Filteranlage im „travebad“ defekt

Stormarner Tageblatt  24.06.2019

Sechs Jahre nach der Sanierung müssen für die Schwimmhalle erneut 500.000 Euro investiert werden

15 Jahre Laufzeit waren avisiert, jetzt muss die Anlage zur Wasserreinigung in der Oldesloer Schwimmhalle bereits nach sechs Jahren wieder erneut werden.Patrick Niemeier
15 Jahre Laufzeit waren avisiert, jetzt muss die Anlage zur Wasserreinigung in der Oldesloer Schwimmhalle bereits nach sechs Jahren wieder erneut werden.Patrick Niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Es kehrt einfach keine Ruhe ein im Oldesloer „Travebad“. Die Umbaumaßnahme, die einst versprach, ein Prestigeobjekt entstehen zu lassen, hat in der Wahrnehmung vieler Nutzer nicht zu großen Verbesserungen, sondern nur zu vielen Problemen geführt. Kurzum: Das „Travebad“ konnte seit den Umbaumaßnahmen nie wirklich überzeugen und ist genau genommen eine Enttäuschung, die mit verlässlicher Kontinuität für negative Überraschungen sorgt.

Und gerade jetzt, als sich das Bad ein wenig aus den düsteren Schlagzeilen bewegt hatte und die Besucherzahlen 2018 um 10.655 weitere Schwimmgäste leicht gestiegen waren, so dass der Gesamtzähler auf 112 971 ansteigen konnte, kommt die nächste Nachricht, die finanziell und nervlich zu Buche schlägt.

Denn die vor der Neueröffnung 2014 noch in höchsten Tönen angepriesene Filteranlage, die so fortschrittlich war, dass sie als ein Pilotprojekt, das noch nicht der DIN-Norm entsprach, eingebaut wurde, gibt überraschend früh den Geist auf. „Statt 15 Jahren sind es jetzt nur fünf oder sechs“, so ein enttäuschter Bürgermeister Jörg Lembke. Und das alles, während das Travebad sowieso Jahr für Jahr ein Defizit von fast einer Million Euro anhäuft. Um die Filteranlage zu ersetzen, wird bei angespannter Haushaltslage nun eine Summe von insgesamt ungefähr einer halben Million Euro investiert werden müssen.

Die Lokalpolitiker zeigten sich angesichts dieser Nachricht erschrocken bis sauer. „Die Summe, die da jetzt aufgerufen wird, entsetzt uns quer durch die Fraktionen“, so Hajo Krage (SPD). „Es war vor meiner Amtszeit, daher weiß ich nicht genau, was damals genau besprochen wurde, warum man sich für dieses Modell entschied, ob es als Pilotprojekt billiger war oder welche Versprechungen gemacht wurden“, so Bürgermeister Jörg Lembke. Fakt sei: Die Anlage mache nicht das, was sie solle und sei daher weder wirtschaftlich noch technisch langfristig tragbar.

Er kündigte bereits an, dass man überlege, gegen die Planer juristisch Schritte einzuleiten. „Die Herstellerfirma ist allerdings insolvent. Bleiben noch die Planer und Berater“, sagt der Verwaltungschef. Offenbar wurde damals durch die Verwaltung eine Beraterfirma zu Rate gezogen, die genau diese Anlage als kosten- und platzsparend empfohlen haben soll. Zuvor war diese nur in Klärwerken getestet worden. „In den Klärwerken lief sie aber wohl ohne Probleme“, hat sich der Bürgermeister bereits informiert. Ob in diese Richtung nun Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können, müsse geprüft werden.

Die Mitglieder des Hauptausschuss zumindest fordern, dass die Vergabe und die Entscheidung damals durchleuchtet und hinterfragt werde. Die erhofften Einsparungen von damals traten laut Jürgen Fahl, Leiter der Stadtwerke, auch gar nicht ein. Im Gegenteil. Die Wasseraufbereitung wurde kostenintensiver, damit sie überhaupt den hohen hygienischen Ansprüchen einer Schwimmhalle genügte.

Trotz des Frustes stimmten die Ausschussmitglieder mehrheitlich für den Austausch der beschädigten Technik. Zunächst sollen dafür die kleinen Becken im Herbst für mehrere Wochen geschlossen werden. „Wir können nicht einfach sofort etwas reparieren oder bestellen. Wir befinden uns da im Vergaberecht“, so der Bürgermeister.

Die Kosten von zunächst 170.000 Euro für die kleinen Becken sollen aus dem Budget für den Um- beziehungsweise Neubaus des „Medizinischen Bades“ entnommen werden. Auch das ist Teil einer weiteren unendlichen Geschichte im Rahmen der zum Großteil vermurksten Travebad-Sanierung, die sich immer mehr als Komplettdesaster für Planer und Betreiber erweist.

„Wir wollen das alles so gestalten, dass es den Betrieb für möglichst kurze Zeit aufhalten, einschränken oder verhindern wird“, sagt Lembke. Erklären könne er sich die Pannenserie auch nicht. „Das liegt aber auch vor meiner Zeit. Ich war nicht dabei, als damals die Entscheidungen getroffen wurden“, so der Bürgermeister.

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