Ampeln am stillgelegten Gleis bleiben defekt

Stormarner Tageblatt  24.06.2019

Daher ist es nicht ungefährlich, die viel befahrene B75 in Blumendorf zu überqueren

Luca Sixtus Bad Oldesloe Wenn Autos mit 60 bis 70 Stundenkilometern über den Asphalt donnern, dann erweist sich die Straßenüberquerung ohne funktionierende Ampelanlage meist als gefährlich. Auf der B 75 am stillgelegten Industriegleis in Blumendorf ist dieser Umstand Realität. Dabei wechseln am Gewerbegebiet Rögen/Sandkamp täglich Menschen die Straßenseite. Es sind nicht nur die Fahrradfahrer gemeint, die den Radwanderweg von Henstedt-Ulzburg über Grabau nach Bad Oldesloe nutzen, sondern auch Kinder, die sich etwa auf dem Schulweg befinden.

Seit der Stilllegung des Industriegleises im Jahre 2017 hat die Stadt Bad Oldesloe, sozusagen als Service für weitere Nutzer, die Lichtzeichenanlage aufrechterhalten. „Es bestand aber von vornherein die Absicht, die Anlage im Falle eines Defektes nicht mehr zu reparieren“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke.

Nun ist vor einiger Zeit genau dieses Szenario eingetreten. „Hier werden Unfälle billigend in Kauf genommen“, meint Karl-Heinz Labs aus Grabau. Der 80-Jährige nutzt des öfteren den Radwanderweg und muss dementsprechend immer mit großer Vorsicht und teilweise viel Geduld die Straße am stillgelegten Gleis überqueren. „Da fahren so viele Autos entlang.“ Die Straßenüberquerung sei ein gefährliches Unterfangen, so der Senior.

Nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Bad Oldesloe vom 27. Juni 2016 wurde dem letzten und zum damaligen Zeitpunkt einzigen Nutzer der Bahnschienen die Sperrung des Gleises mitgeteilt. „Seit Jahren nutzte lediglich ein Unternehmen das Gleis. Hierdurch war der Betrieb stark defizitär“, erklärt Bürgermeister Lembke. Die Stadt hätte jährlich etwa 50.000 Euro aufgebracht, um den Schienenbetrieb aufrechtzuerhalten. Das Unternehmen Arcelor-Mittal, das pro Woche sieben Waggons Stahl ins Gewerbegebiet hatte liefern lassen, zahlte für die Gleisnutzung jedoch nur 30.000 Euro. Nach der Sperrung erfolgte der Transport via Lkw. Doch der Umstieg gestaltete sich schwieriger als zunächst angenommen.

Im vergangenen Jahr führte eine Initiative von FDP-Politikerin Anita Klahn dazu, dass mit Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz erneut Gespräche mit Arcelor-Mittal aufgenommen wurden. Die Stadtverordnetenversammlung Bad Oldesloe beschloss daraufhin, das Gleis unter bestimmten Bedingungen wieder in Betrieb zu nehmen. „Die Stadt übernimmt einmalig maximal 50.000 Euro“, sagt Bürgermeister Lembke. Die AKN Eisenbahn GmbH übernehme das Gleis in Form eines Betriebsführungsvertrages. „Die Stadt bleibt Eigentümer, aber die AKN betreibt das Gleis mit allen Risiken und Vorteilen. Es wäre im Erfolgsfalle geplant, die Ertüchtigung 2020 durchzuführen.“

Damit müssten sich die Radfahrer und Kinder, die am Gleis in Blumendorf immer die Straße überqueren, noch eine ganze Weile gedulden, bis die Stadt Bad Oldesloe die Ampelanlage erneuern würde. Bürgermeister Lembke verwies außerdem darauf, dass es sich bei der B 75 um eine Bundesstraße handele und die Zuständigkeit um eine etwaige Übergangslösung in Sachen Ampelschaltung auf den Landesbetrieb Verkehr fallen würde. „Ob der LBV eine Ampelanlage plant, entzieht sich meiner Kenntnis“, merkt Lembke an.

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