500 Kilometer Anreise zum Blumengießen

Stormarner Tageblatt  02.07.2019

Wassertank-Transporter kommt vom Niederrhein nach Bad Oldesloe, um Pflanzen zu wässern

Das Fahrzeug kommt  aus Kleve  zum Blumengießen: Mitarbeiter von  „Flower and Shower“ lassen das Wasser laufen. Nie
Das Fahrzeug kommt aus Kleve zum Blumengießen: Mitarbeiter von „Flower and Shower“ lassen das Wasser laufen. Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Passanten können es kaum glauben: In regelmäßigen Abständen fährt der Sprinter einer niederländischen Firma durch die Fußgängerzone, und dann werden die aufgehängten Blumenampeln mithilfe einer besonderen Vorrichtung bewässert. Das Fahrzeug mit Kennzeichen der 50.000 Einwohnerstadt Kleve am Niederrhein gehört zur deutschen Niederlassung des niederländischen Unternehmens „Flower and Shower“.

Die 2001 gegründete Firma ist spezialisiert auf Blumen im öffentlichen Raum und in diesem Sommer für die Blumenampeln in der Innenstadt verantwortlich, die einen Beitrag zur Erhöhung der Attraktivität und Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone beitragen sollen.

Das Unternehmen bietet einen „Full Service“ an: Blumenampeln werden nicht nur gestaltet, angeliefert und platziert, sondern auch während der Verweildauer gepflegt.

„Ich frage mich, wieso eine Firma aus Kleve nach Bad Oldesloe kommt und Blumenampeln aufhängt und dann auch noch für deren Pflege verantwortlich ist?“, spricht Björn Wahnfried (SPD) aus was viele denken. Wahnfried fragte deshalb bei Bad Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke nach, ob tatsächlich eine Firma aus dem nahezu 500 Kilometer entfernte Kleve für die Pflege der Blumen in seiner Heimatstadt verantwortlich sei. „Ich kann das nur bestätigen. Wir haben dieses Projekt ausgeschrieben, und die Firma aus Kleve hat gewonnen. Dann können wir sie nicht ablehnen“, so er Verwaltungschef. Das sei die Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden bei der wissenschaftlich begleiteten Umfrage „Vitale Innenstädte“ des Kölner Instituts für Handel (IFH). „Es gab eine Ausschreibung und wir sind ans Vergaberecht gebunden“, führt der Bürgermeister aus. Für die Klimabilanz sei eine fast 500 Kilometer lange Anreise vom Niederrhein an die Trave sicherlich nicht sehr wertvoll. „Die Firma hat die Ausschreibung gewonnen“, betont Lembke: „Oldesloer Blumengeschäfte oder Gärtnereien hatten kein Interesse. Wir hatten nicht mal eine Reaktion auf die Ausschreibung von hier. Natürlich wäre uns das viel lieber gewesen. Aber wie gesagt: Wir befinden uns im Vergaberecht und der Gewinner einer Ausschreibung hat ein Anrecht auf den Zuschlag“, so Lembke.

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