Oldesloer Weltenbummler geht wieder auf Reisen

Lübecker Nachrichten   08.06.2019

Das Wohnmobil von Wolf Leichsenring steht bereit, ein grober Plan ist ausgearbeitet – Es geht für den 72-Jährigen für fast drei Monate auf die Färöer-Inseln, nach Island und Grönland

Wolf Leichsenring mit seinem Wohnmobil, in dem er die nächsten Monate leben wird. foto: Markus carstens

Bad Oldesloe. Die Durchschnittstemperatur in Grönland beträgt im Sommer zehn Grad. Trotzdem oder gerade deswegen zieht es Wolf Leichsenring aus Bad Oldesloe demnächst dorthin. „Ich brauche keine Mittelmeerwärme, mir geht es um Erlebnisse“, sagt der 72-jährige Reisejournalist, ehemalige Lehrer und Sänger der Eutiner Festspiele. Denen hat er für diesen Sommer eine Absage erteilt. Denn für seinen fast dreimonatigen Wohnmobiltrip nach Färöer, Island und Grönland ist nun mal der Sommer die einzige mögliche Jahreszeit.

Wie schon bei seinen Reisen in die USA, nach Australien oder Irland wird Leichsenring auch diesmal wieder am Ende ein Buch schreiben. Es wird sein insgesamt achtes sein, aber das erste, für das er komplett allein verantwortlich zeichnet. Bislang hat er immer die Texte verfasst, seine Frau Gabriele war für die Fotos zuständig. Nicht nur deshalb waren die beiden ein ideales Reiseteam, bis Gabriele Leichsenring vor rund 14 Monaten ihren langen Kampf gegen den Krebs verlor.

„Wir hatten abgemacht, dass jeder nach dem Tod des anderen alle seine Hobby weiter pflegt“, berichtet Wolf Leichsenring. „Es hat ja auch keinen Zweck, Trübsal zu blasen.“ Deshalb ist er auch schon kurz nach der Beerdigung wieder auf Tour gegangen. „Ich musste raus.“ Für sechs Wochen ging es in die Provence, ein Buch wird es nicht geben, aber Vorträge. Von September bis Mai ist der Oldesloer jedes Jahr auf Vortragsreise durch ganz Deutschland. „Manchmal kommen zwölf Leute, manchmal aber auch 100.“ Besonders in Ostdeutschland kämen viele Leute zu seinen Veranstaltungen.

„Natürlich war es allein erstmal schwierig“, sagt der 72-Jährige. Es werde einem bewusst, dass man nun wirklich allein ist. „Ich kam als anderer Mensch zurück. Und habe gelernt, dass ich auch abends noch Programm brauche, um nicht aus einem leeren Fenster zu starren.“

Das ist die emotionale Seite der Reisevorbereitung. Bei der sachlich-fachlichen fand Wolf Leichsenring heraus, dass es auf Island kein Propangas gibt, welches er eigentlich benötigt, sondern nur Butan. „Könnte ich zwar benutzen, aber danach wäre alles verrußt.“ Also hat er sich einen Niederspanner-Heizlüfter mit 750-Watt zugelegt. „Sonst wird es kalt am Gletscher.“

Los geht es heute mit der Fähre von Dänemark auf die Färöer, wo Leichsenring zehn Tage verbringen will. Danach geht es weiter an die Ostküste Islands, von wo aus er im Uhrzeigersinn auf der Ringstraße einmal über die Insel fahren will. Zwischendrin steht ein Flug nach Grönland und dort dann eine mehrtägige Schiffstour an.

Diese und einige andere Ausflüge wie zum Beispiel die Besichtigung eines erloschenen Vulkans von innen hat der Reisejournalist längst gebucht, anderes ergebe sich vor Ort. Die Campingkarte für die meisten Plätze in Island ist auch an Bord, denn frei campen ist nach dem Touristenboom der vergangenen Jahre nicht mehr erlaubt. Besonders freut sich Wolf Leichsenring auch auf den Trip auf die Westmänner-Inseln.

Das alles wird dann in seinem achten Buch stehen, das er im Frühjahr 2019 auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen wird. Aber auch vorher wird Leichsenring im Internet bloggen und auf anderen Kanälen mit Facebook und Instagram die Reise-Community mit frischen Eindrücken versorgen.

Dass er großen Output hat, zeigte er zuletzt bei seinem Schleswig-Holstein-Projekt. Aus dem avisierten Buch mit 200 Seiten wurden schließlich zwei Werke – eines für die Nordsee, eines für die Ostsee – mit insgesamt 500 Seiten. Weitere Ziele hat Wolf Leichsenring mit Frankreich, Norwegen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen sowieso schon längst. „Das Wohnmobil soll noch so einige Kilometer machen“, sagt der Oldesloer Weltenbummler.

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