ging der Antrag nicht weit genug. Er wollte angesichts der Klimadebatte dem Fahrrad bei der Planung Priorität einräumen. „Die Hagenstraße könnte eine Initialzündung sein“, sagte er. Die Radfahrer würden ohnehin berücksichtigt werden bei modernen Verkehrsgutachten, hieß es dazu aus dem Plenum.

Am Dienstag muss nun noch der Wirtschafts- und Planungsausschuss (19 Uhr, Sitzungssaal Stadthaus) zustimmen.

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