Aufs Oldesloer Travebad kommen neue Kosten zu

Lübecker Nachrichten   21.06.2019

Besucherzahlen haben sich stabilisiert und legen sogar noch zu – Doch nun kommt die nächste Hiobsbotschaft – Stadt muss wieder investieren

Das Oldesloer Travebad kommt nicht so richtig zur Ruhe. fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Die gute Nachricht vorweg: Die Besucherzahlen des Oldesloer Travebads sind seit der Wiedereröffnung 2016 wieder auf dem steigenden Ast. 2018 nutzten 112 971 Individualgäste, Schüler und Vereinsschwimmer die Sportstätte. Das sind 10 665 mehr Badegäste als im Jahr zuvor. So konnten Mehrerlöse von rund 47 000 Euro erzielt werden. Bei gleichzeitig gestiegenen Kosten schiebt das Bad wie so viele öffentliche Schwimmhallen ein immer größeres Defizit vor sich her. 2018 betrug es 981 000 Euro, ein Zuwachs also von 22 000 Euro im Vergleich zu 2017. Darüber informierten Vertreter der Vereinigten Stadtwerke (VSG) als Badbetreiber sowie des Eigenbetriebs Stadtwerke die Mitglieder des Hauptausschusses.

Für allgemeine Verstimmung im Gremium sorgte aber wohl die Mitteilung, dass die Filteranlage zur Reinigung des Wassers erneuert werden muss. „Fünf Jahre nach Wiederinbetriebnahme des Bades ist das schon ein Schlag. Über alle Fraktionen hinweg sind wir entsetzt über die Summe, um die es geht“, fasst der Ausschussvorsitzende Hajo Krage die Reaktion der Politik zusammen. Alles in allem werden 500 000 Euro fällig, um die offenbar nur unzureichend arbeitende Anlage zu ersetzen.

„Das ist alles sehr ärgerlich. Wir hatten ja schon viele Schwierigkeiten mit dem Umbau des Bades an sich und eine erhebliche Bauzeitverlängerung. Aber dass jetzt Schäden an der Wasseraufbereitung auftreten, ist wirklich fatal“, sagt auch Jürgen Fahl von den Stadtwerken. Denn 2014 sei die Herstellerfirma der Filtrationsanlage in Insolvenz gegangen, sodass keine Mängelhaftung geltend gemacht werden könne. Die Stadt habe zwar als Gläubiger Ansprüche angemeldet, aber ob sie damit Erfolg habe, sei fraglich.

Laut Fahl ist damals bei der Planung des Bades von Beratern empfohlen worden, bei der Wasseraufbereitung innovative Technik einzubauen, die weniger Strom brauche und daher besonders kostengünstig und umweltverträglich arbeite. Statt der sonst bei der Ultrafiltration verwendeten Rohrmembrane, durch die das Wasser per Druck geschleust und gereinigt werde, seien Plattenmembrane eingebaut worden, die mit einem Absaugverfahren arbeiteten. Doch das funktioniere in der Praxis nicht richtig. „Es kommt zu Undichtigkeiten und das macht einen wirtschaftlichen Betrieb unmöglich. Wir müssen das Wasser nach der Filtration noch öfter spülen und reinigen, um zu guten Ergebnissen zu kommen“, sagt Fahl. Schließlich müsse das Wasser den strengen Hygienekontrollen entsprechen. So sei statt einer Ersparnis sogar ein Anstieg der Kosten zu verzeichnen.

Da ihnen eine rasche Abhilfe unumgänglich erschien, stimmten die Mitglieder des Hauptausschusses einhellig für den Austausch der Technik. Laut Fahl soll dies in zwei Phasen geschehen. Noch in diesem Jahr werden die Filtermodule im Warmwasserkreislauf ausgetauscht, welcher sowohl Nichtschwimmer- als auch Planschbecken speist. Die Kosten von 170 000 Euro sollen aus der im Investitionsplan verbuchten Summe für den Neubau des Medizinischen Bads verwendet werden, da das Projekt derzeit auf Eis liegt. Fahl zufolge müssen die Becken dafür im Herbst vier bis sechs Wochen gesperrt werden. Die Technik für das große Sportbecken hingegen soll im kommenden Jahr über die Sommerschließzeit hinweg ertüchtigt werden. Auch in diesem zweiten Wasserkreislauf werden neue Kapillar-Druck-Membrane eingebaut.

Werkleiter Jürgen Fahl zeigt, wie die schadhaften Membrane aussehen, die derzeit noch zur Wasseraufbereitung im Oldesloer Travebad installiert sind. 

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